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Der Plan vom vollen Beet

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Den stinkenden Knoblauch als Nachbarn? Nicht jedes Gemüse verträgt sich mit jedem anderen. Auch der falsche "Vormieter" im Beet kann die Ernte mindern.

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Mit einer guten Planung lässt sich Jahr für Jahr reichlich Gemüse aus den eigenen Beeten ernten.

Quelle: Peter Kneffel

Marburg. Die Drei-Felder-Wirtschaft ist ein uraltes Prinzip der Landwirtschaft, mit dem Generationen von Bauern sicherstellten, dass sie einen gleichbleibenden Ertrag auf ihren Feldern erzielten - ohne den Boden auszulaugen. Ihm zugrunde liegen Überlegungen zur Fruchtfolge, also einem Plan, der einen möglichst erfolgversprechenden Wechsel zwischen Wintergetreide, Sommergetreide sowie einer Brache vorsah.

Auch im Gemüsegarten ist das Wissen um die passenden Nachbarn und geeignete Nachfolger auf den Beeten von großem Vorteil. Mit einer optimalen Kombination können gleich mehrere Vorteile erzielt werden. Die Beete können zum einen länger genutzt werden, gleichzeitig kann auf den Einsatz von Spritzmitteln und das mühsame Unkrautjäten ganz oder zumindest teilweise verzichtet werden.

Unkraut für die Schnecken und gegen das Austrocknen

Nach dem Winter hat sich auf den Gemüsebeeten allerhand Unkraut ausgebreitet. Das ließe sich jetzt vergleichsweise leicht jäten, denn die Wurzeln hatten noch keine Gelegenheit, in die tieferen Regionen der Beete vorzustoßen. Ein blankes Beet macht zwar im April optisch etwas her, es ist gewissermaßen die dunkelbraune Aufforderung, demnächst bepflanzt zu werden. Andererseits neigt es aber dazu, sich ohne unser Zutun in kurzer Zeit wieder zu füllen - mit Gras, Sauerampfer, Löwenzahn und Vogelmiere. Und die Nährstoffe eines unbegrünten Beetes werden vom Regen leichter ausgewaschen.

Die Alternative wirkt unordentlich, hat aber Vorteile: Gejätet wird erst dann, wenn tatsächlich gepflanzt wird und auch dann nur soviel, dass die jungen Gemüsepflanzen genügend Platz haben. Auf den sonst freien Flächen dazwischen erhalten die Unkräuter noch eine Gnadenfrist. Sie bieten den unweigerlich anrückenden Schnecken eine gesunde Alternative zum jungen Gemüse. Gejätet wird jedoch alles, was zu blühen beginnt, denn aussäen sollen sich Löwenzahn und Co. auch nicht. Werden die Gemüsepflanzen größer, muss das unerwünschte Beikraut nach und nach ganz weichen. Bis dahin aber darf es den Boden auch deshalb bedecken, damit der nicht so schnell austrocknet.

Möhren und Spinat, die direkt ins Beet gesät werden, bekommen dafür natürlich unkrautfreie Korridore. Radieschen und Salate gehören zu den Sprintern im Gemüsebeet. Sie sind deshalb eine ideale Vor- oder Zwischenkultur, mit ihnen lassen sich auch vorhandene Lücken schließen, etwa zwischen den noch kleinen Kohlpflänzchen, die sich erst später im Sommer zu ganzer Größe entwickeln.

„Vielfraße“ im Wechsel mit den „Hungerhaken“

Dort, wo wir im vergangenen Jahr Kohl angebaut haben, folgt in diesem Jahr etwas anderes, etwa Möhren oder Zwiebeln. So bannen wir die Gefahr, dass sich Kohlhernie, eine parasitäre Pflanzenkrankheit, im Boden ausbreitet. Die Möhren sind wiederum für die Nachbarschaft der Zwiebeln dankbar, weil deren Duft der Möhrenfliege ziemlich stinkt und diese sich lieber eine andere Karottenreihe sucht und die „bezwiebelten“ Möhren dafür wurmfrei bleiben.Der Kohl gehört wie Gurken, Auberginen, Kartoffeln, Kürbis, Lauch, Melonen, Sellerie, Tomaten und Zucchini zu den Starkzehrern, die besonders viel Nährstoffe benötigen.

Die für sie vorgesehenen Flächen werden deshalb schon im Herbst mit einer ordentlichen Portion Kompost und einer anschließenden Gründüngung versehen. Damit sich der Boden im Anschluss an Kohl und Co. gut erholt, bieten sich Mittelzehrer wie Endivien, Fenchel, Knoblauch, Kohlrabi, Mangold, Möhren, Spinat, Paprika, Porree, Radieschen, Rettich, Rote Beete, Salat, Schwarzwurzeln, Stangenbohnen und Zwiebeln als Nachfolger an.

Im dritten Jahr könnten die Schwachzehrer wie Buschbohnen, Erbsen, Erdbeeren, Kräuter, Kresse, Puffbohnen und Portulak folgen. Der gleichfalls zu den Schwachzehrern zählende Feldsalat wird erst im Spätsommer oder Herbst auf die abgeernteten Beete ausgesät und den Winter über bis ins Frühjahr geerntet.

Zu einer guten Planung gehört auch, den Platzbedarf einer Pflanze zu berücksichtigen. Die Starkzehrer Kürbis und Zucchini fänden in einem Hochbeet sicherlich ausreichend Nährstoffe - spätestens im August hätte ein einziger Kürbis allerdings das komplette Hochbeet vereinnahmt. Deshalb ist der Rand des Komposthaufens der richtige Ort für diese Wucherer.

Den Stangenbohnen wiederum gehört der Nordrand der Beete, weil sie hier keinem Nachbarn das nötige Sonnenlicht nehmen können. Dort wo die ersten Kohlrabi, Spinat und Radieschen geerntet worden sind, kann problemlos im gleichen Jahr noch Salat groß gezogen werden.

Grundsätzlich eignen sich Mischkulturen für den Gemüsegarten. Sie mindern das Risiko durch Schädlingsbefall wie im Beispiel der Möhren. Ein ganzes Feld voller Weißkohl ist für den Kohlweißling das Paradies. Zwischen Bohnen, Lauch, Möhren und Zwiebeln aber kann ein Weißkohl oder Wirsing schon mal unentdeckt bleiben. Allerdings mag auch nicht jedes Gemüse jeden essbaren Nachbarn (siehe Kasten).

von Frank Rademacher

 
Tipp
Für eine gute Fruchtfolge unterteilt man die Beete dauerhaft in Dreier-Bereiche und legt von diesen einen Plan an. In Bereich eins werden im ersten Jahr Starkzehrer, im Bereich zwei Mittelzehrer und im dritten Bereich die Schwachzehrer gepflanzt. Jahr für Jahr rücken dann alle einen Bereich weiter.
 
Unliebsame Nachbarn

Schlechte Nachbarn gibt es auch im Gemüsebeet – sie mögen sich gar nicht:

  • Blumenkohl: Kartoffeln, Kohl, Schnittlauch, Knoblauch, Porree, Zwiebeln
  • Buschbohnen: Erbsen, Fenchel, Lauch, Knoblauch, Zwiebeln
  • Erbsen: Bohnen, Kartoffeln, Lauch, Knoblauch, Tomaten, Zwiebeln
  • Erdbeeren: Kohl
  • Gurken: Kartoffeln, Radieschen, Rettich, Tomaten
  • Kartoffeln: Erbsen, Gurken, Kohl, Rote Beete, Sellerie, Tomaten, Zwiebeln
  • Kohl: Erdbeeren, Kartoffeln, Knoblauch, Senf, Zwiebeln
  • Kopfsalat: Petersilie, Sellerie
  • Lauch: Bohnen, Erbsen, Rote Beete
  • Möhren: Rote Beete
  • Porree: Bohnen, Erbsen, Rote Beete
  • Rote Beete: Kartoffeln, Lauch, Möhren, Porree, Spinat
  • Tomaten: Erbsen, Fenchel, Kartoffeln, Gurken
  • Zwiebeln: Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Kohl, Radieschen
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