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Der Marathon-Mann der Universität

Professor Siegfried Bien Der Marathon-Mann der Universität

Der Marburger Neuroradiologe Professor Siegfried Bien mischt seit ­Mitte der 90er Jahre in der Hochschulpolitik mit.

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Professor Siegfried Bien bei der Zielankunft nach mehr als 500 Kilometern auf der Fahrt zwischen Trondheim und Oslo. Privatfoto

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Marburg. Wenn er etwas macht, dann macht er es richtig. Der gebürtige Schwabe hat sich in diesem Sinne neben seinem Beruf als Leiter der Neuroradiologie am Marburger Uni-Klinikum voll und ganz der Universitätspolitik verschrieben. Bereits ein Jahr nach seiner Berufung an die Marburger Universität startete der Professor im Jahr 1996 seine hochschulpolitische Karriere als Mitglied im Marburger Uni-Konvent - dem Vorläufer des jetzigen Uni-Senats als „Parlament“ der Philipps-Universität. Und seit der ersten Sitzung des „neuen Senats“ im Jahr 2001 ist Bien als Listensprecher der größten Professorenliste „Unabhängigen Hochschullehrer“ Mitglied im Uni-Senat.

Dass er sich so ausdauernd in der Uni-Politik engagiert, ist für den 61-Jährigen nach eigenen Angaben selbstverständlich. „Ich habe mich schon immer eingemischt“, erzählt Bien im Gespräch mit der OP. Das fing bei dem Mediziner schon in seiner Schülerzeit als Klassensprecher an. Den Zeiten des Uni-Konvents, der 90 Mitglieder hatte und öffentlich in großen Hörsälen wie dem Audimax tagte, trauert Bien nicht nach. „Dieses Riesengremium, das zweimal pro Semester tagte, war im Prinzip nicht arbeitsfähig“, meint Bien. Denn das eigentlich formal starke Uni-Parlament habe sich durch seine Größe und viele Streitereien häufig blockiert.

Der jetzige Senat hat sehr viel weniger Mitglieder als das Vorgänger-Gremium und hat verglichen mit dem Uni-Präsi­dium weniger Macht. Geblieben sei heutzutage fast nur noch die Überwachung des Uni-Haushaltes und das Recht, einen nicht mehr gewollten Uni-Präsidenten mit Zwei-Drittel-Mehrheit abzuwählen. Dennoch sieht Bien auch positive Aspekte in der Senatsarbeit: So sei nach einer Periode der größeren Auseinandersetzungen vor einigen Jahren heutzutage ein sehr viel zielorientierteres Arbeiten möglich. „Die Ränke-spiele und Machtbeweise brauchen wir nicht mehr“, sagt Bien.

Mehr als 500 Kilometer in 34 Stunden auf dem Rad

Als Sprecher der Liste „Unabhängige Hochschullehrer“ ist der Neuroradiologe hauptverantwortlich dafür, dass seine Professorenliste deutlich mehr Kandidaten für die Kandidatenlisten zu den turnusmäßigen Senatswahlen zusammenbekommt als die Konkurrenzliste „Demokratische Initiative“.

Mit seinem einnehmenden Wesen und einer gehörigen Portion Überzeugungskraft hat Bien das in den vergangenen Jahren sehr überzeugend geschafft. Im Uni-Senat, den er entscheidend mitgeprägt hat, fällt der Schwabe vor allem durch seine pointierten, manchmal zugespitzten, aber meistens witzigen Wortbeiträge auf.

Nach wie vor macht ihm das Dasein als „Uni-Parlamentarier“ richtig Spaß. „Ich habe noch keine Ermüdungserscheinungen“ verrät Bien. Er befürwortet aber auch, dass es im Uni-Senat immer wieder Neulinge und nicht nur „Dauer-Parlamentarier“ wie ihn gibt.

Die Ausdauer, die er als Uni-Senator seit Anfang des Jahrtausends beweist, zeigt Bien übrigens auch als passionierter Ausdauersportler. Seit 2004 hat er bereits 26 Marathonläufe erfolgreich absolviert und dabei mit 3 Stunden und 46 Minuten auch seine persönliche Vier-Stunden-Schallmauer unterboten. Besonders stolz ist er über eine andere Ausdauerleistung, die er vor wenigen Wochen vollbracht hat: Die Rede ist von der erfolgreichen Teilnahme an der Radfernfahrt Trondheim-Oslo in Norwegen, mit der er sich einen Jugendtraum erfüllte.

Für die Mammut-Tour, die immer ab dem ersten Freitag nach dem längsten Tag des Jahres über 540 Kilometer führt, benötigte Bien eine Fahrtzeit von 34 Stunden, 10 Minuten und 31 Sekunden. In dieser Zeit schlief er insgesamt nur drei Stunden und verbrauchte zwei Stunden für Nahrungsaufnahme und kleinere Fahrtpausen.

„Es war sehr hell und teilweise sehr kalt“ berichtet Bien über die Faktoren, die ihm geholfen hätten, diese besondere Ausdauer-Leistung zu schaffen. „Und irgendwann war es nur noch eine Kopfsache.“

von Manfred Hitzeroth

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