Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Der Wettlauf beginnt

Lokschuppen-Kauf Der Wettlauf beginnt

Nutzungskonzept erst­rangig, Millionenwert zweitrangig: Der Verkaufspreis für den Lokschuppen am Ortenberg soll weniger Gewicht bekommen als andere Faktoren. Das hat der Magistrat entschieden.

Voriger Artikel
Die Demokratisierung kommt voran
Nächster Artikel
„Sanierung wird durch Aufschub nicht günstiger“

Seit dem Kauf der Immobilie vor fünf Jahren investierte die Stadt mehr als 200000 Euro in den Erhalt des einsturzgefährdeten Lokschuppens oberhalb des Hauptbahnhofs. 2017 soll eine Entscheidung über dessen künftige Nutzung fallen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Im Rahmen eines Konzeptausschreibungs-Verfahrens, das nächste Woche dem Bauausschuss vorgelegt wird, werden Angebote nach den Kriterien Denkmalschutz, Architektur, Gestaltung, städtebaulichem Konzept und Art der Nutzung sowie Wirtschaftlichkeit, Realisierungszeitraum und energetischem Konzept bewertet - erst dann kommt der Angebotspreis hinzu.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) stellte kürzlich auch einen möglichen Verkauf für einen Euro in Aussicht. „Mist-Konzepte, die uns zwar mehr Geld aber keinen überlebensfähigen Standort bringen, können nicht das Ziel sein. Ich will nicht, dass eine kluge Idee am Preis scheitert“, sagte­ er. Vor dem „Erlösgedanken“ solle die Frage nach einer baulichen Rettung und einer erfolgreichen Nutzung des Lokschuppens stehen. Das Ausschreibungsverfahren soll am 15. Dezember beginnen, Angebote können bis 31. März 2017 - und damit länger als die einst geplanten sechs Wochen - eingereicht werden. Im Juni­ 2017 soll dann die Stadtverordnetenversammlung über die Umsetzung möglicher Angebote entscheiden.

Das vorher laufende Ausschreibungsverfahren soll nach Magistratsangaben zwei Stufen durchlaufen: Stufe eins ist die Bewertung von Denkmalschutz, Architektur, Nutzungskonzept und Co., in Stufe zwei - bei der dann auch der Kaufpreis eine Rolle spielt - gelangen nur die Angebote, die die Vor-Kriterien erfüllen. Die ­Bewertung aller Angebote soll durch ein Beteiligungsverfahren mittels Auswahlgremium erfolgen, bestehend aus Vertretern von Magistrat, allen Stadtparlaments-Fraktionen, des Denkmalbeirates, des Beirates für Stadtgestaltung, des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege, aus der Stadtverwaltung und den Einrichtungen des Waggonhallenareals angehören. Man wolle im Zuge dessen „nicht von vorneherein Nutzungsarten oder städtebauliche Optionen ausschließen“, heißt es vom Magistrat - damit bleibt auch Wohnungsbau, den Kritiker wie etwa der Lokschuppenverein, die Piratenpartei und die Linke fürchten, eine Möglichkeit. Das Marburger Immobilienunternehmen S+S hatte in der Vergangenheit im Zuge der grassierenden Wohnungsnot sein Interesse am Lokschuppen bekundet.

Ziel: „Identität und Image des Standorts erhalten“

Kauf-Interessenten erhalten nach Angaben der Stadtverwaltung jedenfalls die Möglichkeit, Mitte Januar im Rahmen eines Kolloquiums Rückfragen zu der Ausschreibung und ihrer Angebotserarbeitung zu stellen.

Ziel der Stadt bei der Modernisierung des Lokschuppens ist eine „passende Ergänzung, insbesondere zu den bestehenden soziokulturellen Einrichtungen“, eine Verdrängung der vorhandenen Nutzungen soll vermieden werden. Identität und das Image des Standortes sollen erhalten werden.“

Der Förderverein Lokschuppen, der ankündigte, sich an der Ausschreibung zu beteiligen, will genau das garantieren. Die Vereinsmitglieder ­favorisieren den Umbau zu einem Technikmuseum samt Old­timer-Ausstellungen. Zudem solle die Drehscheibe reaktiviert und wieder an das Bahnnetz angeschlossen werden, um etwa historische Sonderzüge den Lokschuppen anfahren zu lassen - wofür es nach Angaben des Vereins bereits Interessenten gebe. Kostenschätzung: sechs Millionen Euro, die mit Fördergeldern und Investorenhilfe gestemmt werden sollen.

Stimmen Sie hier zum Entscheidungsprozess über die Zukunft ab.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr