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„Die Leute schauen viel zu viel weg“

Gewaltpräventions-Spot „Die Leute schauen viel zu viel weg“

Das Marburger Gewaltpräventionsprojekt „Einsicht“ und die Frankfurter Initiative „Gewalt-Sehen-Helfen“ haben den Spot gemeinsam entwickelt, der jetzt im Cineplex erstmals gezeigt wurde.

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Schauspieler Alexander Peiler geht es an den Kragen, zum Glück bekommt er im Spot von einer Passantin Hilfe.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. „Wir leben glücklicherweise in einer Gesellschaft, die in den vergangenen Jahren sehr friedlich geworden ist, jedoch reagieren gerade deswegen in Konfliktsituationen viele überfordert, weswegen potenzielle Helfer sich eher zurückziehen als einzuschreiten.“ Mit diesem Satz aus seiner Ansprache zur Premiere des neuen Gewaltwerbespots brachte ProfessorUlrich Wagner das derzeitige Problem auf den Punkt.

Wagner ist Leiter des Marburger Gewaltpräventionsprojekts „Einsicht“, das den Spot zusammen  mit der Frankfurter Initiativgruppe „Gewalt-Sehen-Helfen“ (GSH) entwickelt hat. „Die Leute schauen einfach viel zu viel weg, dabei kann jeder auf seine Weise helfen, wenn es zu Gewalt kommt“, sagte Polizeioberkommissar Martin Agel. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, arbeiteten „Einsicht“, GSH sowie das Ordnungsamt des Landkreises und der Universitätsstadt Marburg eng miteinander zusammen, um den Werbespot zu ermöglichen.

Bevor der Spot am Donnerstag zum ersten Mal gezeigt wurde, hatten die Veranstalter mit Shantal Yancey und Shalau Baban von „Woodvalley-Movement“ noch eine musikalische Vorführung für das Fachpublikum engagiert. Das Musikprojekt richtet sich vor allem an Jugendliche aus dem Waldtal, einem Stadtteil also, der in der Vergangenheit häufig durch Gewaltdelikte von sich reden machte. In dem rund dreiminütigen Film wurde schließlich gezeigt, wie eine Passantin, gespielt von Marita Marshall („Traumschiff“), einem von zwei Männern bedrohten Herrn, gespielt von Alexander Peiler (Landestheater Marburg) zur Hilfe kommt.

Dabei schreitet die Dame nach kurzer Überlegung nicht unmittelbar selbst ein, sondern motiviert viel mehr umstehende Personen, gemeinsam mit ihr vorzugehen und die Bereitschaft als Zeugen aufzutreten zu demonstrieren. „Wir wollten bewusst nicht den starken Helden zeigen, der energisch einschreitet, denn das führt häufig eher zur Eskalation“, bemerkte Regisseur Dr. Thomas Rösser.

„Zusammenarbeit war etwas ganz Besonderes“

„Ich möchte hier zwar nicht die Frauennummer spielen, aber wenn man so etwas schon einmal erlebt hat, dann weiß man, wie schnell man verunsichert ist“, sagte Landrätin Kirsten Fründt dazu. „Es ist enorm wichtig, dass der Spot nicht nur auf die Notwendigkeit  zu helfen hinweist, sondern auch zeigt, wie es am besten gemacht wird“, ergänzte Oberbürgermeister Egon Vaupel.

Besonders zufrieden zeigten sich am Premiereabend auch die drei Hauptverantwortlichen des Projekts. Stephan Grünfischer, GSH-Mitglied und angestellt beim Marburger Ordnungsamt, Kollegin Christina Krantz vom Ordnungsamt des Landkreises und Johannes Maaser, der als Doktorand von Professor Wagner den Fachbereich Psychologie beziehungsweise „Einsicht“ vertrat, können stolz sein auf ihr Ergebnis.

„Die Zusammenarbeit zwischen unseren Gruppen, der Polizei, den Ämtern und dem Filmteam, war etwas ganz Besonderes, das war schon ein richtig freundschaftliches Verhältnis und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, sagte Krantz. „Wer jetzt durch den Spot dazu motiviert ist, sich mit dem Thema Gewaltprävention näher zu beschäftigen, sollte einen unserer Kurse besuchen, die bieten wir nach Vereinbarung kostenlos an“, ergänzte Maaser.

von Marcus Hergenhan

  • Der Kurzfilm wird in leicht gekürzter Fassung ab sofort im Werbeprogramm sämtlicher beteiligter Kinos in Deutschland zu sehen sein.
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