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Die Anlage läuft "extrem stabil"

Partikeltherapie Die Anlage läuft "extrem stabil"

Eine positive Bilanz der Arbeit zogen die Verantwortlichen des Ionenstrahltherapiezentrums auf den Lahnbergen nach einem Jahr..

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Markus Jones (von links) und Professor Jürgen Debus sowie Dr. Gunther Weiß, Professor Thomas Haberer und Professorin Rita Engenhart-Cabillic zogen Bilanz nach einem Jahr Partikeltherapie-Anlage.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Rund ein Jahr nach der Einweihung der Anlage zogen die Verantwortlichen der Partikeltherapieanlage auf den Lahnbergen bei einer Pressekonferenz eine positive Zwischenbilanz. Von der neuen Bestrahlungsmethode versprechen sie sich eine größere Heilungsrate bei bestimmten Tumorarten, erläuterte die Marburger Strahlenmedizinerin Professorin Rita Engenhart-Cabillic. Eingesetzt wird die kombinierte Bestrahlung durch hochbeschleunigte Wasserstoff- und Kohlenstoffionen vor allem bei Tumoren, die relativ unzugänglich tief unter der Körperoberfläche angesiedelt sind. Sehr häufig sei die spezielle Technologie bei Patienten mit Hirntumoren in der Schädelbasis-Region eingesetzt worden. Weitere Anwendungsfelder waren Kopf- und Halstumore, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs und Sarkome (bösartige Tumore des Stützgewebes).

„Die Anlage läuft extrem stabil“, betonte der Medizinphysiker Professor Thomas Haberer, der als wissenschaftlich-technischer Direktor der MIT GmbH für die optimale Funktionsfähigkeit der Marburger Anlage verantwortlich ist. Ein Team von 40 Mitarbeitern sei dafür zuständig, während zusätzlich rund 20 medizinische Mitarbeiter in der Partikeltherapie-Anlage im Einsatz seien.

Derzeit laufe die Anlage an rund 260 Tagen im klinischen Betrieb und ansonsten auch im technischen Betrieb. Die Anlage wird auch nachts nicht abgeschaltet. Dann laufen die Qualitätssicherung und Vorbereitungen für Forschungsprojekte.

Schon 170 Patienten behandelt

„Nach einem Jahr Vollbetrieb bin ich sehr zufrieden mit der Zuverlässigkeit und der Stabilität des Teilchenbeschleunigers und der Bestrahlungstechnik in den Behandlungsräumen“, meint Haberer. Er ist ebenfalls für die vergleichbare Anlage am Uni-Klinikum Heidelberg zuständig, die dort schon vor einigen Jahren in Betrieb ging. Europaweit gebe es nur drei dieser speziellen Strahlentherapie-Einrichtungen.

Das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) war erst nach jahrelangem Streit und Verzögerungen in Betrieb gegangen. Eigentlich hätte die Anlage bereits Ende 2012 laufen sollen. Dazu hatte sich die Rhön-Klinikum AG beim Kauf des privatisierten Uni-Klinikums Gießen-Marburg verpflichtet. Dann war das Projekt aus wirtschaftlichen Gründen zunächst gestoppt worden.

Die Anlage betreibt nun federführend das Heidelberger Uni-Klinikum, das 75,1 Prozent Gesellschafteranteile innehat. 24,9 Prozent Gesellschafteranteile verbleiben für die Rhön-Klinikum AG, der „Mutterkonzern“ des Uni-Klinikums Gießen und Marburg.

Mit bisher 170 behandelten Patienten sei die Patientenzahl der Marburger Anlage für die Anlaufphase bereits sehr hoch, sagte Dr. Gunther Weiß, Kaufmännischer Geschäftsführer des Uni-Klinikums Marburg. Vergleichbar dazu seien es in der Heidelberger Anlage im ersten Jahr nur 80 Patienten gewesen, sagte Professor Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor des Heidelberger Ionenstrahltherapiezentrums (HIT) und in Personalunion auch einer der Geschäftsführer der MIT GmbH.

Mittelfristig 600 Patienten pro Jahr geplant

Doch die Patientenzahl in Marburg soll noch deutlich gesteigert werden - und zwar nach dem Wirtschaftsplan auf mehr als 300 Patienten bereits im kommenden Jahr. Mittelfristig wolle und müsse man bei der Anlage auf eine Zahl von rund 600 Patienten pro Jahr kommen, machte Debus deutlich. Nur wenn man mittelfristig diese Zahl erreiche, dann rechne sich die Anlage auch, erläuterte Dr. Weiß auf OP-Nachfrage. Dass die Krankenkassen als Kostenträger nach anfänglicher Skepsis jetzt überzeugter gegenüber dem Projekt in Marburg seien, darüber freute sich MIT-Geschäftsführer Markus Jones.

Um die Patientenzahl dauerhaft zu steigern, sollen auch die potenziellen Patienten über das Angebot informiert werden. Klar sei, dass sich die neue hochmoderne Bestrahlungsoption nicht nur an Patienten in der Region Mittelhessen richte, sondern auch darüber hinaus..

Die Patienten werden in Marburg jeweils rund sechs Wochen lang an jedem Tag rund 20 Minuten bestrahlt und sind nur ambulante Patienten, die nicht stationär im Uni-Klinikum aufgenommen werden. Zwar werden für Patienten auch Apartments angeboten, aber aus logistischen Gründen fahren viele Patienten täglich von zu Hause zu ihrer Behandlung im MIT, so Weiß. Mit der innovativen und mehr als 100 Millionen Euro teuren Anlage können Tumore punktgenau beschossen werden, wobei umliegendes Gewebe geschont wird. Deshalb soll sich die Therapie besonders für Kinder und Jugendliche eignen. Mittlerweile sei die Behandlungsmethode auch für Kinder als Routine-Methode anerkannt, freute sich Weiß.

Wie in Heidelberg soll auch in Marburg die neue Therapieform noch besser erforscht werden. Für zehn Forschungsprojekte von hessischen Forschern zur Weiterentwicklung der Ionenstrahl-Therapie, die in Marburg laufen sollen, bewilligte die hessische Landesregierung insgesamt 700000 Euro.

von Manfred Hitzeroth

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