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„Die Kinder Abrahams“ musizieren für Flüchtlinge

Benefizkonzert „Die Kinder Abrahams“ musizieren für Flüchtlinge

Um die Musik der christlichen, islamischen und jüdischen Religionen in einer Veranstaltung zusammenzuführen, organisierte der Freundeskreis Marburg-Sfax ein Benefizkonzert mit Begegnungstag im Bürgerhaus Cappel.

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Der Kinderchor der muslimischen Gemeinde Marburg interpretierte traditionelle Musik und modernen Rap.

Quelle: Arnd Hartmann

Cappel. Dass mit Musik die Grenzen zwischen Kultur und Religion überschritten werden können, nahm der Freundeskreis zum Anlass, um nach dem Motto „Die Kinder Abrahams“ ein Konzert mit Spendenaufruf für die Flüchtlingshilfe auszurichten. Dafür setzten die Organisatoren bereits im Oktober alle Hebel in Bewegung, um die religiösen Gemeinden, Künstler und Musiker Marburgs zu einem vielfältigen Benefizkonzert zu engagieren.

Am Samstagnachmittag sprachen Vereinsmitglied Balduin Winter und der Professor Albrecht Fuess vom Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) der Philipps-Universität während einer Podiumsdiskussion über die historische Entwicklung des Islam. Über das zeitpolitische Vorspiel bis hin zur aktuellen Flüchtlingssituation stand der Zusammenhang zwischen Politik und Religion im Vordergrund.

Mit der Entstehung des Islam im 7. und 8. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel spielten vor allem der Macht- und Kulturfaktor und sein Zuwachs vom Atlantik bis Vorderasien eine entscheidende Rolle. Schon damals, betonte Fuess, „war es für Europäer einfacher, in muslimisch geprägten Ländern zu leben als andersrum“. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und einer neuen Reformbewegung mit deutlicher Abgrenzung zum Abendland, stellte das Jahr 1979 mit dem Sturz des iranischen Schahs und dem Zerfall der europäischen Kolonialreiche einen weiteren Wendepunkt dar.

OB Spies: Stadt sucht Lotsen und Paten

Dass die Europäer und die USA durch ihre Interventionen zu einer Destabilisierung in Vorderasien beitrugen, darüber waren sich beide Gesprächspartner einig. Ob denn gerade die Europäer sich in der aktuellen Lage in diesen Regionen „positiv beteiligen“ sollten, fragte Winter. „Mein Wunsch wäre, dass sich Europa positiv zurückhält. Eine Aktivität wäre kontraproduktiv“, schloss Professor Fuess die Diskussionsrunde.

„Ein rappelvolles Bürgerhaus um 16 Uhr erleben wir nur ganz selten“, begrüßte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) die Gäste. Für die Menschen, die fortan eine neue Heimat in Marburg finden, suche die Stadt noch Hilfe in Form von Lotsen und Paten.

Mit ihren Chorauftritten stimmten dann die Kinder der jüdischen und christlichen Gemeinde die Gäste auf das musikalische Programm ein. Der gebürtige Holländer Job Verweijen zeigte darauf sein Talent beim Klangspiel von Glocken und selbstgebauten Metallklangkörpern, und auch die Schüler der Erich-Kästner-Schule luden zum Mitsingen ein. Das „Duo Südwegen“ und Youssef Nassif an seinem Kanun spielten das Publikum gegen Ende richtig warm, sodass die Rap-Rocker des „Bazouka Groove Club“ am Abend richtig loslegen konnten.

von Arnd Hartmann

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