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Die Gretchenfrage: Was macht Siemens?

Partikeltherapie Die Gretchenfrage: Was macht Siemens?

Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit des Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrums mit dem Partikeltherapiezentrum in Marburg entstehen, ist unklarer denn je.

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Professor Thomas Haberer (links) und Professor Jürgen (rechts) erläutern die Funktionsweise des Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrums.

Quelle: Foto: Hendrik Schroeder

Marburg. Ja, es gibt sinnvolle Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen dem Heidelberger HIT und dem PTZ auf den Lahnbergen. Die Bereitschaft zu helfen, sei in Heidelberg auch vorhanden, betonte der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, Professor Guido Adler.

Das HIT ist eine 100prozentige Tochter des Heidelberger Universitätsklinikums.

Das HIT könne allerdings nur begrenzt in den Aufbau der millionenschweren Einrichtung in Marburg investieren, sagte Adler: „Unser Schwerpunkt liegt natürlich auf der eigenen Anlage hier in Heidelberg.“ Und die Kaufmännische Direktorin des Heidelberger Klinikums, Irmtraut Gürkan, ergänzte: „Zunächst müsste man Siemens motivieren, die Anlage zu Konditionen zu übergeben, die für den Betreiber interessant sind.“

Das sehen die Experten in Heidelberg aus mehreren Gründen derzeit nicht sehr optimistisch. Erstens fährt Siemens nach deren Einschätzung offenbar die Strategie, die Marburger Anlage ausschließlich als Testanlage für Schanghai zu nutzen. Dort entsteht eine baugleiche Anlage wie in Marburg. Zweitens, so der wissenschaftliche Leiter des HIT, Professor Thomas Haberer, müsse noch geklärt werden, wie eine Zulassung für die Marburger Anlage zu bewerkstelligen sei.

Grob gesagt gibt es entweder die Variante, dass Siemens für seine Entwicklung in Marburg die Zulassung als Medizinprodukt erwirbt und damit in der Verantwortung bleibt. Oder Siemens überträgt die Anlage einem anderen Betreiber - mit der Folge, dass der das PTZ als Eigenprodukt zu Ende entwickeln und zertifizieren lassen könnte. Das Risiko läge dann bei dem Betreiber.

Siemens-Pressesprecher Dr. Matthias Krämer sagte der OP auf Anfrage lediglich, Siemens betreibe das Marburger Partikeltherapiezentrum als Anlage für Forschung und Entwicklung. Weitere Auskünfte gab er nicht.

Die Marburger Grünen-Abgeordnete Angela Dorn ist über den engen Zeitplan bei der Entscheidungsfindung und die Versäumnisse der Regierungskoalition empört: Sie wirft Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann schwere Versäumnisse in der Hochschul- und Wissenschaftspolitik vor und hält es für „unverantwortlich, wie mit der Partikeltherapie in Marburg umgesprungen wird.“ Und die Grünen-Landesvorsitzende Kordula Schulz-Asche ergänzt: „Jetzt rächt sich das verantwortungslose Verhalten von Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann, die immer nur mit Rhön geredet hat“Dorn und Schulz-Asche sagen dies so, weil Kühne-Hörmann in öffentlichen Einlassungen immer darauf bestanden hatte, dass sie nur mit Rhön über die Inbetriebnahme der Partikeltherapie rede. Nur Rhön sei Vertragspartner der Landesregierung.

Heidelberg sähe Marburg als sinnvolle Ergänzung

Dennoch war die Aufnahme des Patientenbetriebs im PTZ bis Ende des Jahres Bestandteil der Vereinbarung zwischen Rhön und Landesregierung im Januar, mit der die Querelen um das UKGM öffentlichkeitswirksam zu Grabe getragen werden sollten. In der Vereinbarung war auch von einer möglichen Zusammenarbeit zwischen dem PTZ und dem HIT die Rede.

Dafür gibt es mehr als ausreichend Ansatzpunkte: Zunächst gibt es einen Bedarf an dieser schonenden Form der Strahlentherapie: „Je älter unsere Gesellschaft wird, desto höher wird dieser Bedarf“, sagt der Medizinische Direktor des HIT, Professor Jürgen Debus, der auch die Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Universitätsklinikum Heidelberg leitet.Die Heidelberger würden Marburg deswegen nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung des HIT ansehen.Zumal, so ergänzt Debus, die meisten Patienten des HIT an klinischen Studien teilnehmen. Diese klinischen Studien bewerten den Nutzen der angewandten Therapien wie auch die Kosten und sind deswegen wichtige Argumente des HIT in seinen Verhandlungen mit den Kostenträgern, also den Krankenkassen. „Ein Austausch mit Marburg würde uns hier weiterbringen“, sagt Debus.

Enge Kooperation vorstellbar

Auch Professor Thomas Haberer kann sich eine enge Kooperation vorstellen: Die Behandlungstechnik der Anlage in Heidelberg unterscheide sich nicht allzu sehr von der in Marburg. Man könnte mit einem Expertenpool beide Anlagen bedienen und dadurch Synergien erzielen. Die Vorteile einer Kooperation hängen aber von den konkreten Bedingungen ab, die vereinbart werden müssten. „Zunächst aber, und das ist unabdingbar, muss Siemens die Anlage in Marburg übergeben.“Rhön-Pressesprecher Sascha Schiffler erklärte zur Thematik nur, Rhön verfolge „grundsätzlich weiterhin die Absicht, das Partikeltherapiezentrum Marburg in Betrieb zu nehmen und langfristig selbst oder durch einen Dritten zu betreiben“. Derzeit würden mit Hochdruck „alle erforderlichen Schritte“ verfolgt, die eine zügige Inbetriebnahme des Partikeltherapie-Zentrums in Marburg möglich machen. „Dabei wird auch eine Kooperation mit dem Betreiber der Partikeltherapieanlage in Heidelberg geprüft“, ergänzte Schiffler. Rhön mache sich das Ziel zu eigen, spätestens am 31. Dezember Patienten zu behandeln.Der Sprecher des hessischen Wissenschaftsministeriums, Dr. Ulrich Adolphs, sagte, gegenüber der Vereinbarung zwischen Land und der Rhön-AG gebe es „keinen neuen Sachstand“. Über einen Zeitplan könne er keine Angaben machen.

Von Till Conrad

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