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Die „Scherz“ muss sauber bleiben

Tracht des Jahres Die „Scherz“ muss sauber bleiben

Weiße Strümpfe, ein gestickter Unterrock und das Kaschmirtuch dürfen nicht fehlen. Die Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege lenkt 2014 die Aufmerksamkeit auf die „Schwabentracht“ der Ungarndeutschen.

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Die „Schwabentracht“ der Ungarndeutschen in ihrer Vielfalt wurde vom HVT-Bezirksverein Mitte als „Tracht des Jahres“ ausgewählt.

Quelle: Helga Peter

Dautphe. Der „Tag der Tracht“ fiel auf einen herrlichen Herbstsonntag - und Dautphe stand ganz im Zeichen der Tracht. Sowohl die Trachtentanz- und Brauchtumsgruppe Dautphe, der Partnerschaftsverein und der Arbeitskreis Cikó waren im Einsatz, um der Proklamation der Tracht des Jahres 2014 des Bezirks Mitte in der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT) einen würdigen Rahmen zu verleihen. Den Auftakt dieser Veranstaltung bildete ein Mundart-Gottesdienst in der Martinskirche, zu dem HVT-Bezirksleiter Mitte Erich Frankenberg die Gottesdienstbesucher und besonders die Gäste aus Ungarn begrüßte.

Den Mundart-Gottesdienst gestaltete Pfarrerin Wilma Ruppert-Golin (Rosphetal-Mellnau),die in ihrer Muttersprache, der „Weirehäuser Mundart“, predigte und dabei den „Sündenfall im Paradies“ zugrunde legte. Zuvor hatte Elisabeth Wieder in einem von ihr verfassten Gedicht in Cikóer Dialekt vorgetragen, welche ganz speziellen Funktionen die „Cikóer Scherz (Schürze) ohne Säckel“ erfüllen und dabei „Großmutters Scherz“ als nützliches Kleidungsstück vorgestellt. Diese „Scherz“ (sinnbildlich für Schutz) nahm Pfarrerin Ruppert-Golin in ihre Predigt mit auf. „Ich konnt die Scherze nit leire, dej mir nit dreckig mache deft und wonn se dreckig woar, misst mer sich schame, weil mer nit gehurrt hot“ (Hochdeutsch: „Ich konnt die Schürze nicht leiden, die man nicht schmutzig machen durfte. Und wenn sie schmutzig war, musste man sich schämen, weil man nicht gehört hatte“).

„Großer Gott, wir loben Dich“ - dieses in Mundart durch die Trachtentanz- und Brauchtumsgruppe Dautphe vorgetragene Kirchenlied und das gesungene „Vaterunser“ durch den Cikóer Chor zu hören, war ergreifend. Dazu gehörten auch die Musikimpressionen „Mein Land“ und die „Friedenshymne“ interpretiert von Karl-Wilhelm Müller. Den Höhepunkt des Gottesdienstes bildete die Vorstellung der „Schwabentracht“ der Ungarndeutschen aus dem Gebiet Cikó und Bonyhad als „Tracht des Jahres“. Elisabeth Wieder informierte die Zuhörer über die Tracht, die von Mitgliedern des Freundeskreises und Partnerschaftsvereins Cikó repräsentiert wurde. In mehr als 100 Jahre alten Erbstücken wurden die Alltags-, Ausgeh-, Sonn- und Festtagsgewänder detailliert vorgestellt - weiße Strümpfe, der gestickte Unterrock und das Kaschmirtuch gehörten immer dazu. Brautkleid und Kirchengewand in Farbenvielfalt sowie die Kleidung der Cikóer Urgroßmutter galt es ebenso zu bestaunen. Zur Trachtengala mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken begrüßte Erich Frankenberg weit mehr als 200 Gäste, darunter die 35-köpfige Delegation aus Ungarn mit Bürgermeister Csaba Hauresz und Altbürgermeister Dr. Marton Ference sowie Landrätin Kirsten Fründt.

Frankenberg stellte die Wahl der „Tracht des Jahres“ als etwas ganz Besonderes heraus - unter Berücksichtigung der wechselvollen Geschichte der Menschen aus Cikó und Bonyhad sei die Wahl auf deren Tracht gefallen. Die im 17. bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgewanderten Donauschwaben mussten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen und in der hiesigen Region ein neues Zuhause finden. Diese Mitbürger, so Frankenberg, hätten sich sehr schnell integriert und seien wertvolle Mitglieder der Sozialgemeinschaft geworden. Aufgrund der Rolle der ungarischen Regierung im Zustandekommen der deutschen Einheit hätten vor Ort einige politisch Aktive und ehemalige Cikóer Kontakt mit den verbliebenen Ungarndeutschen aufgenommen, was zur Gründung des Partnerschaftsvereins geführt habe.

von Helga Peter

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