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Die Rettung der Oberstadt wird aufgerollt

Fachwerk Die Rettung der Oberstadt wird aufgerollt

Das Geschichtsinteresse boomt. "Egal ob Luisabad, Brauerei oder Biegeneck: Die Neugier über Marburgs Historie wächst in der Stadt", sagt Martin Klehm, Herausgeber des Nachtwächter-Boten.

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Marburgs Super-Silhouette, wie man sie heute kennt. Doch weil viele Häuser marode waren, drohte vor wenigen Jahrzehnten der Oberstadt-Abriss. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Gemeinsam mit anderen Hobby-Historikern werkelt er aktuell an der Gründung eines Geschichtsstammtischs. „Das soll ein monatlicher Treffpunkt werden.“ Das Ziel: Den Durst nach Wissen über Vergangenes zu stillen, Marburgs Entwicklung speziell im 20. Jahrhundert nachzuzeichnen und zu konservieren.

Eine der spektakulärsten Entscheidungen der Stadt-geschichte steht im Mittelpunkt des „Tags der Stadtentwicklung“ am Sonntag, 3. November, im Cineplex-Kino (ab 10.45 Uhr). Dann geht es um den Beinahe-Tod der Oberstadt. „Wie in vielen deutschen Städten stellte sich in den 1960er-Jahren auch in Marburg die Frage, wie mit dem umfangreichen Altbaubestand umzugehen sei“, erklärt Mit-Organisator Lutz-Philipp Günther. Ein Gutachten von 1969 sei zu dem Ergebnis gekommen, dass knapp die Hälfte aller Häuser in der Oberstadt abrissbedürftig und weitere 25 Prozent nur mit erheblichem Aufwand zu modernisieren seien.

Während der Magistrat den Abriss der historischen Altstadt so gut wie beschlossen hatte, formierte sich unter Marburgs Einwohnern Widerstand. „Es gibt spannende Geschichten zu erzählen, wie es schließlich zur Rettung der Altstadt gekommen ist“, sagt Günther.

Diese wird der ehemalige Leiter der Stadtplanung, Sanierung und Denkmalpflege, Diethelm Fichtner (75) erzählen. Neben seinem 45-minütigen Vortrag werden alte Bilder und Filme gezeigt, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.

Maßgeblichen Anteil daran, dass die Oberstadt zum Touristenmagneten werden konnte, hat Architekt Thomas Oesterle. Er gab dem historischen Marburg große Teile seines heutigen Gesichts. „Die beauftragten Baufirmen mussten alte Sanierungstechniken erst erlernen“, erinnert sich Oesterle. Die Häuser Hofstatt 1a und Reitgasse 10 (Philipps Apo-theke) waren unter den ersten geretteten Gebäuden. Markt 21 und 23 folgten ab 1976, ebenso wie Hirschberg 13 und Mainzer Gasse 32 - mittlerweile Sitz von Oesterles Architekturbüro.

Klehm wünscht sich für die Zukunft eine bessere Vernetzung und einen Austausch der Alt-Marburger. Gerade im Digitalzeitalter, auch mit Scannern und Co. sei es ein Leichtes, Dokumente der Stadt-geschichte, ihren Verlauf zu bewahren. „Wir hoffen, dass sich mehr Marburger finden, die ihre Fotos, Videos und Erinnerungsstücke in sichere, verantwortungsvolle Hände geben.“ Was in privaten Archiven oder auf Dachböden vor sich hinschlummere, bleibe Interessierten verborgen und drohe unwiederbringlich verloren zu gehen. Dabei seien die Marburger selbst die besten Zeit-zeugen und Experten für Werden und Wandel ihrer Stadt. Gerade die Erinnerung an einschneidende Epochen wie das Ringen um die fachwerkgesäumte Oberstadt müsse erhalten werden. Immerhin sei bereits vieles für immer aus dem Marburger Stadtbild verschwunden.

von Björn Wisker

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