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"Die Aufmerksamkeit ist verrückt, gell?"

Professor Schäfer ist der "deutsche Dr. House" "Die Aufmerksamkeit ist verrückt, gell?"

Er ist ein Detektiv im weißen Kittel. Ein Spurensucher im menschlichen Körper. Neuerdings ist er noch mehr: weltberühmt beispielsweise. Professor Jürgen Schäfer macht als "deutscher Dr. House" Schlagzeilen.

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Professor Jürgen Schäfer alias "Dr. House" vom Marburger Zentrum für unerkannte Krankheiten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Als auf dem Taxameter schon ein dreistelliger Betrag leuchtete, packte er sich an den Hals. So viel Geld für eine Fahrt nach Frankfurt - das kann einem schon mal die Luft abschnüren. Da erst merkte er, dass die Krawatte fehlte. Vergessen. Eine kleine Katastrophe. Denn auch wenn Professor Jürgen Schäfer mittlerweile ein wahrer Medienprofi ist - ein Kameraauftritt ohne Krawatte kratzt an der Professoren-Ehre.

Seit Freitagmorgen steht das Telefon bei Schäfer und seinen Kollegen am „Zentrum für unerkannte Krankheiten“ nicht mehr still. Der Grund hierfür ist alt. Die Aufmerksamkeit aus aller Welt - die ist neu. Das renommierte Medizin-Magazin „Lancet“ hatte in einer Pressemitteilung über die Lehr- und Arbeitsmethoden des „deutschen Dr. House“ informiert.

Vor zwei Jahre hatte Schäfer bei einem Patienten eine Kobaltvergiftung aufgrund eines fehlerhaften Hüftgelenks festgestellt. Auf diese ungewöhnliche Diagnose kam er nur mit Hilfe der TV-Serie „Dr. ­House.“ Erst wenige Tage zuvor hatte er die Serie im Rahmen seiner Vorlesung mit seinen Studenten besprochen. Seit 2009 zieht Schäfer die US-Serie zurate, wenn es um eine der wichtigsten Lektionen in der Medizinlehre geht. „Ich will Querdenker“, sagt er entschlossen.

„Mein Leben war mal ruhiger“

Fünf Jahre nach der ersten „House-Vorlesung“ sitzt er also nach Feierabend im Taxi in Richtung Frankfurt. Ein Interview mit dem amerikanischen Sender „CBS“ steht an. Ohne Krawatte. Dafür aber mit einer wichtigen Nachricht: Im kleinen Marburg ist man offen für Freigeister. Für Menschen, die Denkbarrieren einreißen. Abseits des Offensichtlichen nach Lösungen suchen.

„Dass wir es mit dem Zentrum für unerkannte Krankheiten in die Headlines großer Zeitungen weltweit schaffen - damit habe ich nicht gerechnet“, staunt Schäfer noch immer. Aus Chile, Australien, Südafrika und Russland kamen Anfragen. „Mein Leben war vor einem halben Jahr ruhiger“, erklärt der Professor. So recht zu bemitleiden ist er nicht. Schließlich trägt seine Arbeit Früchte.

„Es wird noch mehr Patienten geben, die an einer Kobaltvergiftung leiden. Das bekommt man nur geknackt, in dem man es flächendeckend bekannt macht.“ Wäschekorbweise trudeln die Patientenakten mittlerweile ein. Weltweit sind Schäfer und sein Team für viele zur letzten Hoffnung geworden. „Das ist eine enorme ­Verantwortung. Es zeigt aber auch, dass eine gute medizinische Lehre auch zu einer guten medizinischen Versorgung führt.“

von Marie Lisa Schulz

Linkliste:

Sehr umfassend berichtete der Toronto Star, die größte Tageszeitung Kanadas, was auch mit daran liegen mag, dass die Kobalt Vergiftungen ursprünglich in Kanada erstmalig beobachtet wurden (in den 60iger Jahren als wurde Kobalt als Zusatz ins Bier gegeben.

Am meisten hat Professor Schäfer der Bericht von CBS News beeindruckt, der Marburg in den USA zum Tagesgespräch gemacht hat.

New York Times

Washington Post

Thestar.com

Metro.co.uk

independent.co.uk

RTL

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Mysteriöser Krankheitsfall
Foto: „Genial recherchiert“: Dr. House (Hugh Laurie, 2.v.l.) behandelt mit seinem Team einen Patienten.

Ein 55-jähriger Patient litt an einer lebensgefährlichen Erkrankung, die selbst die erfahrenen Mediziner des Marburger Zentrums für unerkannte Krankheiten vor ein Rätsel stellte. Der entscheidende Hinweis kam dabei ausgerechnet aus dem Fernsehen – von dem spleenigen TV-Arzt Dr. House.

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