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Die Entscheider von morgen

Kinderkonferenz Die Entscheider von morgen

Wie erleben und wünschen sich Kinder die Welt, und wie würden sie ihre Stadt einrichten? Dieser Frage gingen die jungen Teilnehmer der Kinderkonferenz auf den Grund und kamen zu spektakulären Ergebnissen.

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Über ihre Wünsche und Pläne für die Stadt sprachen die Abgeordneten der ersten Marburger Kinderkonferenz Leevke (von links), Nisha, Anton, Yonna, Paula und Alva.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Die neun bis zwölf Jahre alten Mitglieder der Kinderkonferenz luden ein zur Abschlussdebatte in den Stadtverordnetensitzungssaal. „Wir sind heute da, wo die großen Dinge besprochen werden – vieles davon betrifft uns“, stellten die Konferenzmitglieder klar: Yonna, Paula, Nisha, Anton, Leevke und Alva leiteten die Sitzung und sprachen Klartext – über ihre Sicht der Dinge, ihren Eindruck von Marburg und Kinderwünsche aus ihrer Stadt.

Nach einer umfangreichen Bestandsaufnahme verschiedener Stadtteile wie Richtsberg und Südviertel präsentierten sie ihre 
gesammelten Ergebnisse in Bild und Ton: „Zu dreckig, viel lauter Verkehr und zu hohe Mieten“, stellten die Kinder fest. Um sich die Sache zu versüßen, betrachteten sie die Umgebung auch mal durch bunte Folien – „da wurde der Richtsberg gleich viel schöner“.

Das prunkvolle Südviertel sagte ihnen da mehr zu: „das Viertel ist zwar altmodisch, aber die Gärten sind groß“, fanden alle. So könnte es ruhig überall in der Stadt aussehen. Doch warum das nicht der Fall ist, war ihnen ebenso klar: „Arme Eltern haben nicht genug Zeit für ihre Kinder, müssen den ganzen Tag für die teure Miete arbeiten – das sollte sich ändern“, lautete die Forderung.

„Ich will weniger 
Straßen und mehr Gras"

Weitere Ideen für die Stadtplaner boten da die Abgeordneten der Raumsonde Kinderstadt, die „life“ zur Konferenz hinzugeschaltet wurden. Für einen angenehmeren Alltag aller Stadtbewohner sprachen die sich für einen baulichen Umschwung aus: Zuckerwattebäume mit integrierten Wohnungen, weniger lärmende Autos, magische Portale und unterirdische Gänge anstelle verstopfter Straßen für mehr Mobilität der Bürger.

„Dann wäre mehr Platz für Gärten und Natur – alles wäre viel umweltfreundlicher“, lautete der Antrag von Yonna. „Ich will weniger Straßen, saubere Brunnen und mehr Gras“, ergänzte Paula. Eindringlich forderten die Abgeordneten „einen 
Spielplatz in der Oberstadt mit Seilbahn“ – nicht nur dieser Punkt klang im Saal irgendwie bekannt.

Die Pläne, welche die jungen Forscher mit viel Witz, dramatischen Pausen und gekonnter Rhetorik dem Publikum präsentierten, waren so vielseitig wie phantasievoll und regten doch zum Nachdenken an. Seit März widmeten sich die Teilnehmer in mehreren Workshops einer ganz neuen Sichtweise auf ihre Stadt, setzten sich ernsthaft mit Themen rund um die Stadtplanung auseinander und wanderten mit offenen Augen und Sinnen durch Marburg. So rollten sie mit Kamera und Aufnahmegeräten im Gepäck in einem selbst gebastelten Sessel durch die Viertel, interviewten andere Kinder oder riefen die Nachrichtenshow „Kornipaly“ ins Leben.

Im Mittelpunkt des Projekts Kinderkonferenz stand die 
Beteiligung der Jüngsten an 
aktuellen Themen, dem politischen Tagesgeschehen und die Idee, ihnen als zukünftige Stadtbewohner schon jetzt Gehör zu verschaffen. „Kinder sind die Entscheider von morgen – sie sollten die Stadt in ihrer ganzen Vielfalt kennenlernen und begreifen“, erklärte Theaterpädagogin 
Katrin Hylla.

„Macht die Mieten billiger, Wahlen ab acht Jahren“

Die Aktion fand als Kooperationsprojekt der Freien Schule Marburg, der Richtsberg-Gesamtschule und dem Off-Theater German Stage Service statt, zahlreiche Marburger Künstler begleiteten die Kinder während der Workshops. Gefördert wurde das Projekt vom Bildungsbündnis „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Zum großen Finale der Konferenz präsentierten die jungen Moderatoren ihren 30 Zuhörern ein langes Transparent, mit dem sie lauthals die Gründung einer Sessel-Kinderpartei verkündeten. „Macht die Mieten billiger, Gärten für alle, Wahlen ab acht Jahren und noch mehr Dinge, die ihr nicht versteht“, lautete das Parteiprogramm.

von Ina Tannert

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