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Der schwere Kampf gegen das Virus

Ebola in Westafrika Der schwere Kampf gegen das Virus

Der Herzhäuser Manfred Rink erlebt vor Ort hautnah mit, wie sich die Ebola-Epidemie in Westafrika ausbreitet. In Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, versucht er dabei zu helfen, das Land von der Seuche zu befreien.

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Manfred Rink (links) setzt sich in Sierra Leone für die Sensibilisierung der Bevölkerung im Bezug auf Ebola ein.

Quelle: Privatfoto

Freetown. Seit 11 Jahren lebt Manfred Rink in Sierra Leone. „Ich habe hier geheiratet und und meinen Lebensmittelpunkt gefunden“, sagt er. Trotz, oder gerade wegen des Ausbruchs der Ebola-Epidemie möchte er das Land und seine „warmherzigen Menschen“ im Moment nicht verlassen. Als Entwicklungshelfer in der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) arbeitet er in einem von der deutschen Bundesregierung finanzierten Programm des Zivilen Friedensdienstes von Brot für die Welt, das Post-Konfliktländern wie Sierra Leone helfen soll, den fragilen Frieden zu stabilisieren. Derzeit setzt er sich mit der AGEH und dem Zivilen Friedensdienst für die Eindämmung von Ebola ein.

„Die Gefahr des Ebola-Virus wurde zu spät erkannt“, findet Rink. Es habe zwar frühzeitig Warnungen gegeben, etwa von der Organisation Ärzte ohne Grenzen, dennoch sei nicht angemessen reagiert worden. Erst nachdem die internationalen Medien über die Seuche berichteten, hätten die sierra-leonische Regierung und die Weltgesundheitsorganisation etwas unternommen. „Ich bin mir sicher, dass die Ausbreitung hätte gestoppt werden können“, so Rink. Die Märkte im Drei-Länder-Eck Guinea, Sierra Leone und Liberia hätten beispielsweise bereits im März geschlossen werden müssen, glaubt er. Nun, da inzwischen mehr als 1145 Menschen gestorben sind, scheine es, „als ob jetzt auf einmal die große Rettungsaktion beginnt“.

Traditionen stehen der Eindämmung entgegen

Auch im Land selbst sei das Virus zunächst nicht ausreichend ernst genommen worden. „Erst als die Menschen wirklich sehen konnten, was dieses Virus bewirkt und wie tödlich Ebola ist, änderte sich der Umgang mit der Seuche“, hat Rink beobachtet. Mittlerweile gebe es landesweite Kampagnen zur Sensibilisierung, traditionelle Verhaltensweisen der Bevölkerung stünden der Eindämmung dennoch auch weiterhin entgegen. So würden zum Beispiel Verstorbene nach ihrem Tod von den Angehörigen gewaschen und berührt. „Viele Menschen wollen das nicht aufgeben“, sagt er. Aus Angst davor, dass den Toten etwas angetan wird, werden diese zum Teil sogar mit Gewalt aus den Behandlungszentren geholt - mit der Folge, dass sich die Verwandten ebenfalls infizieren. Zudem herrsche ein tiefsitzendes Misstrauen gegenüber der Regierung, sodass deren Ratschläge nicht befolgt würden.

Einschränkungen im alltäglichen Leben gebe es dennoch überall. „Jedes Büro oder Geschäft fordert vor dem Betreten auf, sich die Hände mit bereitgestelltem Chlorin oder Seife zu waschen. Viele Menschen, die oft Kontakt zu anderen haben müssen, ziehen Gummihandschuhe an“, schildert er. Viele blieben auch zu Hause, Massenveranstaltungen seien ohnehin untersagt worden. Clubs und Bars seien dementsprechend vorübergehend geschlossen. Die Polizei und das Militär haben an einigen Straßen Checkpoints errichtet, an denen jeder einem Test unterzogen wird, so der Entwicklungshelfer. Auch ökonomisch habe die Epidemie gravierende Auswirkungen, auch wenn diese noch nicht vollends sichtbar seien. Die Preise für einige Produkte seien jetzt schon in die Höhe geschossen. Ausländer verlassen das Land, aus Angst sich anzustecken.

Schutzmaßnahmen sollen Kontrolle bringen

Rink hofft, dass die Epidemie in den nächsten Wochen unter Kontrolle gebracht werden kann. Mit seiner Organisation will er die Menschen über Schutzmaßnahmen informieren und ihnen vorbeugende Materialien wie Chlorin und Seife übergeben. Im Netzwerk von EGEH und Zivilem Friedensdienst sowie einiger Partnerorganisationen seien sowohl katholische als auch protestantische Gruppen vertreten, sodass die Menschen in allen Teilen des Landes erreicht werden könnten.

Aufgrund dieser Mission bleibt Rink trotz der Gefahr im Land. „Bei aller Sorge um eine mögliche Infizierung, ist es doch auch eine simple Weisheit, dass es sehr gut möglich ist, sich vor Ebola zu schützen, wenn man die Präventivmaßnahmen beachtet“, ist er sich sicher. Den alljährlichen Besuch im Hinterland treten seine Frau und sein 15-jähriger Sohn daher diesmal alleine an.

Ebola in Westafrika

Die Ebola-Epidemie in Westafrika brach im März in Guinea, dem Nachbarland Sierra Leones aus. Die Karte zeigt die Verbreitung am 12. August 2014. Nach neuen Erkenntnissen ist das betroffene Gebiet allerdings größer und die Zahl der Infizierten größer als bisher angenommen. Erste Erkrankungen soll es demzufolge schon im Dezember 2013 gegeben haben. Inzwischen sind mehr als 1145 Menschen gestorben. Ein Ebola-Patient wird jetzt auch in Hessen behandelt.

von Peter Gassner

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