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Die Sprache der Liebe in deutscher Gemütlichkeit

Die Sprache der Liebe in deutscher Gemütlichkeit

„Salut“, „Bonsoir“, „Content de te voir” - die Amtssprache im Bistro Caveau ist Französisch. Zumindest dann, wenn sich am Donnerstagabend der (Stamm-)Tisch mit Freunden der französischen Sprache füllt.

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Der Französisch-Stammtisch trifft sich jeden Donnerstagabend in der Marburger Kneipe Caveau, um sich in einer lockeren Runde in der Fremd- beziehungsweise Muttersprache auszutauschen.Foto: Lisa-Martina Klein

Marburg. Elf Personen sind dieses Mal gekommen, mal schaffen es mehr, mal weniger. In lockerer Runde unterhalten sich die Studenten, Auszubildenden oder Berufstätigen über Themen, die sie interessieren: Hobbys, Studium, Arbeit, über deutsche und französische Eigenheiten, was eben gerade ansteht. Auf Französisch, versteht sich, und das Niveau ist hoch. Drei Muttersprachler sind da, nur einer beherrscht die deutsche Sprache. Das treibt an und hilft, bei schweren Themen nicht auf Deutsch zu wechseln, sondern konsequent bei Französisch zu bleiben.

Seit 2012 leitet Jan Prößdorf, Auszubildender Archivar, den Französisch-Stammtisch, wobei er das Wort „leiten“ gleich relativiert: „Der Stammtisch läuft gut von allein. Ich schreibe einmal kurz vor dem Stammtisch eine Rund-Email und poste etwas in der Facebook-Gruppe Französisch-Stammtisch Marburg, und das war‘s.“ Keiner weiß mehr so recht, wie lang es den Französisch-Stammtisch eigentlich schon gibt. Wie ein Erbe wird er weitergegeben und fortgeführt, die Mitglieder kommen und gehen.

Die Gründe, sich dem Stammtisch anzuschließen, sind vielfältig. Tristan und Pierre, zwei waschechte Pariser, arbeiten an ihren Doktorarbeiten in Mikrobiologie -und Chemie am Max-Planck-Institut. Die Sprache dort ist Englisch, die Deutschkenntnisse sind begrenzt. Da nahm Pierres Mitbewohner Philipp ihn einmal kurzerhand mit zum Französisch-Stammtisch. Ihm folgte Tristan, dem vor allem das in Frankreich übliche „After-work“-Bier fehlte.

David aus Quebec, Kanada, hängt an seinen Master in Europäischer Literatur noch einen Doktor hintendran. „Die Vielfalt Europas fasziniert mich, was mich schlussendlich dazu gebracht hat, in Deutschland zu studieren. Ich fliege nicht oft nach Hause, da tut es ganz gut, ab und zu Französisch zu hören und zu sprechen.“ Manche haben selbst eine längere Zeit in Frankreich verbracht, wie Kulturwissenschaftler Mehmet. „Während meinem Erasmus-Jahr in Frankreich lernte ich die Kultur, Sprache, Filme und Literatur lieben. Bei den wöchentlichen Treffen lasse ich das immer ein bisschen aufleben.“

Über die alltäglichen Dialoge hinaus

Laura, Medizinstudentin im 3. Semester, ist ähnlicher Ansicht: „Ich mag die Kultur Frankreichs sehr, das habe ich während meinem Praktikum in einem Pariser Krankenhaus gemerkt. Ich kann mir gut vorstellen, nach dem Studium in Frankreich zu arbeiten. Bis es so weit ist, halte ich hier mein Französisch frisch“, sagt Laura. Annabelle unterrichtet an einer Dautphetaler Schule Achtklässler in Französisch und Geschichte. Französisch steht bei ihr damit zwar ohnehin auf der Tagesordnung, trotzdem kommt sie immer gern ins Caveau. „Hier am Stammtisch werden die Themen nicht vorgegeben, wie es manche Stammtische gerne machen. Vor allem aber kann ich hier über die einfachen Verkaufsdialoge aus dem Schulbuch hinaus über Themen reden, die mich interessieren.“

Das sprachliche Niveau mag hoch sein, aber gelegentliche Fehler in der Grammatik oder fehlendes Vokabular bei dem ein oder anderen stellen kein Problem dar. Das ist auch ein Grund für Laura, angehende Lehrerin für Englisch und Französisch, zum Stammtisch zu kommen.

Und was wären die Franzosen ohne ein bisschen Amour? Gleich bei Katharinas erstem Besuch in der Runde im April dieses Jahres funkte es zwischen ihr und Tristan. Seitdem bemüht sich Katharina, ihm die deutsche Sprache zumindest ein bisschen näherzubringen - mit wenig Erfolg, wie die beiden zugeben. Dafür ist Katharinas Französisch einfach zu gut.

von Lisa-Martina Klein

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OP-Serie: Unser Stammtisch
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