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Die Schule als "Zirkus des Lebens"

Richtsberg-Gesamtschule Die Schule als "Zirkus des Lebens"

Mit einer Festwoche erinnert die Richtsberg-Gesamtschule an ihre Gründung vor 40 Jahren.

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Thomas C. Ferber an der Richtsberg-Gesamtschule. Foto: Thorsten Richter (thr)

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Richtsbergschule ist beides: Stadtteilschule und als integrierte Gesamtschule eine zunehmend attraktive Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem.

Mit der Bebauung des Richtsbergs ergab sich auch die Notwendigkeit, eine Schule in dem neu entstehenden Stadtteil zu bauen. Am 16. März1962 wurde von Oberbürgermeister Gaßmann deshalb der Planungsauftrag zur Errichtung einer Volks- und Realschule erteilt. Ein Raumprogramm für 8 Grundschulklassen, eine Vorklasse, 5 Hauptschulklassen, 6 Realschulklassen und 6 Klassen für eine zu erwartende Erweiterung wurde erstellt und im Oktober 1965 genehmigt. Mit Beginn des Schuljahrs 1968/1969 startete der Unterricht.

Rahmenrichtlinien sorgen für ideologische Auseinandersetzungen

Die Anfänge der Gesamtschule liegen fünf Jahre später: Die Stadtverordnetenversammlung hatte die Errichtung einer Integrierten Gesamtschule bereits 1969 auf den Weg gebracht. Jahrelang, so geht es aus der Chronik hervor, bemühte sich das Kollegium um die Entwicklung eines pädagogischen Konzepts für eine integrierte Gesamtschule - mit Erfolg:

Zum Schuljahr 1973/1974 wurde die Schule am Richtsberg eine Integrierte Gesamtschule. Damit wurde zugleich die bisherige Organisation der Richtsbergschule aufgehoben und die Grundschule, die mit 720 Schülern in 23 Klassen die größte in Marburg war, verselbständigt. Sie heißt heute Astrid-Lindgren-Schule und liegt in unmittelbarer Nähe der Richtsberg-Gesamtschule. Die galt zunächst als „Schulversuch“ und war nicht mehr nach den Schulformen Haupt-, Realschule und Gymnasium gegliedert. Die berühmt-berüchtigten „Rahmenrichtlinien“ des Hessischen Kultusministeriums, mehr als ein Jahrzehnt Gegenstand heftigster ideologischer Auseinandersetzungen in der hessischen Schulpolitik, bildeten den rechtlichen Hintergrund.

Seit 20 Jahren steigt die Schülerzahl an

Überörtlich machte die Richtsberg-Gesamtschule erstmals mit ihrem Konzept eines Deutschunterrichts von sich reden. Es sah einen „Kernunterricht“ für die gesamte Klasse vor, die nicht nach leistungsstarken und leistungssschwachen differenziert war, und darüber hinaus flexible Formen und variable Phasen der Diffenrenzierung. Die Entwciklung dieses pädagogischen Konzepts war vielleicht der Grundstein für den Ruf, den sich die Richtsberg-Gesamtschule bis heute erhalten hat. Schulleiter Thomas C. Ferber umschreibt diesen Ruf ganz selbstbewusst so: „Als die Inklusionsschule der Stadt Marburg zeigt sie auch heute, wie Schule, wie Lernen, wie gemeinsames Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen sein kann.“

In den vergangenen Jahren ist dies für Eltern offenbar zunehmend attraktiv geworden: Seit 20 Jahren steigen die Schülerzahlen wieder kontinuierlich an; auffällig ist dabei, dass nicht nur mehr Fünftklässler kommen, sondern auch Mittelstufenschüler, die von einer anderen Schule wechseln. „Die Integrierte Gesamtschule ist ein Erfolgsmodell, weil sie an die Bedürfnisse von Schülern und Eltern anknüpft - und an ihre Lebensbedingungen“, sagt Ferber im OP-Gespräch.

Schule erfindet sich permanent neu

Er zeichnet das Bild von der Richtsberg-Gesamtschule als einem Zirkuszelt: „Die Schule ist ein Zirkus des Lebens - man muss das Zirkuszelt gemeinsam aufbauen, aber es kommt auf jeden einzelnen Künstler an.“

In den vergangene Jahren, so berichtet Ferber, hat sich die Richtsbergschule stark verändert. Sie ist heute Ganztagsschule, sie ist Kulturschule, sie kooperiert mit einer Reihe außerschulischer Träger, sie erfindet sich permanent neu.

Und geradezu wie ein Gegenentwurf zur sonstigen Schulwelt in Marburg klingt die Definition von Ferber, die in der Richtsberg-Gesamtschule auch „die pointierte Abkehr von der traditionellen Schule der vergangenen Zeiten, weg von der Aufgliederung von Wissen und Erwachsenwerden in Fächer und 45-Minutentakt“ sieht.

  • Die Festwoche zum 40-jährigen Bestehen der Richtsberg-Gesamtschule wird am morgigen Dienstag ab 11 Uhr mit einem Festakt (mit anschließendem „gemütlichen Beisammensein“) in der neu umgebauten Sporthalle eröffnet. Am Mittwoch wird ab 11 Uhr das Theaterstudio eröffnet, außerdem wird der Georg-Hartmann-Preis überreicht. Am Donnerstag findet ein Treffen der elf hessischen Kulturschulen statt, am Freitag, zum Abschluss der Festwoche, ab 16 Uhr ein Ehemaligentreffen, zu dem die Rockband „Softeis“ aufspielt.

von Till Conrad

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