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Die Rückkehrvon Adebar

Brutzeit der Störche Die Rückkehrvon Adebar

Wenn Peer neben Angela landet, sich aufplustert, den Kopf in den Nacken legt und anfängt zu klappern, dann hat das nicht unbedingt etwas mit Wahlkampf zu tun.

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Im Landeanflug aufs Storchennest.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Jahrzehntelang waren sie im Landkreis nur zeitweise Gäste. Sie landeten kurzzeitig auf dem Weg nach Süden oder in die andere Himmelrichtung. Doch mittlerweile sind die Klapperstörche im Landkreis wieder heimisch geworden. 2007 nistete das erste Pärchen wieder in Rauischholzhausen. Es war die erste Brut hier im Kreis seit 1969. „Es gab viele Gründe, warum die Storche nicht nur hier so lange fern geblieben sind“, sagte der Ornithologe Dr. Martin Kraft, der die Entwicklung von Adebar in den vergangenen Jahren genau beobachtete. Giftige Abgase aus Schornsteinen - bevorzugter Nistplatz von Störchen -, Gift in Düngemitteln und nicht zuletzt der Einsatz von Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT), das die Schalen von Tieren dünn und brüchig werden lässt, hatten in vergangenen Jahrzehnten deutliche Spuren hinterlassen. 1949 brütete das letzte Storchenpaar in Niederwalgern, 1962 das letzte in Sichertshausen.

Der Umweltschutz trägt Früchte

Doch seit dem hat sich viel getan. „Jedes Jahr machen mehr Störche Rast im Landkreis“, berichtete Kraft. So waren es 2008 noch rund 50, im vergangenen Jahr aber fast doppelt so viele. Und manche bleiben. Wie Peer und Angela im Fronhäuser Ried oder Hänsel und Gretel am „Martinsweiher“ bei Niederwalgern. „In den vergangenen Jahren hat es noch Probleme mit Turmfalken gegeben, die die Störche wieder vertrieben haben“, sagte der Ornithologe. Doch in diesem Jahr - auch dank des langen Winters - nisten die Störche wieder. „Es ist schon etwas besonderes, dass zwei Brutpaare sich in so einem überschaubaren Gebiet angesiedelt haben. Dass sich die Population so schnell verändert, hätte ich nie gedacht“, sagte Kraft.

Neben der Ausweisung von Vogelschutzgebieten und Ausgleichsflächen sei auch die Akzeptanz des Vogels in der Bevölkerung ein wesentlicher Grund, weshalb mittlerweile wieder neun Brutpaare im Landkreis beheimatet sind. „Adebar genießt bei den Menschen ein hohes Ansehen. Deshalb erklären sich viele bereit, Nistmöglichkeiten auf ihren Häusern und Scheunen zu errichten“, so Kraft. Künstliche Horste böten so eine gute Grundlage. Daneben habe sich aber auch das Nahrungsangebot für die Vögel erheblich verbessert. „Immer mehr Felder werden biologisch und nicht so intensiv bewirtschaftet, wie zuvor. Regenwürmer, Schnecken, Larven oder auch Molche und Frösche - in vielen Gegenden haben Störche mittlerweile wieder ein viel größeres Angebot zum Fressen“, sagte Kraft, der vermutet, dass auch der Klimawandel einen Teil zur Rückkehr von Adebar leistet. „2003 haben zum Beispiel viele Störche in Deutschland überwintert, weil es so warm war. Das ist ein Trend, der sich auch gut am Verhalten der Vögel beobachten lässt.“

Trotzdem kann nach Ansicht des Vogel-Experten noch mehr für die Belange der Tiere getan werden, allem voran die Ausweisung zusätzlicher Flächen als Schutzgebiete. „Gerade feuchte Wiesen, die trotzdem beweidet werden können, sind ein Lebensraum, in dem nicht nur diese Vögel einen idealen Lebensraum vorfinden“, so Kraft.

Das Wetter gefährdet den Nachwuchs

Ob und wie erfolgreich die Rückkehr der Storche im Landkreis ist, entscheidet sich auch in den kommenden Wochen. Denn Ende Mai/Anfang Juni kommt der Nachwuchs der Vögel zur Welt - durchschnittlich zwei Jungtiere pro Brutpaar. Nicht besonders hilfreich ist dabei das anhaltende kühle und nasse Wetter. „Man kann nur hoffen, dass sich die Situation in den kommenden Wochen verbessert. Im Moment herrschen nicht gerade die besten Bedingungen für den Nachwuchs“, so Kraft.

von Andreas Arlt

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