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Podiumsdiskussion und Impulsvortrag

„Die EU macht unser Leben einfacher“

Wie profitiert Hessen von Europa? Dieser Frage wurde im Fürstensaal des Landgrafenschlosses nachgegangen. Neben einer Podiumsdiskussion gab es einen Impulsvortrag der hessischen Europaministerin Lucia Puttrich (CDU).
Dr. Christoph Ullrich, Mirja-Hannele Ahokas, Katrin Müller-Walde, Professor Frank Runkel und Dr. Michael Reckhard diskutierten nach dem Vortrag von Lucia Puttrich. Foto: Suria Reiche

Dr. Christoph Ullrich, Mirja-Hannele Ahokas, Katrin Müller-Walde, Professor Frank Runkel und Dr. Michael Reckhard diskutierten nach dem Vortrag von Lucia Puttrich.

© Suria Reiche

Marburg. „Wann sind Sie das letzte Mal bewusst mit Europa in Kontakt gekommen?“ Wahrscheinlich gibt es nur wenige, die auf die Frage, mit der Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich am Donnerstagabend rund 50 Zuhörer im Fürstensaal des Landgrafenschlosses begrüßte, sofort eine Antwort wissen.

Diese Tatsache war es auch, die Ullrich gemeinsam mit der Hessischen Staatskanzlei, der Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn und drei weiteren EU-Infozentren zu der Infoveranstaltung bewegt hatte. Denn Berührungspunkte mit Europa, und damit auch Projekte, die aufgrund von Fördergeldern der EU umgesetzt werden konnten, gebe es zahlreiche – das Marburger Kino ist beispielsweise eines davon genauso wie die Breitbandversorgung im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Aber nicht nur informieren wollten die Verantwortlichen. Auch das Netzwerken und Aufmerksammachen stand auf dem Programm: Die EU halte eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten bereit, deren Einsetzung setze jedoch Impulse von den jeweiligen Verantwortlichen voraus. „Und mir ist es ein besonderes Anliegen, dass europäische Mittel in unserer Region klug und effizient eingesetzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Mittelhessens zu erhalten und weiter auszubauen“, sagte Ullrich.

Über die Grenzen hinausschauen

Aus diesem Grund zeigte er sich auch besonders erfreut, dass Lucia Puttrich, Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigte des Landes Hessen beim Bund, mit ihrem Impulsreferat den Abend eröffnete.

„Wenn wir nicht verstehen, dass wir ein Teil einer Gemeinschaft sind, und zwar nicht nur ein Teil einer Gemeinschaft Europas, sondern ein Teil einer Gemeinschaft insgesamt, dann werden wir die Herausforderungen nicht lösen“, sagte sie und spielte unter anderem auf die Flüchtlingskrise an. Diese habe sich zur zentralen Frage über den Zusammenhalt und die Solidarität innerhalb der EU entwickelt. „Europa steht für Frieden, Freiheit und Demokratie“, bekräftigte Puttrich (Foto: Reiche).

Was man im Großen erklären könne, müsse man im Kleinen zeigen – was bedeutet Europa für seine Bewohner im Alltag? „Unter anderem ermöglicht es den Menschen, innerhalb der Grenzen im Ausland zu studieren und zu arbeiten.“ Und das sei wichtig, denn nur wer über die Grenzen hinausschaue, könne zum Austausch und zum Wettbewerb mit anderen europäischen Staaten beitragen. 

In Marburg wird diese Idee gelebt: „Rund 790 Kooperationsverträge mit mehr als 260 europäischen Hochschulen bestehen im Rahmen des Erasmus-Programms der EU“, verdeutlichte die Präsidentin der Philipps-Universität, Professorin Katharina Krause.

Bei der darauffolgenden Podiumsdiskussion hatten neben Dr. Christoph Ullrich Mirja-Hannele Ahokas, stellvertretende Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn, Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank, sowie Professor Frank Runkel, Vizepräsident der Technischen Hochschule Mittelhessen, die Chance zu verdeutlichen, wie europäische Strukturfonds, Investitionsprogramme und Richtlinien auf lokaler Ebene wirken.

Kritik an zu vielen
 bürokratischen Hürden

„Die EU macht unser Leben einfacher“, lautet die Meinung von Dr. Reckhard. Von ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Walde, die die Diskussion moderierte, gefragt, ob er dafür ein Beispiel habe, nannte Reckhard den Hof Fleckenbühl in der Nähe von Marburg, auf dem suchtkranken Menschen ohne viel Bürokratie geholfen wird: „Dieser Hof wurde mit EU-Geldern möglich gemacht.“

Professor Runkel und Mirja-Hannele Ahokas kritisierten, es gebe vonseiten der EU zu viele bürokratische Hürden: Wer Förderungsgelder in Anspruch nehmen wolle, müsse meist seitenlange Anträge nicht nur ausfüllen, sondern auch verstehen.

Dass es sich lohnt, sich durch die komplizierten Anträge zu kämpfen, machte Reckhard mit einem weiteren Beispiel deutlich: „Von den 77 Millionen, die im Jahr 2014 aus EU-Geldern nach Mittelhessen geflossen sind, wurde ein Unternehmen aus Marburg unterstützt, das es vor wenigen Tagen geschafft hat, einen revolutionären Durchbruch in der Lasertechnik zu schaffen: Lasern bei Zimmertemperatur.“

von Suria Reiche


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