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„Der erste Töpfer: Gott der Schöpfer“

Auszeichnung fürs Töpferhandwerk „Der erste Töpfer: Gott der Schöpfer“

Die Volkskunstgilde zeichnete heimischen Töpfer aus. Die Preisträger kommen aus Marburg, Stadtallendorf, Stausebach und Schwabendorf.

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Preisträger, Preisverleiher und Laudatoren: (von links) Eckhard Hofmann, Anneliese Schömann, Manfred Schneider, Thomas
Dunschen, Jutta Owczarek, Emily Guillaume, Landrat Robert Fischbach und Jürgen Homberger.

Quelle: Bernhard Hermann

Marburg. „Der erste Töpfer war Gott der Schöpfer“ oder „Die Schüssel ist von Erd und Ton; du Menschenkind bist auch davon.“ Diese zwei Verse sind Beispiele für das Selbstverständnis der Töpferhandwerkskunst, die im Landkreis Marburg-Biedenkopf noch von wenigen Töpfern in den verschiedensten Techniken der Herstellung und Bemalung ausgeübt wird.

Marburg und Dreihausen waren konkurrierende Zentren der Herstellung von Töpferwaren. Landrat Robert Fischbach und die Vorsitzende der Hessischen Volkskunstgilde, Anneliese Schömann, hoben den Stellenwert des heimischen Töpferhandwerkes hervor, dessen Produkte weit über die Landkreisgrenzen verkauft wurden und noch heute verkauft werden. Das vom Landkreis Marburg-Biedenkopf gestiftete „Hessische Volkskunstsiegel“ würdige die Arbeit der Volkskunstschaffenden, die zum Erhalt alter Volkskunst und altem Brauchtums beitragen.

Die Töpferei Schneider aus Marburg, die Töpferei Owczarek aus Stadtallendorf sowie die Töpferinnen Emily Guilume aus Stausebach und Eva Kleiner aus Schwabendorf wurden ausgezeichnet. Die Laudatoren Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger begründeten die Preisverleihung wie folgt:

  • Das im Jahre 1809 gegründete Marburger Töpferhaus Schneider befindet sich heute noch in Familienbesitz. Töpfermeister Manfred Schneider blieb bis zum heutigen Tag der Herstellung von Gebrauchsgeschirr und Zierkeramik, versehen mit Engobemalerei, verbunden. Die typischen Farben für das Marburger Geschirr sind braun, rotbraun, grün und blau. Die Auflegetechnik perfektionierte die Töpferei Schneider über Generationen. Filigrane Dekore und Ornamente werden aus Ton geformt und anschließend vorsichtig auf dem Gefäß drapiert und erhalten daher ihr charakteristisches und plastisches Erscheinungsbild der Ornamente. Darüber hinaus ist es der Firma Schneider gelungen, auf die Wünsche und Ansprüche der zahlreichen Touristen aus aller Welt einzugehen und mit den entsprechenden Souvenirs zu versorgen.

Uns allen ist das Synonym der Einwohner Marburgs, die „Marburger Dipperchen“ vertraut. Sie wurden im Laufe der Zeit über alle Grenzen hinaus weltweit bekannt. Von ehemals zirka 40 namhaft bekannten Töpfern in Marburg hat es das Töpferhaus Schneider als Einziges seiner Art bis in die Gegenwart geschafft, diese traditionelle Handwerkskunst fortzuführen.

  • nDie Stadtallendorfer Töpferei Owczarek kann auf eine über drei Generationen gehende Töpfertradition in Hessen zurückschauen. Ihr Großvater, der aus dem Sudetenland stammte, übernahm im Jahr 1946 die Töpferei Dörrbecker in Treysa. Seine Tochter Helga Böhm erlernte das Handwerk dann in Marburg bei der bekannten Töpferin Elisabeth Schäfer, wo sie auch ihren späteren Mann Konrad kennenlernte. Mit ihm gründete sie dann im Jahr 1964 die heute noch bestehende Töpferei in Stadtallendorf.

Nach Ausbildung und Ablegung der Meisterprüfung übernahm die heutige Inhaberin Jutta Owczarek im Jahre 1993 zusammen mit Ehemann Thomas Dunschen, den elterlichen Betrieb. Dort fertigen sie ganz traditionell handgetöpferte Geschirre und Zierkeramik, welche mit überlieferter Schlickermalerei dekoriert wird. Ebenso ist die Kunsttöpferei fester Bestandteil des heutigen Warensortiments.

Durch Präsenz auf der internationalen Frankfurter Messe haben sie Kunden im In- und Ausland für sich gewinnen können. Auch bei traditionellen Kunst- und Handwerkermärkten sind sie ebenfalls anzutreffen, um einem breiten Publikum ihre Töpferkunst nahezubringen.

Töpferkunst einem breiten Publikum nahebringen

  • Töpferin Emily Guillaume aus Stausebach stammt aus dem sächsischen Aue und kam über ihre Ausbildungen zur Keramikerin bei der Töpferei Grünert sowie der Töpferei Wirth aus Rauischholzhausen in unsere Region. Töpfer Clemens Wirth vermittelte ihr so die Liebe zur Herstellung des traditionellen Dreihäuser Steinzeugs, welches sie bis heute in ihrer eigenen Werkstatt in Stausebach herstellt.

Fortwährend betreibt sie Formen- und Materialstudien zur Tradition des Dreihäuser Steinzeugs und zur europäischen Keramiktradition. Die von Emily Guillaume angefertigten Stücke werden mit der für Dreihausen typischen Lehm-Glasur versehen. Dieser Lehm wird aus Gruben in Stausebach zutage gefördert. Nach dessen Bearbeitung wird die Glasur weitgehend selbst hergestellt. Das angebotene Sortiment basiert auf dem Formen- und Dekorgut der Keramiken des 14. bis 19. Jahrhunderts aus Dreihausen. Neben der bereits beschriebenen Produktpalette beschreitet Emily Guillaume für unsere Region neue Wege. Sie bietet auch individuell angefertigte Grab­keramiken sowie Urnen an.

  • Töpferin Eva Kleiner übernahm im Jahr 2010 die Traditions-Töpferei Wirth aus Rauischholzhausen und zog auf einen ausgebauten Stall eines Bauernhofes in Schwabendorf. Dort fertigt sie nun zusammen mit einer Kollegin handgedrehtes Steinzeuggeschirr. Dieses wird dann mit einer Feldspatglasur versehen, die in den Farben braun, schwarz, grün und kobaltblau ausfallen kann. Die in Schwabendorf entstehenden Produkte sind breit gefächert. So findet der Kunde vom Kaffeegeschirr über Kannen, Krüge und Schalen noch weitere nützliche Dinge. Im Sommer ist die Töpferei Wirth im ganzen Bundesgebiet auf etablierten Töpfermärkten anzutreffen. In der Adventszeit präsentiert sie sich im heimischen Raum, aber auch in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Weil sie auch während der Verleihung ausstellte, konnte Eva Kleiner das Ehrensiegel nicht persönlich entgegennehmen.

von Bernhard Hermann

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