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Der Pfleger-Mangel erreicht Marburg

Arbeitsmarkt Der Pfleger-Mangel erreicht Marburg

In der Pflege von Senioren geht die Stadt mit der Einrichtung in Cölbe neue Wege. Das Problem: Die Marburger Altenhilfe findet nicht genügend Pflegekräfte.

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Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Universitätsstadt ist kein Einzelfall. In ganz Hessen und in weiten Teilen Deutschlands klagen Städte und Kommunen über den Fachkräftemangel. Dies gilt für den gesamten Pflegebereich. Von Krankenhaus bis Altenheim. „Schreiben wir im Pflegebereich Stellen aus, dann ist der Rücklauf dünn“, sagt Jörg Kempf, Geschäftsführer und Heimleiter der Marburger Altenhilfe.

„Wenn sich jemand am Rudolphsplatz ein Schild um den Hals hängt, auf dem Pflegekraft steht, hat er in fünf Minuten einen Job“, sagt er zugespitzt. So weit hergeholt ist das Bild nicht. Die Ansprüche an die altersgerechte Versorgung steigen, die entsprechend qualifizierten Kräfte sind Mangelware - und entsprechend heißbegehrt auf dem Markt. Besonders bei einem Projekt, wie es die Altenhilfe in Cölbe plant. 80 Menschen haben in dem Neubau Platz, bisher sind 30 Senioren eingezogen.

Das Konzept - die Bewohner leben in Wohngemeinschaften zusammen - erfordert Erfahrung. Frisch Ausgebildete sind nicht zwingend geeignet. Kempf verweist auf die Durchmischung mit jungen und erfahrenen Mitarbeitern. „Es bringt nichts, wenn wir jetzt ein Strohfeuer anzünden. Das ist nicht nachhaltig“, sagt der Marburger Geschäftsführer Jörg Kempf. Das sieht auch Marburgs Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Altenhilfe, Egon Vaupel (SPD), so. „Die Akquise von Bewohnern ist nicht so schwer wie die Akquise von Fachkräften.“ Der Markt sei leer. Damit haben die städtischen Einrichtungen zu kämpfen. Ebenso das Uniklinikum.

Der Weg, der in Cölbe beschritten werde, sei aber der richtige. Es benötige schlichtweg Vorlaufzeit, um die maximale Belegung zu erreichen. Bisher wohnen 30 Menschen in Cölbe. 80 sollen es werden. Kempf visiert den September diesen Jahres an. Vaupel spricht von Winter. Die Verzögerung kostet die Stadt knapp 250000 Euro. Geld, das im Haushalt für dieses Jahr veranschlagt ist. „Cölbe hat ein neues, modernes, zukunftsweisendes Konzept der Hausgemeinschaften. Die Anfragen sind da. Es fehlt einzig das Personal.“

Und um das zu finden, zeigt sich die Geschäftsführung der Altenhilfe ähnlich kreativ. So suchen sie auch nach Fachkräften aus dem Ausland. Aktuell stehen die Spanier im Fokus. Im eigenen Land herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit (55 Prozent der 15- bis 24-Jährigen haben keinen Job), viele versuchen ihr Glück in Deutschland. „Wir öffnen uns in alle Richtungen. Ob Spanien oder Ungarn oder wo auch immer her. Wir setzen uns mit diesen Optionen intensiv auseinander“, sagt Jörg Kempf. Aber auch intern bekämpft die Altenhilfe den Pflegermangel. Kempf betont die Bedeutung der Auszubildenden, die sich den speziellen Anforderungen stellen wollen.

Der öffentliche Träger legt dabei auch großen Wert auf die Überwindung von sprachlichen Barrieren. Intensivkurse sind ebenso fester Bestandteil. „Das bundesweite Problem hat Marburg erreicht“, sagt Kempf. Nach und nach sollen nun neue Wohngemeinschaften gegründet werden. „Wenn wir im September vollbelegt sind, wäre das richtig gut.“ Experten rechnen gerade wie neue, unbekannte Projekte und Wohnformen wie in Cölbe mit einer Vorlaufzeit von zwei Jahren, ehe alle Wohnungen bezogen sind. „Das ist ein Prozess, dem wir uns stellen müssen.“ Erfahrungswerte aus der Arbeit der vergangenen Jahre geben Orientierungspunkte. Und es gibt Rückendeckung aus dem Rathaus. Egon Vaupel: „Wir sind in Cölbe auf dem richtigen Weg.“

von Carsten Bergmann

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