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Die Freude des Teilens

Saisongarten Die Freude des Teilens

Die Freude über die 
zahlreich gekeimten 
Aussaaten und die überreiche Ernte kann leicht umschlagen: Wohin mit den vielen Tomatenpflänzchen, Zucchinis 
und Äpfeln?

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Pflanzentauschbörsen sind eine gute Gelegenheit, überzählige Schätze aus dem eigenen Garten ­gegen neue Errungenschaften einzutauschen.

Quelle: Hartmut Berge

Biedenkopf. Das kennt jeder Gartenbesitzer: Fiel die Apfelernte im Vorjahr ganz aus, weil eine späte Frostnacht alle Blüten absterben ließ, biegen sich nun die Äste unter der zentnerschweren Last. Lässt sich die Rekordernte eines Hochstamms noch bewältigen, bereiten fünf Bäume schon Schwierigkeiten, für die es freilich glücklich machende Lösungen gibt.

Wer bereits zehn zu viel gebackene Apfelkuchen eingefroren hat, ein Regal mit Gläsern voller Apfelmus gefüllt ist und der Nachwuchs Bemerkungen macht, die verdächtig nach „schon wieder Bratäpfel?“ klingen, müssen Alternativen her. Große Mengen Äpfel lassen sich an einer der häufig von Obst- und Gartenbauvereinen betriebenen Kelteranlagen in Saft umwandeln.

Der lässt sich, für 20 Minuten auf rund 80 Grad erhitzt, sehr gut in Flaschen oder sogenannten Bag-in-Box-Systemen, in Karton eingepackten Plastikbeuteln mit fünf oder zehn Liter Inhalt, lagern und bis zum kommenden Herbst trinken.
Und wenn immer noch Äpfel übrig sind, dann wohnt die Lösung gleich nebenan.

Kulinarischer Arbeitseinsatz mit den Nachbarn

Aus dem Saft-Einkochen lässt sich leicht ein Samstagsprojekt mit den Nachbarn machen, die das Pech haben, keine eigenen Apfelbäume zu besitzen. Ein solcher kulinarischer Arbeitseinsatz, am Nachmittag mit einer Apfelkuchenparty abgeschlossen, verbindet ungemein und sorgt noch Jahre später für Gesprächsstoff. Und der Apfeltag kann leicht auch durch ein Tomatensuppenfest oder eine Zucchini-Orgie ersetzt werden.

Die Freude des Teilens lässt sich schon im Frühling fühlen. Weil der Erfolg der Sämereien immer mit ein wenig Ungewissheit verbunden ist, säen viele Gärtner sicherheitshalber etwas über den eigenen Bedarf aus. Sind dann doch fast alle Kohlrabi-Samen aufgegangen, bleibt das Risiko, dass mehr Jungpflänzchen als sonst von den Schnecken gefressen werden.

Also werden auch einige Reserve-Kohlräbchen pikiert – aber auf die Schnecken ist eben auch kein Verlass. Bevor aber mehrere Kohlrabi-Wochen drohen, bieten wir die überzähligen Pflänzchen in der gärtnernden Nachbarschaft an und erhalten im Gegenzug vielleicht noch eine ausgefallene Tomatensorte.

Sämereien mit anderen Hobbygärtnern absprechen

Das gleiche Prinzip lässt sich auf den Blumennachwuchs übertragen. Und wer solche Tauschgeschäfte wiederholt, kann das mit den Gartenfreunden sogar zur Regel machen. Manche Samen behalten ihre Keimfähigkeit nur für ein bis zwei Jahre, sodass ein Teil der Sämereien unfruchtbar wird, weil die Tütchen sehr viel mehr Samen enthalten, als der Gärtner für sich in zwei Jahren gebrauchen kann. Mit einem geplanten Pflanzentausch lässt sich das umgehen.

Wer sich aber nicht entsprechend festlegen möchte und in der Nachbarschaft und im Freundeskreis noch keine Gartenfreunde hat, findet in den zahlreichen Pflanzen- und Staudentauschbörsen eine Gelegenheit, die eigene Überproduktion loszuwerden und gleichzeitig das eine oder andere Schnäpchen zu machen.

Am heutigen Samstag gibt es von 14 bis 17 Uhr auf dem Pflanzenflohmarkt im Botanischen Garten auf den Lahnbergen dazu die nächste Gelegenheit. Das Tauschen war vor beinahe 20 Jahren auch die Intention von Inge Behrens aus Biedenkopf, einen Garten- und Pflanzenmarkt zu gründen.

121 Aussteller bieten in Biedenkopf ihre Waren an

Am Sonntag findet schon die 18. Auflage in der Lahnaue statt, bei der 121 Aussteller ihre Waren anbieten. Mit von der Partie ist dann auch die Ortsgruppe Mittelhessen der Gesellschaft der Staudenfreunde um ihre Vorsitzende Iris Becker, die ihre im Sommer blühenden Schätze mitbringt.

Teilen kann auch in einer anderen Form zu einem Gewinn für zwei Seiten werden. Der Sommer ist bekanntermaßen die beliebteste Urlaubszeit – und just die Zeit, in der im Garten allerhand zu tun, aber auch zu ernten ist. Was also liegt da näher, als die Nachbarin, die sich zu unserem Glück bereiterklärt hat, in den zwei Wochen des Ostseeurlaubs die Tomaten im Gewächshaus zu gießen, zum Ernten für den Eigen­bedarf zu verpflichten.

Der Kopfsalat würde ansonsten ohnehin „schießen“ und nach unserer Rückkehr auf dem Kompost landen und die Kohlrabi könnten in der Zwischenzeit holzig werden. So freut sich die Nachbarin über das frische Gemüse und wir über die Rettung der ­Tomatenernte.

von Frank Rademacher

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