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Die Falle schnappt am Busbahnhof zu

Festnahme in Marburg Die Falle schnappt am Busbahnhof zu

Am Dienstagabend wurden Einzelheiten über die Festnahme des Mannes bekannt, der dem Amokläufer von München die Waffe geliefert haben soll.

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Am Marburger Busbahnhof schnappte die Falle der Ermittler zu.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Die Festnahme des 31-jährigen Deutschen muss sich am Dienstagmittag so abgespielt haben, wie man es aus Fernsehkrimis kennt: Das Zollfahndungsamt kommt einem Mann auf die Schliche, der im Darknet Waffen verkauft. Die Beamten nehmen Kontakt auf, täuschen Interesse an einem Waffenkauf vor.

Zeit und Ort für die Übergabe werden vereinbart: Gegen 14 Uhr am Busbahnhof. Die Beamten hatten eine Maschinenpistole, eine Pistole und Munition zum Preis von insgesamt 8 000 Euro bestellt. Kurze Zeit später, zwischen 14.15 und 14.30 Uhr, wird der Waffenlieferant, der sich „zunächst vom Ort der Übergabe entfernt hat“, wie Oberstaatsanwalt Alexander Badle der OP auf Anfrage berichtet, festgenommen. Die „bestellten“ Waffen wurden sichergestellt.
Mit dem Marburger wurde noch eine Frau festgenommen. Nach Informationen von „Spiegel Online“ sollte sie nach der Geldübergabe die bestellte „Ware“ übergeben. Ihre Identität war gestern Abend noch unbekannt. Laut „Spiegel Online“ fanden die Beamten bei ihr den Personalausweis des Händlers.

Das Zollfahndungsamt Frankfurt hat am 17.08.2016 zu einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main (Hessen) eingeladen. Ermittler haben am Dienstag in Marburg einen Mann und seine Freundin festgenommen, die dem Amokschützen von München die Waffe verkauft haben sollen. Am Rande der Pressekonferenz wurden auch die sichergestellten Waffen präsentiert.

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Bei der Anbahnung des fingierten Geschäfts hatte der Mann den verdeckten Ermittlern gesagt, dem Amokschützen die verwendete Pistole und die Munition bei zwei Treffen verkauft zu haben. Am 20. Mai war der Amokschütze den Ermittlungen zufolge mit einem Reisebus nach Marburg gefahren und hatte die Waffe von dem 31-Jährigen gekauft. Vier Tage vor dem Amoklauf fuhr der 18-Jährige erneut nach Marburg und kaufte die Munition: 350 Schuss. Die Angaben des Beschuldigten decken sich mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München und des Bayerischen Landeskriminalamts zu Fahrtnachweisen und Chatverläufen.

Die Waffen bei den Eltern gelagert

Der 31-jährige Dealer war kein Zufallstäter. Die Spezialkräfte waren ihm auf die Spur gekommen, weil er zuvor einem 62-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen und einem 17-Jährigen aus Nordhessen Waffen verkauft hatte. Der 17-Jährige hat den Ermittlungen zufolge bei einem Treffen im Juli in Marburg ein Repetiergewehr und 157 Patronen zum Preis von 1 150 Euro von dem Waffenhändler gekauft. Beides wurde in der Wohnung der Eltern des Jugendlichen sichergestellt – zusammen mit einem kleinen Waffenlager: drei anderen Gewehren, vier Revolvern, 175 Patronen und fünf Kilo Schwarzpulver. Der 62-Jährige soll bei einem Treffen mit dem Waffenhändler Anfang Juni in Marburg eine Pistole und 100 Patronen gegen eine andere Pistole und 97 Patronen getauscht haben.

Bei dem Amoklauf in München tötete der 18-jährige Schüler David S. am 22. Juli neun Menschen; vier weiteren brachte er Schussverletzungen bei. Mindestens 32 Personen verletzten sich auf der Flucht oder bei Paniken, die in der Münchner Innenstadt ausbrachen. Der Amokläufer schoss sich später selbst in den Kopf. Die Polizei vermutet einen rechtsradikalen Hintergrund der Tat. (mit dpa)

von Till Conrad

Neuigkeiten von der Pressekonferenz am Mittwochmorgen

Bei dem in Marburg gefassten Mann, der dem Amokschützen von München die Tatwaffe geliefert haben soll, sind noch weitere Waffen gefunden worden. Der 31-Jährige habe die Ermittler in einer ersten Vernehmung auf eine in Köln an einer Verkehrsinsel vergrabene Kiste hingewiesen, sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Badle, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Darin seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden.

Die 31 Jahre alte Lebensgefährtin des mutmaßlichen Waffenhändlers ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Es habe keine konkreten Anhaltspunkte gegeben, dass sie in das Waffengeschäft eingebunden war.

Der illegale Handel mit scharfen Waffen verlagert sich nach Einschätzung der Ermittler zunehmend ins Internet. Die Täter glaubten, dort im Darknet anonym tätig sein zu können, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Günter Wittig. «Der Erfolg am heutigen Tag zeigt jedoch, dass es nicht so ist.«

Der Amokläufer von München hat den Angaben zufolge für die Schusswaffe und Munition insgesamt 4350 Euro gezahlt. Dies sei aus den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Waffenhändler hervorgegangen, der am Dienstag in Marburg gefasst worden war. Mit der Waffe hatte der 18-Jährige im Juli neun Menschen erschossen und sich selbst getötet.

(dpa)

Von dem in Marburg gefassten Mann führt noch eine weitere Spur nach Nordrhein-Westfalen: Der 31-Jährige habe in einer ersten Vernehmung auf eine in Köln an einer Verkehrsinsel vergrabene Kiste hingewiesen, sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Badle, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main. Darin seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden.

Schon zuvor hatte es eine Verbindung mit NRW gegeben: Ausgangspunkt für das Ergreifen des mutmaßlichen Waffenlieferanten waren Ermittlungen gegen einen 62-jährigen Buchhalter aus dem Bundesland und einen 17-jährigen Schüler aus Nordhessen. Beide stehen in Verdacht, bei dem Marburger Schusswaffen und Munition erworben zu haben.

Das Geschäft zwischen dem mutmaßlichen Waffenhändler und dem 17-Jährigen wurden laut Staatsanwaltschaft über Gitarrenkoffer abgewickelt. Die Freundin des mutmaßlichen Waffenverkäufers habe den Gitarrenkoffer mit den Waffen abgestellt - im Tausch gegen einen leeren Instrumentenkoffer. Es gebe keine Erkenntnisse, dass der Jugendliche die Waffen habe einsetzen wollen. Er habe in einem normalen sozialen Umfeld gelebt.

(dpa)

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31-Jähriger soll Waffe für Amoklauf geliefert haben

Der mutmaßliche Verkäufer der Waffe des Amok-Laufs von München ist bei einem Scheingeschäft in Marburg gefasst worden. Der 31-Jährige wurde am Dienstagmittag gegen 14.30 Uhr in der Nähe des Marburger Busbahnhofs von einer Spezialeinheit des Zollkriminalamts festgenommen, wie die Generalstaatsanwaltschaft und das Zollfahndungsamt Frankfurt mitteilten.

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