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Die Queen, ein Traum und der Schlips

Royaler Besuch Die Queen, ein Traum und der Schlips

Einmal im Leben die Queen treffen, vielleicht sogar mit ihr reden – ein lang gehegter Traum für Armin Hedwig. Nun ist die Chance da. Aber wird die Königin ihn überhaupt bemerken?

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Etwa 5500 Menschen warteten am Donnerstag am Frankfurter Römer auf die Queen, die sich der Menge für zwei Minuten zeigte. Armin Hedwig traf Elisabeth II. sogar persönlich.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Um 4.30 Uhr kann er nicht mehr schlafen. Was ist, wenn sie ihm heute wirklich die Hand schütteln wird? Die Aufregung zwingt Armin Hedwig aus dem Bett. Der pensionierte Lehrer zieht den schwarzen Anzug an, dazu das weiße Hemd und den Schlips mit dem „Union Jack“, der Nationalflagge des Vereinigten Königreichs. Er fährt zum Bahnhof und nimmt  den Zug um 7.32 Uhr nach Frankfurt. Natürlich weiß er genau, wie man sich in Gegenwart der Queen zu verhalten hat. Berührungen an Arm, Schulter oder Rücken sind absolut tabu. Überall anders übrigens auch. Beginnt die 89-Jährige eine Konversation, so gehört es sich, nur auf das Gefragte zu antworten. Die Königin gibt das Thema vor. Also gut. Jetzt nur ruhig bleiben.

Das lang ersehnte Ziel ist zum Greifen nahe

Gesehen hat Hedwig die Monarchin ja schon. Es war bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung anlässlich des diamantenen Thronjubliläums im „Parliament of Westminster“ in London. Damals fuhr sie auf einem Schiff vorüber und winkte den Gästen in der ihr typischen Art zu. Heute wird es aber anders. Heute gehört Armin Hedwig zu einer  auserlesenen Gruppe, die der Queen in der Paulskirche vorgestellt wird.

Im Vorfeld hat der 70-Jährige ganze Mappen zusammengestellt, die seine ehrenamtliche Arbeit zum Wohle der deutsch-britischen Beziehungen bezeugen. Der Marburger sendet die Unterlagen, die auch einen dreiseitigen Brief enthalten, unter anderem an das Bundespräsidialamt. Die Behörde lässt ihn zunächst im Unklaren. Man müsse die Sache prüfen. Und dann kommt sie doch,  die ersehnte Nachricht. Das Ziel scheint nun zum Greifen nah. In Frankfurt angekommen muss sich Hedwig bei der Staatskanzlei akkreditieren.

Es ist jetzt 10.30 Uhr. Der Familienvater bekommt einen Ausweis und Anweisungen, welche Regeln er zu beachten habe. Nur kurz wundert er sich, dass es keine Personenkontrolle gibt, keine Detektoren, keine Durchsuchungen. Dafür gibt es Kaffee und etwas zu essen. Traubenzucker liegt aus, um den Kreislauf zu stärken. Hedwig greift zu und steckt sich gleich drei Täfelchen ein. Man weiß ja nie ...

Gesichter voller Anspannung und Vorfreude

Um 11.10 Uhr steht er dann in der Paulskirche inmitten einer bunt gemischten Gruppe aus Wirtschaftsvertretern, Politikern, anderen wichtigen Menschen des öffentlichen Lebens sowie einer Kindergartengruppe. Hedwig schätzt, dass es etwa 80 bis 100 Personen sind. Er blickt in Gesichter voller Anspannung, aber auch Vorfreude. Dann heißt es warten.

Um 12. 20 Uhr – mit dem Öffnen der Tür – bricht ein Blitzlichtgewitter über den Raum herein. Nur das Klicken der Fotoapparate ist zu hören, alle Anwesenden verharren in andächtiger Stille.

Da ist sie. In kleinen, behutsam wirkenden Schritten gefolgt von einem Tross aus Bodyguards, Sekretären, Hofdamen und natürlich ihrem Mann Prinz Philipp, nähert sich die Regentin. Jetzt schnell ein paar Erinnerungsbilder, denkt sich Hedwig. Eigentlich ist es den Gästen untersagt Bilder zu machen. Aber es ist diese einmalige Chance. Also knippst er heimlich und ohne Blitz.   

Die Queen durchschreitet die Reihen weiter lächelnd ohne jedoch ein längeres Gespräch mit einem der Anwesenden zu führen. Hedwig ist stiller Beobachter der Szenerie. Er erinnert sich an die Geschichten über die geheime Kommunikation der Monarchin mit ihren Hofdamen. Demnach soll sie unterschiedliche Zeichen senden, je nachdem wie sie ihre Handtasche hält oder bewegt.

Eine viertel Stunde in der „Wiege der Demokratie“

Im Moment bewegt sie sich jedoch fast lautlos durch den Raum. Plötzlich steht sie direkt vor Armin Hedwig, deutet mit ihrer Hand auf seinen Schlips und sagt: „Where did you buy that tie?“ Armin Hedwig sortiert sich und antwortet: „Your Majesty, I bought it at Harrods in London.“ Die 89-Jährige blickt erstaunt und entgegnet: „Oh, I love it. I think I will buy one.“

Dann geht alles ganz schnell. Die Queen schaut sich noch etwa eine viertel Stunde in der „Wiege der deutschen Demokratie“ um, bevor sie die Paulskirche in Richtung Römer verlässt.

Vorher geht sie jedoch noch einmal an den geladenen Gästen vorbei in Richtung des Ausgangs. Die Tür öffnet sich und draußen brandet Applaus auf, der sich zu einem lauten Getöse steigert. Armin Hedwig geht nicht weiter zum Römer. Keine Chance auf einen weiteren Blick. Zu viele Menschen, zu viel Gedränge. Dennoch fährt er zufrieden nach Hause. „Das war ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist“, sagt er einen Tag später. „Die Queen hat wirklich eine ganz besondere Aura.“

von Dennis Siepmann

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