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Des modernen Herren Herd

Grillen Des modernen Herren Herd

Auf dem Höhepunkt des Gladenbacher Märzwinters wurde am Wochenende die Grillsaisoneröffnet.

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Quelle: Thomas Strothjohann

Gladenbach. Kohle oder Gas? Die Glaubensfrage nach dem besten Brennstoff zum Grillen hat schon ganze Gartenpartys platzen lassen. So emotional wird sonst nur darüber diskutiert, ob Mercedes oder BMW die besseren Autos baut.

Eine amerikanische Grillmarke hat es geschafft, sich an die Spitze beider Bewegungen zu stellen: An Weber kommt keiner vorbei, der sich einen Luxusgrill gönnen will. Die Boliden tragen epische Namen wie „Genesis“, „Performer“ oder „Spirit“ und kosten in der Spitze über 3000 Euro. Dazu gibt es ganze Kaufhausabteilungen mit Zubehör von der ergonomisch bestechenden Grillzange über das Räucherbrett aus Zedernholz bis zum Wok. Ob es Webers Verdienst ist, oder ob die Firma nur daran verdient - Fakt ist, dass die Grillkultur in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren einen auffälligen Qualitätssprung erlebt hat. Früher wurden die Bratmaxe aus der Packung auf den Rost gedrückt, heute belegen die Herren Grillseminare und fachsimpeln über die perfekte Kerntemperatur einer Rinderlende.

Solche Grillseminare fanden am Wochenende in Gladenbach statt. Der Grillmeister David Volke aus Schwerte war mit seinem Grill-Fuhrpark im Kaufhaus Bellersheim zu Gast.

Die Grillsaison ist eröffnet

Es war das erste von fünf Wochenenden, an denen er in diesem Jahr in Gladenbach grillt. In den Einsteigerkursen erklärt Volke zunächst, wie man einen Grill fachgerecht anfeuert. Volke füllt Kohle in einen Metallzylinder stellt ihn in einen Kugelgrill, zündet zwei weiße Würfel an, schiebt sie unter den Zylinder - das war‘s. Keine Zeitung, kein Spiritus, kein Wedeln oder Pusten. 25 Minuten dauert es ungefähr, bis die Kohle in diesem Kamin durchgeglüht ist. „Zu Hause“, sagt Volke „setze ich mich so lange mit einem Bier daneben und warte“, das sei für ihn einer der Gründe, überhaupt mit Kohle zu grillen.

Heute hat keiner Lust, sich mit einem Bier neben den Grill zu setzen. Trotz Frühlingsanfang ist es am Freitag nämlich bitter kalt in Gladenbach. Die Teilnehmer stehen mit den Händen in den Hosentaschen zwischen den Grills und zeigen sich wenig beeindruckt vom Kamin. Doch als Volke das Spitzenmodell aus der Holzkohleserie demonstriert, gewinnt er die Aufmerksamkeit. Das Gerät hat einen Gasbrenner, zum Anzünden der Kohle - das lockt die Tüftler an den Grill.

Wahrscheinlich ist es das Spiel mit dem Feuer, das den Grill zur Männer-Domäne macht. Selbst die größten Kochmuffel stellen sich im Sommer an den Rost und wenden die Würstchen. Die Teilnehmerkonstellation der Grillseminare spricht auch dafür: Unter dreißig Teilnehmern sind am Freitag nur drei Frauen.

Tanja Boucsein hat das Seminar in der OP-Verlosung gewonnen. „Normalerweise grillt mein Mann bei uns“, sagt sie. Aber die Fisch-Wraps haben es ihr angetan. Die würde Boucsein gerne auch mal zu Hause ausprobieren.

Viele der Teilnehmer sind mit Freunden oder Verwandten gekommen. So auch Michael Herrmann. „Ich bin mit meinen Schwiegersöhnen hier. Wir fahren im Sommer mit der ganzen Familie in ein Ferienhaus in die Toskana. Da wollen wir unseren Frauen etwas bieten.“ Ein auf den Punkt gegrilltes Rinderfilet würde sich zu einem toskanischen Chianti auf der Ferienhausterrasse auf jeden Fall gut machen.

