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Der erste Master-Studiengang wird 10

Friedens- und Konfliktforschung Der erste Master-Studiengang wird 10

Seit dem Wintersemester 2004/2005 bietet die 
Philipps-Universität den Masterstudiengang
„Friedens- und Konfliktforschung“ an.

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Professorin Susanne Buckley-Zistel, Dr. Johannes Maria Becker und Professor Thorsten Bonacker (von links) unterrichten Master-Studenten im Studiengang Friedens- und Konfliktforschung.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Gut 300 Absolventen haben im vergangenen Jahrzehnt ihren Master in Friedens- und Konfliktforschung abgelegt. Die Absolventen arbeiten, so berichtete Professor Thorsten Bonacker, in Ministerien oder bei Nichtregierungsorganisationen, bei Organisationen wie der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, aber auch beispielsweise im Weltläden. „Unsere Studenten haben ein hohes Querschnittswissen und Erfahrung im Projektmanagement“, sagt Privatdozent Dr. Johannes Maria Becker, der Koordinator des Zentrums für Konfliktforschung. „Sie kommen mit einer breiten Palette von Fähigkeiten aus dem Studium und sind für ein entsprechend breites Tätigkeitsspektrum qualifiziert.“

Seit 1996 
Nebenfach-Studiengang

Die Friedens- und Konfliktforschung hat in Marburg eine lange Tradition – schon 1996 war es in Marburg möglich, Friedens- und Konfliktforschung im Nebenfach zu studieren. Eine Gruppe von Hochschullehrern um den Soziologen Professor Ralf Zoll, den Erziehungswissenschaftler Professor Leonhard Froese, den Sozialpädagogen Professor Klaus Rehbein und den Politologen Dr. Johannes Maria Becker entwickelte ein Nebenfach-Curriculum – zum Teil „gegen erheblichen Widerstand an der Uni und in Wiesbaden“, wie sich Becker erinnert. 2001 wurde dann das Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung gegründet.

Dass die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer nach dem Untergang des Warschauer Paktes, dem Jugoslawien-Krieg in den 90er Jahren und dem ersten Irak-Krieg nach dem 11. September 2001 nach umfassenderen Antworten auf komplexe Fragen des Weltfriedens suchte und unter anderem die „Deutsche Stiftung Friedensforschung“ gründete, beschleunigte die Entwicklung eines eigenen Masterstudiengangs: Sie forderte die Universitäten zur Entwicklung von Studiengängen der Friedens- und Konfliktforschung auf und bot eine Übernahme der Personalkosten für eine Übergangszeit – quasi als Anschubfinanzierung. Das Ergebnis: Als eine von vier Hochschulen erhielt Marburg den Zuschlag, der Masterstudiengang Friedens- und Konfliktforschung wurde zum ersten Masterstudiengang an der Philipps-Universität überhaupt und ist inzwischen, so glaubt Professor Bonacker, „profilbildend für die Philipps-Universität insgesamt“.

Dabei muss sich das Fach gelegentlich mit dem Image mangelnder Wissenschaftlichkeit herumschlagen. „Natürlich hat die Friedens- und Konfliktforschung immer eine gewisse Nähe zu politischen Bewegungen und politischen Organisationen“, räumt Becker zwar ein, aber Bonacker ergänzt: „Wir publizieren keine Meinung, sondern belegbare Fakten, Forschungsergebnisse, die mit belegbaren Methoden gewonnen wurden.“
So ist wissenschaftlich unumstritten, dass Waffenlieferungen in Krisengebiete das Risiko von kriegerischen Auseinandersetzungen erhöhen – „es ist aber nicht Sache der Friedens- und Konfliktforschung, daraus Empfehlungen an die Politik abzuleiten“, sagt Bonacker. Und Becker ergänzt: „Wir werden oft genug ohnehin erst gefragt, wenn es zu spät ist.“

Zentrum tut alles, um Bezug zur Realität zu wahren

Anders als anderswo setzt man in Marburg den Schwerpunkt nicht auf Friedens-, sondern auf Konfliktforschung. „Unsere Studierenden erlernen verschiedene Methoden der Konfliktbearbeitung, von Mediation bis Diplomatie“, sagt Bonacker. Zu den prägenden Studienelementen gehören zwei Planspiele, in denen etwa Konflikte fiktiv eskalieren, und die Studierenden sind angehalten, in der Rolle von Nichtregierungsorganisationen Strategien zur Konfliktbearbeitung zu entwickeln.

Dabei tut das Zentrum alles, um den Bezug zur Realität zu wahren: Studierende aus dem Ausland, im Besonderen aus Krisenregionen sind gerne gesehen, und Studienreisen führten den wissenschaftlichen Nachwuchs unter anderem nach Kambodscha, Uganda und Bosnien-Herzegowina.

von Till Conrad

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