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Der harte Weg nach ganz oben

Kadettenboxer Franklyn Dwomoh Der harte Weg nach ganz oben

Ferienbeginn bedeutet für viele Jugendsportler Sommerpause. Nicht für Franklyn Dwomoh. Der 13-Jährige vom 1. Box-Club (BC) Marburg nimmt in Zagreb an der 
Europameisterschaft teil.

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Ein eingeschworenes Team: Franklyn Dwomoh trainiert mit seinem Trainer Ronald Leinbach im Boxzentrum des 1. BC Marburg.

Quelle: Marcello Di Cicco

Marburg. Es ist Montag, und das Thermometer zeigt am frühen Abend noch immer sommerliche 28 Grad an. Eigentlich optimales Freibadwetter – gerade für einen 13-Jährigen wie Franklyn Dwomoh, der das Schwimmen zu seinen liebsten Freizeitaktivitäten zählt.

Statt Aquamar heißt es für den Marburger jedoch: schwitzen – und zwar im Boxzentrum des 1. BC Marburg in der Friedrich-Ebert-Straße, wo es Franklyn fünfmal wöchentlich zum Training hinzieht. Dass er an diesem Abend nicht ins kühle Nass springen kann, stört den Schüler der Sophie-von-Brabant-Schule „überhaupt nicht“, wie er sagt – und das hat einen Grund: Ab diesem Wochenende ist der BC-Athlet bei der Europameisterschaft im kroatischen Zagreb mit von der Partie.

Kicken mit den Kumpels und akrobatische Einlagen

Ein Unternehmen, was in seiner Altersklasse der 13-/14-jährigen Kadetten noch vom Verein und vom Hessischen Boxverband finanziert wird, wie Franklyns Trainer Ronald Leinbach erklärt. „Deshalb sind wir immer wieder auf Sponsorensuche“, so Leinbach.

In Ibrahima Diallo, der sich dieser Tage mit dem deutschen Olympiakader in Ungarn vorbereitet und zum Perspektivkader der Olympischen Spiele 2020 gehört, stammt ein weiteres großes Talent aus dem Marburger Boxstall – und ausgerechnet Diallo ist es auch, den Franklyn nennt, wenn man ihn nach seinem Vorbild fragt. „Ibrahima und ich sind sehr gut befreundet“, verrät Franklyn, dem insbesondere Diallos leichtfüßige Art zu boxen à la Muhammad Ali imponiert.

Sieg beim Internationalen Ostseepokal

Seit seinem achten Lebensjahr trainiert Franklyn, dessen älterer Bruder Jeffrey ebenfalls für den 1. BC in den Ring steigt, beim Box-Club. Mit zehn Jahren bestritt der künftige Achtklässler seine ersten Kämpfe – und das äußerst erfolgreich: Mehrfach wurde er Hessenmeister – unter anderem in diesem Jahr.

Auch den Titel des südwestdeutschen Meisters hat Franklyn schon ergattert. Hinzu kommt 2014 der Sieg beim Internationalen Ostseepokal, einem Turnier, an dem nicht nur Boxer aus ganz Deutschland, sondern auch aus Polen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden teilnehmen.

„Für das Boxen habe ich mich entschieden, als ich zum ersten Mal Hessenmeister geworden bin. Es ist toll, wenn man es schafft, besser als der Gegner zu sein“, verrät Franklyn, der zwischenzeitlich auch Erfolge mit den Fußballern des VfB Marburg feierte, was für ihn den 
besonderen Reiz am Boxen ausmacht.

In der Freizeit Kicken und Freerunning

In seiner Freizeit kickt der 13-Jährige immer noch. Auch das Freerunning, eine Disziplin des Parkour, bei der sich unter anderem turnerische mit akrobatischen Elementen mischen, gehört zu seinen Hobbys und hat sogleich einen handfesten Nutzen, wie Leinbach meint: „Franklyn ist ein guter Turner. Ihm fällt es einfacher, Boxtechniken zu erlernen.“

Dass der Marburger, der nur 
etwa 100 Meter vom Boxzentrum entfernt wohnt, überhaupt erstmals das EM-Ticket gelöst hat, ist keineswegs selbstverständlich, denn bei den Deutschen Meisterschaften im Mai schied er im Halbfinale aus – allerdings höchst umstritten (die OP berichtete).

„Die Kampfrichter erhielten damals für ihre Wertung sogar eine Rüge. Franklyn ist in seiner Altersklasse sicher der beste Deutsche. Deshalb wurde er auch vom Deutschen Boxverband nominiert“, sagt Leinbach stolz.

In Zagreb startet Franklyn in der Klasse bis 38,5 Kilogramm im Achtelfinale und damit im K.-o.-Modus. „Die Auslosung spielt bei solch einem Turnier eine wichtige Rolle.

Wenn Franklyn zum Beispiel gleich zu Beginn auf einen starken russischen Boxer trifft, kann der erste Kampf schon ein Endkampf sein“, gibt Leinbach zu bedenken – und Franklyn ergänzt: „Natürlich will ich aber jeden Kampf gewinnen.“ Sollte ihm dies nicht gelingen, gibt es aber viele Alternativen gegen die 
Ferien-Langeweile: Fußball, Freerunning, Boxen – und selbstverständlich das Freibad.

von Marcello Di Cicco

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