Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Die Nadel im Heuhaufen gefunden

Märchen-Forschung Die Nadel im Heuhaufen gefunden

Der Kasseler Dozent stellte im Lomonossow-Keller seine Forschungsergebnisse vor. Die betreffende Märchenerzählerin war Marburgerin, lebte zeitweise nahe der Oberstadt und war „bitterlich arm“.

Voriger Artikel
Uni: Studentisches Hochplateau bleibt
Nächster Artikel
Ja oder nein zum religiösen Symbol Kopftuch?

Professor Holger Ehrhardt las im Lomonossow-Keller aus seinem Buch „Die Marburger Märchenfrau“.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Professor Holger Ehrhardt, Dozent am Institut für Germanistik der Universität Kassel, hat geschafft, woran sich bereits mehrere renommierte Märchenforscher die Zähne ausgebissen haben. Er hat herausgefunden, von wem die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm, die Anfang des 19. Jahrhunderts für einige Jahre in Marburg lebten, das Märchen „Aschenputtel“ erfahren haben.

Die Suche bedeutete für den Germanisten einen massiven Suchakt. Ein paar Informationen über die Märchenerzählerin gab es. „Jeder Profiler beim Bundeskriminalamt findet auf der Basis solcher Infos eine Person“, bemerkte Ehrhardt. Zwar ist er „nur“ Dozent, dennoch wurde er fündig. Während der Nachforschungen in Marburg wälzte er Sippenbücher und Hospital-Akten, stöberte in Briefen und Archiven.

„Bei der Suche bin ich an manchen Stellen fast verzweifelt“, erzählte Ehrhardt den Veranstaltungsbesuchern im Marburger Lomonossow-Keller.

Alle Räder in Bewegung gesetzt

Nach drei Monaten akribischer Recherche fand er die Nadel im Heuhaufen: Der Name, nach dem die Märchenforschung schon seit 120 Jahren gesucht hatte, lautet Elisabeth Schellenberg - eine Marburger Märchenfrau.

„Märchenfrauen erzählten meist Kindern mündlich überlieferte Märchen und kamen oft aus der untersten sozialen Schicht der Gesellschaft. Elisabeth Schellenberg wuchs bitterlich arm auf und blieb es bis zu ihrem Tod“, referierte Ehrhardt. Geboren wurde die Marburgerin 1746 und lebte unter anderem eingangs der Oberstadt an der Mühltreppe.

Ähnlich anstrengend wie der detektivisch arbeitende Ehrhardt hatten es auch die Gebrüder Grimm vor 200 Jahren bei ihrem gesteckten Ziel, der Frau die Märchen „Aschenputtel“ und „Der Goldene Vogel“ zu entlocken.

Jakob und Wilhelm setzten alle Räder in Bewegung, nutzten familiäre sowie freundschaftliche Kontakte und kamen letztlich „über mehrere Ecken“, wie Ehrhardt darlegte, an die Fantasiegeschichten heran, die sie in ihre Märchensammlung aufnahmen. Elisabeth Schellenberg sei laut Ehrhardt jedoch nicht diejenige, die sich das Märchen ausgedacht hat.

Schellenbergs Geschichte sowie die Historie seiner Recherchen hat der Professor auf 107 Seiten in seinem Buch „Die Marburger Märchenfrau“, festgehalten, das im Juli erschienen ist (die OP berichtete).

von Benjamin Kaiser

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr