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"Die Toten sollen in Marbach bleiben"

Neue Urnenwand "Die Toten sollen in Marbach bleiben"

Urnenbestattungen haben Hochkonjunktur in Marburg. Aus diesem Grund eröffnet auf dem Friedhof Marbach die bereits dritte Marburger Bestattungsstelle für Urnen innerhalb weniger Jahre.

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Die neue Urnenwand auf dem Marbacher Friedhof mit den konventionellen Gräbern im Vordergrund.

Quelle: Yves Bellinghausen

Marbach. Neben Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) kamen auch Vertreter des Stadtteils Marbach und der Friedhofsverwaltung, um den Bau der Öffentlichkeit zu präsentieren. Erst vor zwei Wochen wurde auf dem alten Friedhof in Cappel eine Urnenwand eingeweiht, seit Ende 2012 schon steht auf dem Friedhof in Wehrda eine Urnenwand - ganz zu schweigen von den Urnenwänden auf dem Marburger Hauptfriedhof.

Wieso baut die Stadt neuerdings so eifrig Urnenwände? Tatsächlich lässt sich ein Wandel in der Bestattungskultur feststellen, erklärt Bürgermeister Dr. Kahle: „Vor zehn Jahren noch waren drei Viertel aller Bestattung ganz normale Beerdigungen. Nur ein Viertel der Toten wurde damals eingeäschert.“ Heute sei es in etwa umgekehrt, sodass die Mehrheit der Toten ihre letzte Ruhe in einem Urnengrab findet.

Aus diesem Grund gehen die Verantwortlichen davon aus, dass auch die Urnenwand des Marbacher Friedhofs in wenigen Jahren schon vollständig belegt sein werde.

Für diesen Fall gibt es die Option, den 30000 Euro teuren Bau noch um einige Kammern zu erweitern. „Die Toten sollen schließlich in Marbach bleiben“, formuliert Ortsvorsteher Dr. Ulrich Rausch es ein wenig ironisch.

Was zunächst lustig klingt, hat jedoch einen ernsten Hintergrund: Für viele Anwohner Marbachs sind die anderen Marburger Friedhöfe einfach zu weit entfernt, um ihre Verstorbenen dort regelmäßig zu betrauern. Trotzdem wollen viele von ihnen nicht auf die Urnenbestattung verzichten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand:

Nicht nur, dass die Kosten wesentlich geringer sind als für ein konventionelles Grab, auch die Pflege ist deutlich einfacher. Auf eine individuelle Gestaltung müssen die Hinterbliebenen dennoch nicht verzichten. Die derzeit noch blanken Platten, die jeweils eine Kammer verschließen, können frei gestaltet werden.

Anders als in vielen anderen europäischen Staaten herrscht in Deutschland ein sogenannter Friedhofszwang, der es Angehörigen verbietet, die Asche eines Verstorbenen mit nach Hause zu nehmen. Seit kurzem beginnen einige Bundesländer mit der Lockerung dieser Regelungen - in Hessen sind Hinterbliebene jedoch nach wie vor auf die öffentlichen Friedhöfe angewiesen, wenn sie sich für eine Feuerbestattung entscheiden.

von Yves Bellinghausen

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