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Die Krise überstehen mit roter Nase

Milchviehwirtschaft Die Krise überstehen mit roter Nase

Handeln wie ein Kind. Und sich selbst öfter mal zum Clown machen. Motivationstrainer Matthias Herzog gab heimischen Landwirten im Schloss Rauischholzhausen Tipps fürs Krisenmanagement.

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Mit Humor und Selbstironie geht's leichter: Matthias Herzog setzt sich selbst die rote Nase auf.

Quelle: Carina Becker

Rauischholzhausen. Aufstehen und weiterüben. Wieder und wieder. Hundertmal. Oder öfter. Es dauert, bis ein Kind laufen gelernt hat. Und bis es so weit ist, schlägt niemand vor, es doch endlich aufzugeben.

Scheitern, weiterüben, sich verbessern – die Bereitschaft dazu sei bis zum etwa fünften Lebensjahr grenzenlos. Und danach? Ja, dann leider nicht mehr. „Erwachsene geben nach zwei bis drei Versuchen doch spätestens auf“, sagt der Buchautor und Diplom-Wirtschaftsingenieur Matthias Herzog auf einer Tagung im Schloss Rauischholzhausen, wo er diese Woche auf Einladung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen zu Gast war.

„Meistens kann einem so gut wie nichts passieren“

Seine Zuhörer: Milcherzeuger, gebeutelt vom Preisverfall, können es gebrauchen. Und nachdem die rund 130 Männer und Frauen ein wenig „aufgetaut“ sind, gehen sie bei Herzogs charismatischer, amüsanter und lebensnaher Rede auch begeistert mit.

Wenn unangenehme Aufgaben bevorstehen, ein Gespräch mit der Bank, „und man schleicht dann den ganzen Tag um das Telefon herum“, dann gehe es darum, Angst in Mut zu verwandeln. Aber wie? Herzog stellt zwei Methoden vor: die „Stier-an-den-Hörnern-pack-Technik“ und die „Ach-was-soll‘s-Technik“. „Was ist das Schlimmstmögliche, das passieren kann?“, fragt Herzog. „Meistens kann einem so gut wie nichts passieren. Wenn es nicht klappt, dann haben wir immer noch unser Leben, unsere Gesundheit und die Menschen, die uns lieben. Akzeptieren Sie das Schlimmstmögliche und gehen Sie vom Bestmöglichen aus.“

Wie man sich mit negativen Affirmationen selbst herunterzieht, probieren die Zuhörer gleich selbst aus. „Ich fühle mich schwach. Ich fühle mich krank. Ich fühle mich elend“, sprechen sie Herzog im Chor nach. Und fühlen sich gleich schwach, krank, elend. Anders herum funktioniert‘s auch: „Ich bin gut. Ich bin sexy. Ich erreiche meine Ziele.“

Welche Ziele man sich auch gesetzt hat: Mit diesem Rüstzeug geht es leichter. „Geben Sie Ihr Bestes und schauen Sie dann, was dabei rauskommt“, rät Herzog, warnt zugleich vor Perfektion. „Perfektion weckt Aggression. Fehler sind die beste Möglichkeit, um zu lernen.“ Noch eine Übung: Lernen, auf das Wörtchen NICHT zu verzichten. „Ihr Gehirn versteht es nicht, wenn Sie sagen, ich möchte NICHT scheitern. Es versteht, ich möchte scheitern. Streichen Sie das NICHT also aus Ihrem Wortschatz.“

Und dann darf entspannt werden. Die wohl wichtigste Übung: Loslassen. Dazu empfiehlt Herzog: „Einfach mal die rote Nase aufsetzen“ und bietet die Clownsnasen mit seinen Motivations-Büchern im Set an. „Mit der roten Nase kann man sich selbst einfach nicht mehr ernst nehmen.“ Und dann ist eins ganz sicher: „Ärger, den du nicht gehabt hast, den hast du nicht gehabt.“

von Carina Becker

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