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Die Top- und Flop-Stadtteile für Ältere

Wohnen im Alter Die Top- und Flop-Stadtteile für Ältere

Dilschhausen und Wehrda liegen auf der Zufriedenheitsskala vorne. Dagobertshausen und Wehrshausen belegen die letzten Plätze.

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Ältere Menschen haben besondere Ansprüche an ihren Wohnraum. Welche Viertel von Marburg am besten für Senioren geeignet sind, fanden Geografiestudenten heraus.

Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de

Marburg. Wo lässt es sich in Marburg im Alter am besten leben? Welche Auswirkungen hat der demografische und wirtschaftsstrukturelle Wandel im ländlich geprägten Raum?

Nach monatelangen Forschungen stellten die Geografie-Studenten der Arbeitsgruppe (AG) Regionalforschung und -politik rund um Professor Markus Hassler am Dienstag die Ergebnisse ihrer Studie vor. Ihr Projekt „Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum - altern in Marburgs Außenstadtteilen“ entstand durch Kooperation des Fachbereichs Geografie und der städtischen Altenplanung.

„Der demografische und soziale Wandel ist allgegenwärtig“, betonte Florian Warburg, wissenschaftlicher Mitarbeiter der AG. Der ländliche Raum sei davon tendenziell stärker betroffen als die Stadt. Durch die Verschiebung der Bevölkerungsanteile wachse nun der Bedarf an (Nah-)Versorgung. Zu einem guten Altern in den Stadtteilen gehörten vor allem eine ad-äquate Gesundheitsversorgung, altersgerechte Wohnsituation, lokale Infrastruktur, soziale Kontakte und Bürgerengagement, betonte Dr. Petra Engel, Leiterin der Altenplanung.

Diesen Ansprüchen gingen die Studierenden auf den Grund. Das gesamte Sommersemester über zog die Arbeitsgruppe, bestehend aus 30 Studenten, durch die Stadtteile Marburgs, befragte die Bevölkerung durch und prüfte die vorherrschenden öffentlichen Versorgungseinrichtungen.

Vielerorts unzureichende Busverbindungen

Ihre Erhebungen stammen aus den acht Stadtteilen Ronhausen, Bortshausen, Moischt, Dagobertshausen, Wehrshausen, Gisselberg, Dilschhausen und Wehrda. Dabei kamen die Studenten zu dem Ergebnis, dass aufgrund der geringen Ortsgröße medizinische Versorgung, altersgerechte Dienstleistungen, Mobilität und örtliche Grundversorgung gerade im ländlichen Raum meistens mangelhaft sind. Die Bewohner sind auf Autos oder öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Dies stelle mit steigendem Alter jedoch eine wachsende Herausforderung dar. Zudem gibt es vielerorts nur unzureichende, oft schwer erreichbare Busverbindungen und wenig Freizeitangebote.

Aufgrund der erhobenen Daten und Beweggründe ermittelten die Studenten schließlich eine durchschnittliche Zufriedenheitsskala mit Noten von 1 bis 6 für jeden Stadtteil. Überraschenderweise stehen Marburgs kleinster und größter Stadtteil zusammen ganz oben auf der Liste. Wehrda als größter und stark versorgter Außenstadtteil belegt mit der Note 2,1 den ersten Platz. Die rund 180 Dilschhäuser sind mit der Note 2,5 durchschnittlich sehr zufrieden mit ihrem Ort. Dagegen belegen Moischt mit 3,8 sowie Dagobertshausen und Wehrshausen mit jeweils 4,1 auf der Skala die letzten Plätze. Zusammenfassend beurteilt die Studie die allgemeine Infrastruktur der Stadtteile als ausreichend, die Gesundheitsversorgung wird von der Bevölkerung als zufriedenstellend wahrgenommen, ist jedoch abhängig von der Mobilität. Ehrenamt und freiwilliges Engagement ist potenziell vorhanden, von Ort zu Ort jedoch sehr unterschiedlich. Die meisten Bürger würden sich engagieren, wissen jedoch nicht, wo und in welcher Weise. Der Appell des Abends an die Stadt Marburg: Dieses Potenzial nutzen, fördern und organisieren.

Vorschlag: organisierte Mitfahrgelegenheiten

Der Wunsch für zukünftiges Wohnen der älteren Mitbürger tendiert klar zu ihrem jetzigen Wohnraum, vor allem in den ländlichen Gebieten, trotz weniger Versorgungsmöglichkeiten vor Ort.

Als Lösungsansätze schlugen die Studenten unter anderem Einrichtungen von betreutem Wohnen vor, Alters-Wohngemeinschaften, mehr Freizeitangebote für Senioren, stärkere Vernetzung der Orte untereinander, weitere Haltestellen für Busse und organisierte Mitfahrgelegenheiten.

von Ina Tannert

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