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Die Lust an der Inszenierung

Wrestling Die Lust an der Inszenierung

Unter dem Motto „Homecoming“ kehrte die Show mit ihren geölten Muskelbergen an den Ort zurück, wo alles begann.

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„Crazy Sexy Mike“ (rechts) legt „The Untameable Emil Sitoci“ aufs Kreuz.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Will man ein gutes Schauspiel sehen, so bietet das Hessische Landestheater die passende Kost. Und will man sportliche Höchstleistungen ­sehen, so lassen sich dafür auch in Marburg Mittel und ­Wege finden.

Dass beides auch zusammen funktioniert, bewiesen die Wrestler um den Promoter Ingo Vollenberg am Samstagabend in der Waggonhalle einmal mehr.

Es ist für jemanden, der Wrestling das erste Mal verfolgt, ein schmaler Grat zwischen Kitsch und Kunst, zwischen Schauspiel und Sport.

220 Besucher ließen sich am Wochenende in der Marburger Waggonhalle vom Spektakel "German Stampede Wrestling" begeistern.

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Wenn sich geölte Muskelberge mit Namen wie „Pascal Spalter“ oder „Absolut Andy“ in den Ring begeben, dann kann man das aus Gründen der Namenswahl schon nicht ganz ernst nehmen. Die konstruierten Feden und Abneigungen der Protagonisten dabei mal ganz außen vor gelassen.

Doch wenn sich dann, unter den Wechselgesängen der Fans, die Kolosse in Bewegung setzten und aufeinander losgehen, dann merkt man schnell: Das kann nicht jeder.

Oder bildlich gesprochen: Selbst wenn ich wüsste, dass es ein Art Drehbuch gibt, verzichte ich gerne darauf, dass sich 130 Kilogramm Muskelmasse auf meinen Körper setzen.

Show-Charakter im Vordergrund

Es ist eine perfekte Inszenierung, ein Zusammenspiel von Protagonisten, die den Anschein wahren, sich zu hassen und sich am liebsten wirklich die Köpfe einschlagen wollen, während sie gleichzeitig dafür sorgen, dass bei den verschiedenen Moves mit so klingenden Namen wie „Bodyslam“, „Suplex“ oder „Elbow drop“ keine ernsthaften Verletzungen entstehen.

Und das ist dann der Anteil an knallhartem Sport, den auch jemand dem Wrestling zugestehen muss, für den der Show-Charakter im Vordergrund steht: Der Schweiß ist echt, das Einhalten der Abläufe geistige und die Bewegungen im Ring körperliche Höchstarbeit.

Angereichert mit Klischees, Vorhersehbarem und Überraschungen entsteht das Spektakel, wofür knapp 220 Fans in die Waggonhalle gekommen sind: Wenn der muskelbepackte „Spalter“ gegen den technikversierten „Orlando Silver“ verliert oder die Herausforderin „Polyanna“ den Publikumsliebling „Blue Nikita“ besiegt, dann ist man sich mal mehr, mal weniger bewusst, dass es auch für dieses Stück eine Art Regisseur gab.

Doch gerade weil man weiß, dass alle Beteiligten und auch die Zuschauer genau das wissen, funktioniert diese Inszenierung so perfekt.

Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, der bekommt schon am 30. September wieder die Gelegenheit: Promoter Ingo Vollenberg gab unter dem Jubel der Anwesenden das Datum für die nächsten Fights in der Waggonhalle bekannt. Der Vorverkauf soll noch diese Woche beginnen, teilte Vollenberb mit.

von Matthias Fischer

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