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Die Liebe zur Deutschen Bahn

Eisenbahn-Fans Die Liebe zur Deutschen Bahn

Wiedersehen nach einem Vierteljahrhundert: 150 Ex-Eisenbahner wagten eine Reise in ihre Vergangenheit - und verteidigen die Bahn gegen das miese Image.

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Jahrzehnte ist es her, dass regelmäßig Dampflokomotiven im Hauptbahnhof ein- und ausfuhren. Das war vor 40, 50 Jahren als viele der Marburger Ex-Eisenbahner, die sich am Afföller trafen, bei der Bahn arbeiteten. Fotos: Björn Wisker / Manfred Ritter

Marburg. Dieter Weber riecht die Kohle immer noch. Damals, als noch Dampflokomotiven und die ersten Diesel-dann Elektrozüge durch Marburg rauschten, arbeitete er bei der Bahn. Wie alle 150 rüstigen Männer, die sich im Haus der Afföllergemeinde zu einer Zeitreise trafen. Mit jahrzehntealten Fotos versetzten sie sich gedanklich zurück in eine Pionier- und Boomzeit des Schienenfahrzeugs in Mittelhessen.

„Wir hatten ja hier einst 500 Beschäftigte. Das war eine Mammutdienststelle“, sagt Weber. Das Gebiet, dass der ehemalige Lokführer und seine Mitstreiter beackerten, erstreckte sich über Treysa und Korbach bis Kassel. Der Cappeler Heinz Feußner war seinerzeit Eisenbahner in der dritten Generation. Und beinahe hätte sein Sohn dieselbe Laufbahn eingeschlagen, wäre nach Urgroßvater, Opa und Papa der nächste in der Bahn-Tradition gewesen. „Er hat sich dann aber anders entschieden - aber für Züge interessiert er sich trotzdem weiter“, erzählt Feußner. Das Image der Deutschen Bahn, dem Konzern von heute, ist miserabel. Das wissen die Ex-Angestellten. Sie hängen an ihrer alten, romantischen Bahn - „da waren wir doch alle eine Familie, jeder in der Region kannte jeden“, sagt Manfred Velte. „Dieses Uterusgefühl tragen wir alle noch in uns.“ Er, der Organisator des Treffens sei „Eisenbahner mit Leib und Seele“. 25 Jahre, ein Vierteljahrhundert ist es her, dass die ehemaligen Kollegen zusammen feierten.

Damals, beim Abschied vom Bahnbetriebswerk, das alle nur BW nennen. „Seitdem sieht man sich vereinzelt nur noch bei der Beerdigung von Bekannten“, sagt Velte. Damit sollte Schluss sein. Wochenlang sammelte und bearbeitete Velte alte Fotografien und Dias, die er während einer Präsentation zeigte. „Das sind Dokumente aus Zeiten, als am und im Bahnhof noch richtig was abging“, sagt er. Die Geschichten kennen alle Ex-Bahner. „In der Eingangshalle des Hauptbahnhofs saßen langge Zeit Sperrleute in einem Kassierhäuschen. 20 Pfennig kostete der Zugang zum Gleisbereich“, erinnert sich Velte. Und dass einst so viele Probefahrten und Test-Züge die Strecke entlang rauschten, lag daran, dass die Bahnhofs-kantine einen vorzüglichen Ruf genoss.

Viele Gäste schwammen auf der Nostalgiewelle. Bilder längst verstorbener Kollegen, Freunde aus Jugendjahren - unvergessene Gesichter. Lokführer, Heizer, Fahrkartenverkäufer, Techniker, Stellwerks- und Gleisarbeiter: Aus jeder Berufssparte war jemand gekommen. Ein Familientreffen eben.

von Björn Wisker

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