Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Der letzte Aufschlag

Tennisverein Europabad Marbach Der letzte Aufschlag

Der Tennisverein Europabad Marbach steht vor dem Aus. Die Mitgliederzahlen des ehemals drittgrößten Marburger Klubs sind in den letzten Jahren massiv geschrumpft, der ganze Vorstand tritt ab.

Voriger Artikel
Sport soll Flüchtlingen helfen
Nächster Artikel
Einsatzkräfte werden an fünf Stationen gefordert

Horst Parten (rechts) und Stefan Behrens finden, wie ihre Vereins-Vorstandskollegen, keine Nachfolger. Spätestens 2016 wird es den TV Europabad Marbach wohl nicht mehr geben.

Quelle: Björn Wisker

Marbach. Was wichtig ist, hat er gelb markiert. Horst Parten, Vereinsvorsitzender, deutet auf einen vor ihm liegenden Zettel. Darauf stehen die Geschichtsdaten des Marbacher Tennisklubs: Gründung 1976, Platzfreigabe ein Jahr später, Vereinsheimbau 1982, Ausrichter der Stadtmeisterschaft 1984.

Der 74-Jährige erzählt mit Stolz von drei sorglosen Jahrzehnten. „Hier oben haben viele gute Sportler gespielt, manche von Universitäten aus den USA. Auch wenn uns große Titel fehlten, in der Breite waren wir gut besetzt.“

Er bezieht die Aussage auf den Sport, doch auch die Mitgliederzahlen entwickelten sich jahrelange nur in eine Richtung: nach oben. „Es gab sogar eine Warteliste für Neumitglieder. Damals musste man persönliche Beziehungen in den Verein haben, Leute, die einen für die Aufnahme empfehlen“, sagt Stefan Behrens, mit 70 Jahren der jüngste aus dem Vorstand.

Mehr als 270 Tennisspieler schlugen zu Spitzenzeiten auf einem der vier Sandplätze beim TV Europabad Marbach auf. Heute sind es noch 79, darunter 54 Aktive. Acht Mannschaften stellten die Marbacher einst im Meisterschaftsbetrieb – jetzt ist nur noch eine, das Herren-60-Team geblieben.

„Damals musste man hier oft zwei, drei Matches abwarten, bevor man selbst spielen konnte. An der Bar im Vereinsheim standen die Leute in Dreierreihen“, sagt Parten. Und heute? Die Wenigen, die noch zum Spielen kommen, duschen, ziehen sich um und gehen nach Hause. „Leben gibt‘s keines mehr.“

Mitgliederschwund, sportlicher Niedergang – den Trend aufzuhalten, ihn gar umzukehren, gelang nicht. „Wir haben doch alles gemacht. Werbung, Feste, Schulbesuche, direkte Ansprache. Es half und hilft alles nichts“, sagt Parten.

„Unserem Sport fehlen die Zugpferde, er ist für viele nicht mehr attraktiv“, sagt Behrens. Boris Becker, Steffi Graf, Michael Stich – seit auf der großen Bühne die Asse keine Asse mehr schlagen, schmettern sich auch immer weniger Marburger die Bälle um die Schläger.

„Fragen Sie doch heute mal auf der Straße jemanden, der ihnen die drei derzeit besten Tennisspieler aufzählt“, sagt Behrens. Er macht eine Pause. „Philipp Kohlschreiber, Benjamin Becker und Jan-Lennard Struff – wer weiß das, wer kennt diese Namen schon“, sagt er.

Hoffnungen ruhen auf Fusion mit TV Marburg

Behrens, Parten und die Vorstandskollegen Gisbert Hosack (82), Dieter Burghardt (75) und Karl Oberhansl (74) sind die jahrelange Mangelverwaltung leid. Auf der Jahreshauptversammlung haben nun alle Vorstandsmitglieder ihren Verzicht erklärt, sie werden den Klub noch eine Weile, maximal bis 2016 (dem 40. Geburstag des Vereins) kommissarisch leiten.

„Es droht ein dunkles Jahr, es könnte in der Auflösung enden“, sagt Behrens. Die letzte Amts-Anstrengung der Vorstandsmitglieder – sofern sich nicht unverhofft noch Nachfolger finden – ist es daher, den nach eigenen Angaben finanziell gut ausgestatteten TV Europabad für eine Fusion bereitzumachen. Die Hoffnungen ruhen auf dem TV Marburg, mit dem es bereits Kooperationen gibt. Die Alternative: „Den Verein, so traurig es ist, sauber abwickeln“, sagt Parten.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr