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Der Parkscheinautomat will ihn nicht

Der neue Zehner Der Parkscheinautomat will ihn nicht

Seit Dienstag werden in Europa 4,3 Milliarden neue 10-Euro-Scheine in Umlauf gebracht. Diesmal soll die Einführungreibungsloser verlaufen als beim neuen Fünfer vor anderthalb Jahren. Unser Praxistest zeigt jedochetwas anderes.

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Ein Verbraucher versucht mit einem neuen 10-Euro-Schein an einem Parkschein-Automaten zu bezahlen.

Quelle: Federico Gambarini

Marburg. Seit Dienstag werden in Europa 4,3 Milliarden neue 10-Euro-Scheine in Umlauf gebracht. Diesmal soll die Einführungreibungsloser verlaufen als beim neuen Fünfer vor anderthalb Jahren. Unser Praxistest zeigt jedoch etwas anderes.

„Sie sind die erste Person, die damit bezahlt“, sagt die Verkäuferin im Süßwarengeschäft Hussel, nachdem wir ihr den neuen 10-Euro-Schein über den Tresen gereicht haben. Kein Wunder: Erst seit Dienstag wird der neue 10-Euro-Schein an Kassenschaltern, Ladenkassen und Geldautomaten ausgegeben. Die meisten Menschen, die wir für unseren Praxistest auf der Straße ansprechen, haben den neuen Zehner also noch nicht gesehen, jedoch schon viel darüber gehört und gelesen.

„Der soll eine andere Farbe haben“ und „irgendwie sicherer sein“, wissen sie. Als wir ihnen den neuen Schein in die Hand drücken, fällt vielen auf, dass er sich „grober“ und „griffiger“ anfühlt. Auch die Druckfrische bleibt nicht unbemerkt. „Er fühlt sich einfach neuer an“, sagt eine junge Frau. „Irgendwie so wie Spielgeld.“

 

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
   
 
 

 

Neue Sicherheitsmerkmale nicht gleich erkannt

„Ich glaube, den hätte ich verwechselt“, gibt ein Mann, der sich gegen sein Fahrrad lehnt, ehrlich zu. „Man guckt als Normalverbraucher ja eh nie so genau hin beim Bezahlen. Ob er gefälscht ist oder nicht, würde ich nicht merken.“ Ähnlich sehen das auch zwei holländische Touristen, die wir in der Oberstadt treffen: „Man zahlt ja fast alles mit Plastikkarte heutzutage.“

Außerdem erwarte man beim Bezahlen, dass man normalerweise echtes Geld zurück bekomme.

Als wir den alten 10-Euro-Schein neben den neuen halten, fallen den meisten Befragten dann aber doch mehr Details auf: „Die Linien an der Seite“ und „die grüne Zahl da unten ist neu.“

Gemeint sind die erhabenen Linien an den Rändern und die smaragdfarbene Wertzahl in der unteren linken Ecke des neuen Zehners, auf der sich, wenn man den Schein kippt, ein Lichtbalken auf und ab bewegt - nur zwei der neuen Sicherheitsmerkmale mit denen die Europäische Zentralbank mehr Sicherheit schaffen will.

Zu den Sicherheitsmerkmalen gehört auch das Porträt, das nun gut sichtbar im Hologramm erscheint. Bloß, „wer ist das eigentlich?“, fragt ein älterer Herr, als er den Schein gegen das Licht hält. „Sieht irgendwie mittelalterlich aus“, sagt eine junge Frau. „Ein Heiliger vielleicht?“, fragt ihre Freundin ratlos. „Jedenfalls jemand, der schon vor sehr langer Zeit gestorben ist“ - da ist sich das holländische Ehepaar sicher. Die mythologische Frauenfigur Europa, welche die Namensgeberin des Kontinents und der zweiten Euro-Generation seit Einführung des gemeinsamen europäischen Bargelds, der „Europa-Serie“ ist, wird tatsächlich nur von einer einzigen Person erkannt.

Als vor einem Jahr der neue Fünf-Euro-Schein eingeführt wurde, konnten viele Deutsche an Parkscheinautomaten nicht zahlen, standen hilflos vor Zigarettenautomaten oder konnten sich keinen Fahrschein ziehen. Der Grund: Die neue Banknote wurde von vielen Automaten nicht erkannt, weil sie andere Sicherheitsmerkmale hatte.

10-Euro-Schein bereitet im Parkhaus Probleme

Das sollte mit dem neuen 10-Euro-Schein eigentlich anders laufen. Die hessische Präsidentin der Bundesbank Diana Rutzka-Hascher versicherte noch letzte Woche bei der Vorstellung des neuen 10-Euro-Scheins: „Wir gehen davon aus, dass die Inumlaufbringung diesmal reibungslos vonstatten geht.“ Grund dafür sei, dass die neuen 10-Euro-Scheine den Automatenbetreibern bereits neun Monate vor der Einführung zur Verfügung gestellt wurden. Insgesamt hatten sie diesmal also mehr Zeit, die Geräte entsprechend vorzubereiten als beim 5-Euro-Schein, der nur vier Monate vor seiner Einführung in einem Zentrum der Bundesbank getestet wurde.

Am Marburger Hauptbahnhof versuchen wir mit dem neuen Zehner ein Bahnticket bis zum Südbahnhof für 2,10 Euro zu bezahlen. Es klappt auf Anhieb. Der Schein wird vom Fahrkartenautomaten wird erkannt.

Am Parkscheinautomaten im Parkhaus am Pilgrimstein jedoch läuft die Bezahlung nicht so reibungslos. Als wir unser Parkticket mit dem neuen Schein bezahlen wollen, spuckt dieser ihn, egal wie man ihn dreht, immer wieder aus. Uns bleibt nichts anderes übrig, als auf den alten Schein zurückzugreifen.

Betreiberfirmen vor zwei Wochen benachrichtigt

Pascal Barthel, Pressesprecher der Stadtwerke Marburg, die das Parkhaus in der Oberstadt und am Marktdreieck betreiben, sagte auf Anfrage der OP, dass man von diesem Problem „noch nichts mitbekommen habe.“ Er erklärte: „Wir befinden uns noch im Umstellungsprozess. Da kann so was mal passieren.“

Allerdings habe man sich gerade in Hinblick auf die Probleme, die bei der Einführung des neuen 5-Euro-Scheins vor über einem Jahr aufgetreten sind, frühzeitig darum gekümmert, dass es diesmal funktioniere. Bereits vor zwei Wochen wurden daher Automatenbetreiberfirmen benachrichtigt, sodass diese Scan- und Lesegeräte auf die neuen Erkennungsmerkmale einstellen und aktualisieren konnten. Um das Problem am Pilgrimstein werde man sich kümmern.

von Ruth Korte

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