Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Der Wolf ist wirklich ein Wolf

Hessische Wolfsbeauftragte hat keine Zweifel Der Wolf ist wirklich ein Wolf

Das am vergangenen Freitag bei Bauerbach überfahrene Tier ist tatsächlich ein Wolf. Davon ist die hessische Wolfsbeauftragte überzeugt.

Voriger Artikel
Braucht Marburg eine „Bleibekultur“?
Nächster Artikel
Aschenbrenner gibt Mandat zurück

Bei dem Tier, das am vergangenen Freitag bei Bauerbach überfahren wurde, handelt es sich mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit um einen Wolf.

Quelle: Land Hessen

Marburg. Noch fehlt das Ergebnis der genetischen Untersuchung durch das Gentechnische Labor für Wildtiere der Senckenberg-Gesellschaft in Gelnhausen.

Susanne Jokisch ist aber sicher: „Das ist ein Wolf, da ist jeder Zweifel ausgeschlossen.“ Jokisch ist die Wolfsbeauftragte der Hessischen Landesregierung und Biologin beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie mit Sitz in Gießen.

Die Wissenschaftlerin hat vor ihrem Urteil das Tier selbst angesehen und ihre Eindrücke abgeglichen mit den Erkenntnissen des Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland im Landkreis Görlitz, das sich intensiv mit den Wolfsrudeln in der Lausitz beschäftigt. „Der gentechnische Beweis ist nur noch der letzte Baustein.“

Solange der nicht vorliegt – und das wird wohl noch mindestens zwei Wochen dauern –, spricht zwar das Umweltministerium in Wiesbaden offiziell nach wie vor von einem „mutmaßlichen Wolf“. Pressesprecher Mischa Brüssel de Laskay sagt aber auch: „Wenn unsere Wolfsbeauftragte das Tier gesehen hat und zu diesem Urteil kommt, wäre es eine große Überraschung, wenn der Gentest ein anderes Ergebnis bringt.“

Expertin: Tier wahrscheinlich aus Harz oder Lausitz

Für Susanne Jokisch steht fest, dass es sich bei dem Wolf von Bauerbach um ein junges Tier im Alter von ein bis zwei Jahren handelt. In diesem Alter trennen sich Jungtiere oft von ihrem Rudel, wenn sie sich nicht der Rangordnung im Rudel einfügen und dem Leittier unterordnen wollen. Dass sie anschließend auch Hunderte von Kilometern alleine zurücklegen, sei keine Seltenheit, sagt Jokisch.

Bislang sind in Hessen keine Wolfspopulationen bekannt. Die größten Wolfsrudel leben im Harz und in der Lausitz. Jokisch hält es führ sehr wahrscheinlich, dass das Tier aus einer dieser beiden Gegenden stammt. Genaueren Aufschluss könne aber erst die genetische Untersuchung des Tieres geben.

Ob der Marburger Wolf identisch ist mit einem Tier, das im März im nordhessischen Söhrewald in eine Fotofalle gelaufen ist, wird wohl auch die gentechnische Untersuchung nicht nachweisen können. Von dem in Nordhessen geblitzten Tier gebe es ansonsten keine gentechnisch verwertbaren Spuren, wie etwa Fellreste oder Kotspuren. Es ist daher zumindest denkbar, dass zwei Tiere in Hessen gelebt haben.

In Hessen ist bislang kein Rudel nachgewiesen

Nach jahrzehntelanger Abstinenz sind Wölfe seit einigen Jahren in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. In Hessen sind aber bislang keine Rudel nachgewiesen. Jokisch hält die Gefahr für den Menschen für gering, selbst im Falle einer Begegnung mit dem sagenumwobenen „Meister Isegrim“. Einer Wildschweinbache mit Jungtieren zu begegnen, sei unter Umständen deutlich gefährlicher.

Auch getötete Tiere in Damwildgehegen in Rheinland-Pfalz müssen nicht unbedingt von Wölfen gerissen worden sein, sagt Jokisch. Sie mache skeptisch, dass Beobachtungen über angebliche Risse durch Wölfe immer erst im Nachhinein mitgeteilt werden – also dann, wenn Berichte über einen mutmaßlichen Wolf bekannt werden.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr