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Der "ewige Sommer" verlässt die Uni

Professoren-Abschied Der "ewige Sommer" verlässt die Uni

Eigentlich ist er aus dem Fachbereich Mathematik und Informatik nicht mehr wegzudenken. Doch wenige Monate vor seinem 70. Geburtstag verlässt Professor Manfred Sommer die Uni endgültig.

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Professor Manfred Sommer verlässt die Universität. Foto: Hitzeroth

Marburg. Entspannt und meistens mit einem breiten Lachen im Gesicht: So kennt man Manfred Sommer an der Marburger Universität. Nicht nur als Professor in seinem Fach Informatik, sondern auch als Dekan hat er breite Fußstapfen hinterlassen, wenn er jetzt aufhört. „Ich kann das ja nicht ewig machen“, sagt Sommer. Bereits im Jahr 2010 hatte er aus Altersgründen als Uni-Professor aufgehört, aber danach wurde er noch zwei Mal als Dekan gewählt. Von seinen 30 Dienstjahren war er dann 12 Jahre lang Dekan des Fachbereichs Mathematik und Informatik.

Es war am 1. November 1984, als Sommer als neuer Professor auf Zeit an der Marburger Universität anfing. Der damals 39-jährige studierte Mathematiker kam in einer Pionierzeit des Fachs Informatik und wurde nach zehn Jahren Berufserfahrung in der Forschungsabteilung der Siemens AG als Mann mit Praxiserfahrung geholt, der frischen Wind an die Hochschule bringen und das Nebenfach Informatik aufbauen sollte. Und das gelang schnell. „Es gab eine enorme Nachfrage. Teilweise hatte ich Veranstaltungen mit über 300 Teilnehmern“, erinnert sich Sommer.

Damals hätte es sich Sommer nicht träumen lassen, dass er erst 30 Jahre später seinen Dienst an der Philipps-Universität quittieren würde. Doch aus dem Anfangs-Provisorium wurde nach einigen Jahren der Aufbauarbeit schnell ein Konstrukt auf Dauer, an dem sowohl die Uni-Leitung als auch Sommer immer mehr Gefallen fanden.

Denn die Informatik wurde zu einem Boomfach, und das spätestens Anfang der 90er Jahre mit dem unaufhaltsamen Siegeszug des Internets. „Das hatte ich in meiner Antrittsvorlesung so nicht vorausgesehen“, gesteht Sommer.

Kurz zuvor, im Jahr 1989, hatte Sommer noch einen attraktiven Ruf an die Universität Köln, in Verbindung mit dem dort angesiedelten Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrtforschung abgelehnt. Letztendlich blieb Sommer an der Uni Marburg, auch weil er in den Bleibeverhandlungen erreichen konnte, dass die Informatik auch als Hauptfach an der Uni Marburg etabliert wurde.

Sommer wurde wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Januar 1945 in Amorbach (Odenwald) geboren und wuchs in Frankfurt und im Taunus auf. Das Mathematik-Studium begann er 1964 in Göttingen und beendete es 1969 mit dem Diplom in München. Von 1969 bis 1974 war er an der Uni München wissenschaftlicher Assistent für das damals dort gerade neu gegründete Institut für Informatik, ehe er von 1974 bis 1984 ebenfalls in München in die Industrie wechselte. „Dort war ich einer unter Vielen, in Marburg war ich etwas Besonderes“, begründet Sommer, wieso ihn der Wechsel an die Hochschule so reizte.

Seine jahrelange Aufbauarbeit trägt jetzt Früchte: Das Institut für Informatik ist ein konkurrenzfähiges mittelgroßes Informatik-Institut mit zehn Professorenstellen. Als wissenschaftliche Herausforderungen für die Informatik der Zukunft sieht Sommer die Frage der IT-Sicherheit sowie den Umgang mit den immer größeren Datenmengen.

Zu Sommers Abschied findet am Freitag, 31. Oktober, ab 15.30 Uhr im Hörsaal der Informatik im Mehrzweckgebäude (Lahnberge) ein Abschieds-Symposium statt. Und am Mittwoch, 12. November, hält er ab 18 Uhr seine Abschiedsvorlesung in der Alten Aula der Universität.

von Manfred Hitzeroth

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