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Die Suche nach dem Geist der Weihnacht

Märkte im Advent Die Suche nach dem Geist der Weihnacht

Marburg als Weihnachtsstadt? Zum Ende des Lutherjahres wandelt die Universitätsstadt ihr vielfältiges Image erneut - und gibt sich jahreszeitentypisch weihnachtlich.

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Auch der Adventsmarkt am Markplatz war schon am Freitagabend sehr gut besucht.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Suche nach dem Geist der Weihnachtszeit gestaltet sich am Freitagabend in Marburg zunächst einmal schwierig. Zwar sind die beiden weihnachtlichen Märkte an der Elisabethkirche und am Marktplatz bereits eröffnet. Doch gleichzeitig überlagert das Event „Marburg b(u)y night“ die vorweihnachtliche Stimmung. Die Mischung aus Gebäude­illumination und Einkaufsrummel hat natürlich ihren ganz besonderen Reiz.

Krippenausstellung im Marburger Rathaus. Foto: Thorsten Richter (thr)

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Am Markt steppt der Bär, und die Glühwein- und Bratwurstbuden sind dicht umlagert. Wer’s mag, kommt auf seine Kosten. Und wer nach einer anderen Art von Vorfreude auf Heiligabend sucht, der findet diese auch an diesem Abend: beispielsweise in den erleuchteten Kirchen, die zur andächtigen Meditation einladen.

Nur rund 200 Liter jedes Jahr

Ein Geheimtipp ist am Freitag auch der Weinkeller der Schlosswinzer. Die Hobbytruppe aus 12 Uni-Ehemaligen um Horst Olbrich hat auch in diesem Jahr für einen Abend den Gewölbekeller unterhalb des Schlosses geöffnet. Die rührigen Winzer schenken gegen eine Schutzgebühr Probiergläser ihres selbst gekelterten Schlossweins aus.

Das ist immer etwas ganz Besonderes, denn pro Jahrgang liefern die Reben aus der Lage unterhalb des Marburger Landgrafenschlosses nur rund 200 Liter.

Es ist eben ein spezieller Stoff, den Weinfans im kerzenerleuchteten Ambiente des historischen Gemäuers genießen können. Und hier findet man immerhin den Geist der Marburger Wein-Nacht. „Die Weine werden immer besser“, urteilt der emeritierte Jura-Professor Erich Schanze. Der Weinkenner ist auch so begeistert von den Winzern, dass er ihnen auch die von ihm in seinem Garten an der Kirchspitze geernteten Trauben zur Weiterverarbeitung gibt.

Es ist ebenfalls ein altes Gemäuer, in dem es an diesem Abend um Geschichten der Marburger Weihnachtszeit geht. Die Autorin Susanne Kolbe liest im Gewölbekeller der Buchhandlung Lehmanns/Elwert unweit des großen Trubels am Markt aus ihrem Buch, in dem sie Erinnerungen von Frauen aus Marburg und dem Marburger Land an Weihnachtsfeiern vor dem Zweiten Weltkrieg und in den 50er und 60er Jahren aufgeschrieben hat. Und bei all diesen Geschichten wird deutlich, dass das Gemeinschaftsgefühl sehr wichtig für Weihnachten war. So strahlten die Augen der kleinen Mädchen auch dann schon, wenn ihre Puppen zur Feier des Weihnachtsfestes unter dem Weihnachtsbaum plötzlich wie durch Zauberhand neue Kleider anhatten. Wer war dafür verantwortlich: der Weihnachtsmann?

Weihnachtsstadt Marburg

Im Marburger Land sei es wohl der Überlieferung zufolge eher meistens das Christkind gewesen, erzählt Kolbe. Aber die Weihnachtsstadt Marburg? Bis auf ganz wenige Bräuche wie das Peitschenknallen der Burschen in Dörfern rund um Marburg sei das Brauchtum in unserer Region nicht so spezifisch gewesen wie beispielsweise in anderen Gegenden wie dem Erzgebirge. Dennoch: Einen Tag später beschwört Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der offiziellen Weihnachtsmärkte-Eröffnung an der Elisabethkirche gegen Mittag die Weihnachtsstadt Marburg. Der Posaunenchor der Kirche intoniert auf der Empore hoch über den Köpfen der Schaulustigen Lieder wie „Alle Jahre wieder“ oder „I wish you a merry christmas“.

„Das Erlebnis Weihnacht braucht die Kraft des Analogen“, meint Christian Großmann, der Vorsitzende des Werbekreises Nordstadt. Man könne auf den Weihnachtsmärkten Gemeinsamkeit erleben und dabei unter anderem Weihnachtsdüfte schmecken und riechen. Und OB Spies hat den Duft von gebrannten Mandeln in der Nase.

Ganz traditionell geht es derweil im Marburger Rathaus (Saal im Erdgeschoss) zu. Die von Horst Vigelahn bereits zum 20. Mal zusammengestellte Krippenausstellung zeigt Weihnachtskrippen aus aller Herren Länder - ob nun im Stil der Tiroler Bergbauern, klassisch italienisch oder auf philippinische Art. Mit einigen weihnachtlichen Weisen stimmen die Sänger aus Oberrosphe die Rathaus-Besucher schließlich noch auf ein besinnliches Marburger Weihnachtsfest ein.

von Manfred Hitzeroth

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