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Der Weg, dein Bike und du

Mountainbiken in Marburg Der Weg, dein Bike und du

Für Mountainbiker wie Hannes Kuttler ist Marburg die perfekte Stadt zum Studieren: Egal, wo die Biker in Marburg starten - in fünf Minuten sind sie im Wald und können mit Blick auf die Stadt über Stock und Stein fahren. Bike-Trainer Kuttler zeigt uns seine Hausstrecke.

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Der Marburger Mountainbike-Trainer Hannes Kuttler bei der Abfahrt vom Spiegelslustturm.

Quelle: Thomas Strothjohann

Marburg. Die Testfahrt beginnt mit einem unerwartet anstrengenden Vorspiel: Das vollge­federte Rad, das ich mir leihen will, steht zwar nur 600 Meter Luftlinie von meiner Haustüre entfernt – aber 70 Meter höher. Als ich zehn Minuten zu spät bei Hannes eintreffe, bin ich jedenfalls schon einmal durchgeschwitzt.

Der Marburger Mountainbiker Hannes Kuttler gibt Fahrtechnikkurse an der Uni und auch anderen Bikern, die sich weiterentwickeln können. Marburg ist ein kleines Paradies für Mountainbiker, sagt der 25-jährige Student.

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„Als erstes stellen wir das Mountainbike richtig ein“, sagt Kuttler und macht sich mit seinem Hosentaschenwerkzeug an meinem Sattel zu schaffen. Er soll leicht nach unten geneigt sein und so hoch, dass das Bein fast durchgestreckt ist, wenn es auf dem Pedal steht. Er checkt den Reifen- und Federdruck, die Position der Brems- und Schalthebel und rollt dann los. Vom Südbahnhof geht es direkt in den Wald und die ersten Meter bergauf zu den Hansenhäusern.

Erste Lektion: Richtig über den Bordstein fahren.

Vorderrad vor dem Bordstein hochreißen und dann versuchen, das Hinterrad mit den Pedalen ebenfalls hochzulupfen. „Du kannst auch die Vorderbremse ziehen, wenn das Vorderrad über den Bordstein ist – dann hebt sich das Hinterrad von selbst“, erklärt Kuttler. Klingt logisch, ist aber nicht so leicht umzusetzen, und wer zu stark bremst, fliegt über den Lenker.

Weiter geht es über den Waldweg in Richtung Klinikum. Kuttler hat zwar keine Klingel, grüßt aber freundlich, wenn uns Fußgänger entgegenkommen. „Wenn ich im Wald unterwegs bin, treffe ich so selten Wanderer – der Wald ist groß genug für uns alle. Aber wenn ich Wanderer treffe, mache ich mich frühzeitig bemerkbar und passe mein Tempo an.“ Er ist froh, dass der erste Entwurf des Hessischen Waldgesetzes im letzten Jahr nicht durchgesetzt wurde. Der sah vor, dass Mountainbiker nur noch auf Wegen fahren dürfen, auf denen prinzipiell auch ein Auto fahren könnte. Und spätestens bei der nächsten Übung wird klar, dass Mountainbiken durch dieses Gesetz hinfällig gewesen wäre.

Zweite Lektion: Der Berg ist steiler, als er aussieht.

Vom breiten Weg zweigt ein Pfad ab. Nicht viel steiler als die Rampe, die ich täglich hochfahre, um über die B3 zu kommen. Aber der Pfad hat es in sich. Für Fußgänger wären die Wurzeln, die aus dem Boden ragen, kein Hindernis. Doch mein erster Fahrversuch endet direkt nach der ersten. Das Vorderrad verliert den Bodenkontakt und bevor ich gegen den Baum fahre, steige ich lieber ab. „Du musst die Katze machen – dich weit vorne über den Lenker lehnen und immer weiter treten“, analysiert mein Trainer. Es ist ein komisches Gefühl: Wenn das Fahrrad vorne hoch geht, bringt Lenken gar nichts mehr. Und im kleinsten Gang entwickle selbst ich als Büromensch ein solches Drehmoment, dass das Hinterrad auf dem lockeren Waldboden durchdreht.

Dritte Lektion: Wenn‘s bergab geht – nur Mut!

Wir schlängeln uns durch die Bocksprung-Pfosten des Trimmdichpfades. Üben, in den engen Kurven ohne Fuß auf dem Boden stehen zu bleiben, und fahren dann weiter zum Spiegelslustturm. Kuttler rollt locker neben mir her, während ich mich den Berg hochkämpfe. „Das ist das Tolle beim Mountainbiken: Mit der Auffahrt erarbeitest Du Dir die Abfahrt“, sagt Kuttler voller Vorfreude. „Wenn Du abfährst, gibt es eine Weile lang wirklich nur den Weg, dein Bike und Dich – volle Konzentration. Das ist perfekt, um Runterzukommen!“

Nachdem mein Leih-Bike wieder zu Hause ist, stehen 450 Höhenmeter auf dem GPS-Gerät – und das war die kleine Runde.

von Thomas Strothjohann

Mounatinbiken im Sommersemester 2014

Auch an der Uni gibt es Angebote: Hannes Kuttler bietet dieses Sommersemester drei Kurse an – als Vorbereitung auf die Deutschen Hochschulmeisterschaften. Am 27. Juni fahren die zehn besten Biker der Uni Marburg zur TU Dresden für die Disziplinen Marathon, Enduro und Team Relay. Am 05. und 06. Juli geht es dann zur Hochschule Fulda für die Disziplinen Sprint und Olympisches Cross-Country. Zur Hochschulsport-Seite

Im Blickpunkt: Hannes Kuttler

Hannes Kuttler studiert Deutsch und passenderweise auch Sport auf Lehramt. Der 25-Jährige plant, später auch als Lehrer zu arbeiten. Bis er die Lizenz für die Schule hat, unterrichtet der gebürtige Lemgoer in seiner eigenen Schule und auf Mallorca: Unter mtb-marburg.com bietet er seit Kurzem Einsteiger- und Fortgeschrittenenkurse, sowie Einzel-Coaching für erfahrene Biker an. Auf Mallorca arbeitet der Wahlmarburger in seinen Semesterferien als Trainer bei „Rad International“.

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