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Die Oma winkt vom Hof aus mit dem Tuch

OP-Aktion: Motorflug Die Oma winkt vom Hof aus mit dem Tuch

Mit dem Wetter hatten Ferienkinder und Piloten bei der OP-Aktion Motorfliegen richtig Glück. Von den angekündigten Schauern blieben sie verschont. Erst, als der letzte Flug unterwegs war, begann es zu regnen.

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Grünes Marburg: Bäume, Häuser, Kirchen und das Landgrafenschloss – die Fluggäste hatten den Überblick.

Quelle: Manfred Schubert

Schönstadt. Viele fröhliche Gesichter gab es am Ende dieses Nachmittags auf dem Flugplatz in Schönstadt. Bei den 20 Kindern, von denen einige an diesem Tag ihren ersten Flug überhaupt erlebten. Und auch bei den drei Piloten vom Kurhessischen Verein für Luftfahrt Marburg (KVfL), die die Freude an ihrem Hobby erfolgreich vermittelten. Sie stellten sich für die Aktion „OP erfüllt Kindern Wünsche“ zur Verfügung und zeigten mehr als zweieinhalb Stunden lang den jungen Fluggästen ihre Heimat von oben.

Ursprünglich sollten zwei Cessna 172 fliegen, die neben dem Piloten jeweils drei Passagieren Platz bieten. Doch eine der Maschinen stand zur regelmäßigen Wartung in der Werft. Dafür bestand nun Auswahl zwischen der Cessna, einem Motorsegler vom Typ C-Falke und einem Ultraleichtflugzeug, die letzteren jeweils zweisitzig.

Gruppenfoto vor dem ersten Start.

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Zu denen, die zum allerersten Mal flogen, und dann auch noch gemeinsam, gehörten die Geschwister Emilie (11 Jahre), Felix (13) und Ralph (9) Baumann aus Sterzhausen. Pilot Reiner Lippert brachte sie in der Cessna über ihren Heimatort. „Das war cool, ich wäre gerne noch länger geflogen. Die Autos haben von oben interessant ausgesehen“, sagte Emilie, als sie nach etwa 20 Minuten wieder gelandet waren. Der Jüngste, Ralph, wollte unterwegs wissen, wie ein Sturzflug geht. „Aber die Andeutung hat mich schon fertig gemacht“, gab er beeindruckt zu und erklärte, der Fernblick habe ihm besonders gefallen.

„Das schönste ist, dass wir heil wieder zurück sind!“

Ganz anders und zur Erheiterung der Umstehenden sehr ehrlich beantwortete Desiree Schleich (9) aus Cappel, was ihr am besten gefallen habe: „Das schönste ist, das wir heil wieder zurück sind!“ Aber sie freute sich auch, dass sie ihr Haus und den „winzig kleinen Schulhof“ gesehen hatte. Sie flog gemeinsam mit ihrem Klassenkameraden Sebastian Kuske, dessen Namen ihre Mutter mit auf die Anmeldekarte geschrieben hatte. So kam er zu seinem zweiten Flug, im vorigen Jahr war er erstmals mitgeflogen. „Ich war früher Flugzeugfan, habe mit einem Simulator gespielt und ein ferngesteuertes Modell geflogen. Jetzt interessiere ich mich mehr für Autos“, sagte er. Aber der Flug brachte auch ein besonderes Erlebnis: Er sah, wie die per Handy informierte Oma in Cappel ihm vom Hof aus mit einem Tuch zuwinkte.

Der Pilot, mit dem die 13-jährige Ronja Meier aus Marburg im Motorsegler startete, war nur vier Jahre älter als sie. Justin Schulz fingt mit 13 das Segelfliegen an. Mit 16 begann er die Ausbildung auf dem Motorsegler, die er Ende Juli erfolgreich beendete. Aber es soll noch weitergehen, sein Berufswunsch ist es, Flugzeugführer bei der Lufthansa zu werden.

Ein Pilotenleben beginnt mit der OP-Aktion

Seine Passagiere an diesem Tag waren jedenfalls hochzufrieden. „Es hat viel Spaß gemacht, ich habe das Schloss und die Elisabethkirche gesehen, wie sind ein paar steile Kurven geflogen und ich durfte sogar ein wenig steuern“, berichtete Ronja, die zum Tag der offenen Tür wiederkommen will.

Mit der Aktion „OP erfüllt Kindern Wünsche“ war es übrigens auch bei Justin Schulz losgegangen. Der Neustädter hatte sich jedes Jahr für das Fliegen angemeldet, war aber immer nur für seinen zweiten Wunsch oder gar nicht ausgelost worden. Vor sieben Jahren klappte es dann endlich und sein Traum ging in Erfüllung.

Werner Hoffarth vom Vorstand des KVfL, der Kinder und Eltern in Empfang nahm, berichtete, dass in der Jugendgruppe mehrere Mitglieder seien, die über einen „Schnupperflug“ den Kontakt nach Schönstadt bekommen hätten. Zwei Vereinsmitglieder befänden sich derzeit in Ausbildung bei der Lufthansa.

„Ich will lieber Zugführer werden“

Aber auch, wenn das Fliegen nicht zum Beruf werde, habe das, was die Jugendlichen hier neben dem Fliegen an Technik, Wartung und Pflichtbewusstsein lernen, positive Auswirkungen. Mehrfach hätten ihm Eltern bestätigt, dass die Leistungen ihrer Kinder in den naturwissenschaftlichen Fächern „um ein bis zwei Punkte besser“ geworden seien, sagte Hoffarth. „In der Schule lernt man nur Theorie, hier kommt die Praxis dazu“, erklärte er.

Fast alle Kinder, und auch drei Mütter, die Reiner Lippert zum Abschluss auch noch auf einen Rundflug mitnahm, vertrugen die Reise gut. Nur einem Siebenjährigen war gegen Ende des Fluges etwas flau im Magen, und er setzte sich nach der Landung erst einmal ein paar Minuten ins Gras - dann ging es wieder.

Eine neunjährige „Vielfliegerin“, Shehab Heerklotz aus Marburg, die schon fünf Linienflüge hinter sich hat und viele interessierte Fragen zu den Flugzeugen des Vereins stellte, überzeugte auch der Flug in der Cessna nicht so sehr, dass sie nun Pilotin werden möchte. „Ich will lieber Zugführer werden. Da kann man überall halten, wo man langfährt, wenn der Motor kaputt ist, das geht beim Flugzeug nicht“, erklärte sie.

von Manfred Schubert

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