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Detektor macht Fledermausrufe hörbar

Schloss Detektor macht Fledermausrufe hörbar

Der erste stationäre und öffentlich zugängliche Fledermausdetektor in Marburg wurde jetzt auf dem Schlossparkplatz eingeweiht.

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Umweltdezernent Dr. Franz Kahle (links) und Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne freuen sich über die Einweihung der Fledermaus­detektor-Station am Marburger Schloss.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Noch sind die typischen Klicklaute der Zwergfledermaus und die eher fiependen Töne der Breitflügelfledermaus und des Großen Abendseglers an der neu aufgestellten Fledermausdetektor-Station samt Basis-Infos nur per beispielhafter Tonkonserve abrufbar. Doch das wird sich spätestens im April kommenden Jahres wieder ändern, wenn die Fledermäuse in Scharen ihr Winterquartier im Keller des Schloss-Rittersaals verlassen. Das erläuterte Fledermaus-Expertin Ortrud Simon vom Umweltamt gestern bei der Präsentation des Detektors.

Das Gerät, das künftig die eigentlich nur im Ultraschall-Frequenzbereich hörbaren Kommunikationslaute der Tiere aufzeichnen soll, kann die Laute aus einem Umkreis von 15 Metern „übersetzen“, wenn man auf einen Knopf drückt. Der Standort direkt an der Einfahrt zum Schlossparkplatz wurde so gewählt, weil sich in unmittelbarer Nähe eine Laterne befindet, um die Fledermäuse gerne in lauen Sommernächten umherfliegen, erläuterte Simon. So könnten die Tiere dort bald in der Dämmerung nicht nur belauscht, sondern vielleicht auch beobachtet werden.

Doch auch an manchen ­Vorfrühlings-Abenden könnte schon die Chance bestehen, die durch den Detektor hörbar gemachten Fledermausrufe auch „live“ zu hören. Wenn man dann genau hinschaut, kann man die Verursacher der Laute vielleicht auch umherflattern sehen.

Umgebauter Parkschein-Automat

Marburg ist nach Gießen hessenweit die zweite Stadt, die dieses Angebot macht. Finanziert wurde die Aufstellung des öffentlichen Detektor-Gerätes­ durch das Regierungspräsidium Gießen, das dafür eine Summe von 7000 Euro zur Verfügung stellte, die aus einem Sonderfonds des hessischen Umweltministeriums zum ­Thema Biodiversität stammt. Zusätzlich steuerte die Stadt Marburg 2000 Euro für die ­Aufstellung bei.

Der Detektor, die Entwicklung einer Firma aus Erfurt, ist übrigens ein umgebauter ­Parkschein-Automat, erläuterte Jochen Friedrich. In seinem Inneren befindet sich das spezielle Aufnahmegerät, das die Laute überträgt und anschließend hörbar macht.

Der Standort wurde auch deswegen gewählt, weil sich im Rittersaal des Marburger Schlosses ein deutschlandweit einmaliges Winterquartier befindet. „Dort überwintern derzeit rund 2500 Zwergfledermäuse,­ erläutert ­Ortud Simon. Die ­daumengroßen Tiere verstecken sich dort gerne in Mauerritzen. Der Rittersaal dient nicht nur als Winterquartier, sondern teilweise auch als Paarungsquartier. „Gemeinsam mit der Universität gewährleisten wir, dass die Tiere dort im Winter nicht in ihrer Ruhe gestört werden“, erläuterte Umweltdezernent Dr. Franz Kahle (Grüne).

Auch „nebenan“ - im Brunnenkeller, im Keller des Hexenturms sowie in den Kasematten und am benachbarten Dammelsberg - gibt es zudem noch weitere Winterquartiere, in denen vereinzelt Fledermäuse anderer ­Arten nachgewiesen wurden. ­Die ­Untere Naturschutzbehörde­ der Stadt arbeitet seit mehreren Jahren in Sachen Fledermausschutz mit den Vertretern der Universität zusammen, die das im Landesbesitz befindliche Landgrafenschloss nutzt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Projekte zum Erhalt, der ­Erforschung, Überwachung und Optimierung der Fledermausquartiere. Auch Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne sieht die Aufstellung des Fledermaus-Detektors als Bereicherung für die Besucher des Schloss-Areals und eine weitere Chance, die Wahrnehmung der Tiere für die Fledermaus-Fans zu erleichtern.

von Manfred Hitzeroth

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