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„Der Tumor wird nie alleine betrachtet“

Neuer Leiter des Anneliese-Pohl-Krebszentrums „Der Tumor wird nie alleine betrachtet“

Professor Thomas Wündisch, der neue Direktor des Anneliese-Pohl-Krebszentrums, hat in Marburg bereits als Oberarzt gearbeitet und hat danach in Düsseldorf ein onkologisches Spitzenzentrum aufgebaut.

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Professor Thomas Wündisch (Mitte) ist neuer Direktor des Anneliese-Pohl-Krebszentrums. Dr. Gunter Weiß (links) und Professor Harald Renz haben ihn für die Position gewonnen.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Professor Harald Renz, ärztlicher Geschäftsführer Marburg, und Dr. Gunter Weiß, kaufmännischer Geschäftsführer Marburg, stellten den neuen CCC-Direktor vor. Comprehensive Cancer Center (CCC) kommt aus dem Amerikanischen und steht für Krebszentrum. Wie Wündisch erläuterte, gehe es dabei darum, interdisziplinär zu koordinieren, um den Patienten die für sie bestmögliche Therapie zukommen zu lassen.

Die Onkologie, so Renz, sei einer der Schwerpunkte des Klinikums in Marburg. Tatsache sei es, dass in Deutschland jeder zweite Mensch an Krebs stirbt, auch bedingt durch die alternde Gesellschaft. Und an der Erkrankung hängen laut Renz auch oft Schicksale mit langen Therapien und unklaren Diagnosen.

Zugleich gebe es in der Therapie praktisch in keiner anderen Disziplin eine so rasante Entwicklung, sagte Renz. Er erinnerte an die Partikeltherapie, die verbesserte Strahlentherapie und große Fortschritte bei den Medikamenten und der Chemotherapie.

Und in enger Zusammenarbeit mit Gießen, so Renz, sei Marburg bereits sehr gut aufgestellt, was interdisziplinären Austausch betrifft. So seien für acht von Krebs betroffene Organe bereits Zentren zertifiziert, etwa für Brust, Prostata oder Lunge. „Und jetzt soll das Dach draufgemacht werden“, deshalb sei mit Wündisch ein absoluter Experte geholt worden.

Weiß betonte, dass der Rhön-Konzern für die hauptamtliche Professur auf Wunsch der Fakultät der Universität durchaus Geld in die Hand nehme. Der Vorstand stehe voll dahinter „und es ist eine gute Investition in die Spitzen-Onkologie“.

Der Internist und Onkologe Wündisch habe in Marburg bereits als Oberarzt gearbeitet, erklärt Renz. Nach mehreren Stationen sei er zuletzt in Düsseldorf gewesen und habe es geschafft, dass dort jetzt ein onkologisches Spitzenzentrum sei, „die höchste Auszeichnung“.

Laut Wündisch gibt es davon derzeit 15 in Deutschland, vor allem in Ballungszentren. Marburg und Gießen, so die Beteiligten, können sich in ein bis drei Jahren dafür bewerben. Wenn es eher später werde, so Weiß, sei der Anreiz zu sehen, was geschaffen wurde, umso höher.

Bereits Kooperationen mit 22 anderen Krankenhäusern

Laut Wündisch werden in Gießen und Marburg jährlich 4000 neue Krebspatienten aufgenommen. Und für optimale Therapie sei eine gute Koordination notwendig, das sei seine Aufgabe. „Der Tumor wird nie alleine betrachtet“, betonte er, persönliche Lebensumstände und andere Krankheiten würden berücksichtigt und andere Fachbereiche beteiligt, etwa die Dermatologie bei Nebenwirkungen auf der Haut.

Es gebe eine Vielzahl an Therapien. Die Spezialisten versuchten zusammen mit den Patienten, die beste zu finden.

Von großem Vorteil für die Patienten sei, in klinischen Studien behandelt zu werden, etwa mit neuen Medikamenten, das sei an einem Universitätsklinikum gut möglich.

Im Umkreis von etwa 50 Kilometern gebe es bereits Kooperationen mit 22 anderen Krankenhäusern, um eine wohnortnahe Behandlung zu gewährleisten. Ausbauen will Wündisch die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten. Genutzt werden sollen zukünftig noch mehr moderne Medien. Nur wenn es nicht anders gehe, müssten Patienten in die Uni­klinik.

Generelles Ziel sei es, Spitzenmedizin in die Fläche zu bekommen, verdeutlichte Renz. „Und es entwickelt sich eventuell zu einem Markenzeichen für Marburg und Gießen“, so Weiß. Denn gerade der ländliche Raum, in dem mehr Menschen lebten, als in Ballungszentren, sei da eine Herausforderung.

„Es hilft mir sicher, dass ich viele Jahre hier war und die Kollegen kenne“, sagte Wündisch. „Und ich will auch selbst Patienten sehen, es freut mich immer, wenn ich den weißen Kittel anziehen kann.“

Und das wolle er im Sinne der Patienten bei klinischen Studien auch tun. Besonders Lungenkarzinome und gynäkologische Tumore gehörten zu seinen Spezialgebieten.

von Heiko Krause

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