Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Die Rettung aus dem Trümmerfeld

Training Die Rettung aus dem Trümmerfeld

Ein Unglück mit vielen Verletzten stellt alle Helfer vor große Herausforderungen. Bei einer Fortbildung für Führungskräfte der Rettungsdienste aus ganz Hessen stand die Bewältigung einer Großschadenslage im Fokus.

Voriger Artikel
Kinder staunen über die Krebs-Killer
Nächster Artikel
Mehr Platz für Fußgänger und Radler

Direkt am „Unglücksort“ fand, sofern notwendig, eine Erstversorgung der Verletzten statt, bevor sie zum Behandlungsplatz weiter transportiert wurden.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Eine Explosion hat sich ereignet, ein Fabrikgebäude ist eingestürzt. In den Trümmern werden mindesten zehn Verletzte vermutet. Brütende Hitze herrscht an diesem Tag, ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Dr. Erich Wranze-Bielefeld, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Landkreises Marburg-Biedenkopf, erläuterte: „Es dauert lange, Verschüttete aus Trümmern zu retten. Anders, als in der Vorabendserie, dauert es drei bis sieben Stunden oder länger. Daher ist es wichtig, dass so früh wie möglich medizinische Kräfte in die Trümmer gehen, um die Erstversorgung, ganz wichtig sind Flüssigkeitsgaben, zu übernehmen.“ Zuerst kamen Suchhunde zum Einsatz, die anschlugen. Um die genaue Lage der Verschütteten zu ermitteln, versuchten die Retter mit hochempfindlichen Mikrofonen Klopfzeichen oder Geräusche zu orten. Außerdem setzte das Technische Hilfswerk (THW) eine „Searchcam“, eine Suchkamera ein, um in Hohlräume unter den Trümmern zu schauen.

Aus den Betonröhren, die auf dem Übungsgelände des THW Marburg Hohlräume simulieren, mussten die Helfer sechs Personen herausholen, weitere befanden sich an etwas leichter zugänglichen Stellen. Nach dem Retten und einer eventuellen sofortigen Erstversorgung wurden die Verletzten zum eingerichteten Behandlungsplatz transportiert. Dort ging es darum, den Zustand der Verletzten zu stabilisieren und sie zu versorgen, bis sie in eine Klinik gebracht wurden. Dabei musste entschieden werden, wer aufgrund seiner Verletzungen vordringlich zu transportieren war.

Das ganze Szenario wurde am Samstag dreimal durchgespielt - in wechselnden Rollen. Mit dabei: Teams der elf Leitenden Notärzte und Organisatorischen Leiter Rettungsdienst, die an dem Intensivseminar „Management Großschadenslagen“ teilnahmen.

An der Einsatzstelle, am Behandlungsplatz und als Stabsmitarbeiter im Landratsamt mussten sie die Rettung, die medizinische Versorgung sowie den Transport Verletzter organisieren und die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte der verschiedenen Rettungsorganisationen koordinieren.

Unterstützt wurden die praktische Ausbildung der Führungskräfte durch Mitarbeiter des DRK-Rettungsdienstes Mittelhessen, der Johanniter Unfallhilfe, des THW Marburg, des Roten Kreuzes und des Krisenstabes des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Etwa 80 Personen waren insgesamt daran beteiligt. Die sieben Stunden auf dem Übungsgelände bei ab dem Morgen herrschender Hitze forderten ihren Tribut und führten bei einigen Helfern zu Kreislaufproblemen, auch kleinere Verletzungen kamen vor, so dass die Übung noch etwas realitätsnäher als gewünscht verlief.

Den Auftakt der Fortbildung hatte ein theoretischer Teil am Freitag gebildet, bei dem die Führungskräfte beispielsweise Vorträge zur Einsatztaktik, Suche und Rettung in Städten und zur medizinischen Versorgung Verschütteter hörten.

„Großes Lob“ sprach einer der Teilnehmer, Peter Weidmann, Organisatorischer Leiter Rettungsdienst im Hochtaunuskreis, am Ende aus: „Das war super Arbeit, alles war sehr gut vorbereitet und alle Beteiligten waren hoch motiviert. In den vergangenen Jahren sind die Schadenslagen größer geworden, gehen oft über Kreisgrenzen hinaus. Daher ist es sinnvoll, wenn man sich austauscht und einander kennen lernt.“

Organisiert hatte die Veranstaltung der Landkreis Marburg-Biedenkopf, das Universitätsklinikum Gießen und Marburg sowie der DRK-Rettungsdienst Mittelhessen in Zusammenarbeit mit der Akademie der Landesärztekammer Hessen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr