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Der Neofaschismus und seine Wurzeln

Ausstellung in Marburg Der Neofaschismus und seine Wurzeln

Oberbürgermeister Egon Vaupel eröffnet am Montag im Rathaus die Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“.

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Neonazis versammeln sich am 16.07.2011 in Gießen zu einer Demonstration.

Quelle: Rolf Wegst, dpa

Marburg. Die Ausstellung ist bis zum 21. März im Rathaus zu sehen. Sie beleuchtet den Rechtsextremismus und Neofaschismus in Deutschland.

Zusammengestellt von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschisten (VVN-BDA) und unterstützt von Verdi informiert sie auf 26 Tafeln über Ideologie und Praxis des Neofaschismus und benennt Ursachen für die Ausbreitung rassistischen, nationalistischen und militaristischen Denkens und Handelns.

Die VVN Marburg und der „Antifaschistische Ratschlag“ haben diese Ausstellung nach Marburg geholt, die schon in zahlreichen Städten Deutschlands gezeigt worden ist. „Wir wollen mit der Ausstellung auch eine Gesprächsatmosphäre schaffen, in der sich Besucher austauschen können über rechtsextreme Netzwerke“, sagt Eva Gottschaldt vom Veranstalter.

Die lokalen Veranstalter bieten zwei öffentliche Führungen am Donnerstag, 13. März, 13 Uhr, und Dienstag, 18 März um 15 Uhr an. Weitere Führungen sind auf Anfrage möglich (Kontakt: ratschlag-marburg@web.de). Für Schulklassen gibt es ein Begleitmaterial.

Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit inhaltlichen Parallelen zwischen neofaschistischen, rechtskonservativen und rechtspopulistischen Argumentationsmustern. „Auch demokratische Politiker knüpfen immer wieder an Vorurteilen gegenüber bestimmten Menschengruppen an und eröffnen Neofaschisten dadurch handlungsspielräume“, heißt es in dem Ausstellungskatalog. In diesem Zusammenhang werden Aussagen etwa von Roland Koch, Thilo Sarrazin oder Guido Westerwelle zitiert.

In anderen Städten hat dies teils für Empörung gesorgt, und auch in Marburg protestierte die CDU-Fraktion im Stadtparlament Freitag vor einer Woche gegen die Auslage eines Flyers, der auf die Ausstellung hinweist und in dem die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, abgebildet ist. Marburgs CDU-Chef Matthias Range sagte am gestrigen Freitag aber der OP, er wolle die Ausstellung zunächst persönlich besichtigen, ehe er über weitere Schritte nachdenke.

Übereinstimmungen in neofaschistischen und populistischen Argumentationsmustern werden im Begleitprogramm der Ausstellung auch in einem Vortrag thematisiert. Am Mittwoch, 19. März, spricht Philipp Becher ab 19 Uhr über „Populismus - der harmlose Neofaschismus, der schrille Konservatismus oder ...?“

Eröffnet wird die Ausstellung am Montag um 19 Uhr im Rathaus von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Er hält dies für eine „Selbstverständlichkeit“ und betont das politische Klima in Marburg, das es ermögliche, auch kontroverse Themen in Sachlichkeit zu demonstrieren.

Außerdem wird am Montag Dr. Ulrich Schneider einen Einführungsvortrag zum Thema „Einführung Neofaschismus in der Bundesrepublik“ halten. Historiker Schneider, der an der Uni Marburg promovierte und in den 80er Jahren einige Schriften zur Marburger Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus veröffentlichte, ist Bundesvorstandsmitglied der VVN-BdA und Geschäftsführer der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR). „Im Rahmen der Aufklärungsarbeit hat diese Ausstellung eine große Bedeutung“, schreibt Schneider im Vorwort zum Ausstellungskatalalog. „Sie benennt und dokumentiert Tendenzen und Netzwerke des Neofaschismus und zeigt damit, warum es auch heute und morgen notwendig bleibt, wachsam gegen jede Form neofaschistischer Propaganda und Politik zu sein.“

Die Ausstellung umfasst im Übrigen nicht die Darstellung, Analyse und Aufarbeitung des neofaschistischen Terrors durch die NSU. Eva Gottschaldt deutete aber an, dass dies in einer neuen Auflage der Ausstellung geschehen soll.

Doch ist der NSU-Terror Thema eines weiteren Vortrags von Gerd Wiegel im Verlauf der Ausstellung.

Der Politologe, der wie Schneider in Marburg promovierte, arbeitet als Referent für Rechtsextremismus und Antifaschismus für die Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag und beobachtet in dieser Funktion den NSU-Prozess. Am Donnerstag, 13. März, spricht er ab 19 Uhr über das Thema „NSU - Untersuchungsausschuss - Prozess“.

von Till Conrad

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