An Silvester (an-)gegrillt

In Gladenbach gibt es, wie Thomas Pierschel erzählt, eine passionierte Grillcommunity. Er und seine Freunde treffen sich regelmäßig, um zu experimentieren. „Wir haben auch an Silvester gegrillt“, erzählt Pierschel. Am 31. Dezember 2012 hätten sie den Grill ausgemacht und am 1. Januar wieder angeheizt. Für ihn ist das Grillen bei den hessisch-sibirischen Temperaturen am Wochenende also nichts Neues. Allerdings müssen fortgeschrittene Griller auch nicht ständig über das Grillgut wachen. Sie stellen die Stärke der Brenner ein und warten bei geschlossenem Deckel ab, bis die vorher kalkulierte Zeit abgelaufen ist.

Beim Seminar wacht David Volke über die Zeiten. Obwohl er keine Uhr trägt, vergisst er keines der Gerichte die gleichzeitig draußen unter den Hauben garen. Die Teilnehmer können im Warmen essen. Matthias Fuchs sitzt vor seiner Burger-Hälfte holt tief Luft und sagt: „Sowas habe ich seit über 20 Jahren nicht gegessen. In diese Fastfooddinger bringt mich kein Mensch rein.“ Aber dieser Burger ist kein Fastfood und so beißt er doch rein. Erst zaghaft, dann überzeugt. Nur dass die so genannten „Patties“, das Burgerfleisch aus den USA importiert wurde ist Fuchs suspekt. „Das ist doch Unsinn. Bei meinem Metzger kriege ich auch Rinderhack - und das ist nicht um die halbe Welt geflogen bevor es auf den Grill kommt.“

Für die Selbermacher hat Grillmeister David Volke auch etwas im Angebot. Im gut sortierten Grilladen gibt es Pressen, um eingekauftes Hackfleisch zu festen Burger-Bouletten zu pressen. Volke empfiehlt mindestens 180 Gramm pro Bulette. „Wenn Ihnen das zu viel ist, teilen Sie es lieber nach dem Grillen.“ Aber kleinere Buletten, sagt er, würden auf dem Grill zu schnell trocken. Gleiches gilt für Steaks. Aus drei Kilogramm Rinderfilet schneidet Volke sechs Steaks.

Zum Schluss bleibt immer noch die Frage: Kohle oder Gas? Einen Gasgrill kann man anmachen und loslegen, dafür ist das Angrillen beim Holzkohlegrill für Geduldige ein entschleunigendes Ritual. Volke versichert, dass es keinen geschmacklichen Unterschied gibt: „Man riecht das Feuer, aber der Kohlegeschmack ist ein Mythos.“ Würstchenbraten ist auf dem Kohlegrill allerdings einfacher. Wenn sie auf dem Gasgrill nicht ständig gewendet und mit direkter Hitze auf dem Brenner gegrillt werden, bekommen sie eine unappetitliche Haut. Wenn Volke sich entscheiden müsste, würde er einen Gasgrill nehmen. Aber das muss der ja nicht: „Der Trend geht zum Zweitgrill“, sagt der Weber-Werber und lacht.

Haben Sie ein Lieblings-Grillrezept? Machen Sie mit bei unserem Grillprojekt.

von Thomas Strothjohann

Das Menü

  • Flammkuchen mit Lachsstreifen als Snack
  • Black Angus Burger
  • Seelachsfilet im Zedernholz-Wrap gegrillt mit Gemüse-Risotto
  • Koreanisches süßsaures Hühnchenfleisch
  • Rinderfilet-Steaks
  • Rosa gegartes Bürgermeisterstück (Tafelspitz) mit Grill-Kartoffelsalat
  • Waffelbällchen mit Schokobon-Füllung
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