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Der Kilian am Schuhmarkt - Gebäude mit „unglaublicher Geschichte“

Lieblingsplatz der Marburger Gästeführer Der Kilian am Schuhmarkt - Gebäude mit „unglaublicher Geschichte“

Der Kilian am Schuhmarkt ist die älteste Kirche der Stadt. Gästeführerin Kerstin Weigel ist von dem Gebäude und seiner Umgebung fasziniert.

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Kapelle, Waisenhaus und Schule: Der Kilian in der Marburger Oberstadt ist eine historische Stätte, die eng mit der Geschichte Marburgs verknüpft ist.

Quelle: Foto: Nadine Weigel

Marburg. „Der Kilian ist für mich ein Gebäude mit einer unglaublichen Geschichte, die von der Gründung Marburgs bis heute reicht“, sagt Gästeführerin Kerstin Weigel.

Als der Kilian erbaut wurde, war das Schloss das älteste Gebäude der Stadt. „Der Kilian ist der Kern für die Entstehung des Marktfleckens“, erzählt Kerstin Weigel. Da Marburg wichtige Handelsstraßen hatte, haben sich die Menschen dort niedergelassen. „Eine Kirche gehörte dazu, und um sie herum siedelten sich die Menschen an“, so die Gästeführerin.

Landgraf Philipp widmet Kirche um

Doch der Kilian blieb kein Gotteshaus. Nach Einführung der Reformation widmete Landgraf Philipp der Großmütige 1527 die Kirche um, sodass sie für weltliche Zwecke genutzt werden konnte.

„Man hatte die Stadtwaage darin untergebracht, und die Schuhmacherzunft mietete den Chorraum“, erzählt Kerstin Weigel.

Mitte des 16. Jahrhunderts gab es eine große Flut durch die Lahn und die Weidenhäuser Brücke wurde zerstört. „Da der Kilian keine Kirche mehr war, hat man vom Ostturm Steine genommen und die Brücke in Teilen wieder aufgebaut“, so Kerstin Weigel. Im 17. Jahrhundert wurde der Kilian als Waisenhaus und Schule genutzt. Ab 1910 war die Stadtpolizei im Kilian. Später diente er als Quartier für die Gestapo.

Heute wohnen dort Studenten

Schließlich hatte das Deutsche Grüne Kreuz dort seinen Sitz, heute sind Studentenwohnungen dort untergebracht. „Man sieht dem Gebäude nicht an, dass es mal eine Kirche war“, sagt Kerstin Weigel.

Aber einen Hinweis gibt es doch noch. Das Westportal, das früher der Haupteingang war. Treppen gibt es nicht mehr. Der Eingang wurde zum Teil vermauert. Was für Marburg eher selten ist: „Das Westportal ist romanisch“, so Kerstin Weigel. Noch erkennbar ist, dass sich der Bauherr über dem Eingang verewigt hat. Dort ist zu lesen „Godescale me fecit“, zu deutsch „Godescale hat mich gemacht“. „Das Gebäude zeugt von den Anfängen der Stadt bis hin zu dem, was uns heute dominiert - Studenten.“ Bei ihren Führungen erzählt Kerstin Weigel die Geschichte der Stadt gern anhand des Kilians. Seit 17 Jahren führt die 48-Jährige Gäste durch die Stadt.

„Ich lerne immer neue Menschen kennen, oft erfahre ich auch von ihnen etwas über Marburg, das ich noch nicht wusste.“ Und so macht ihr der Job Riesenspaß. Tendenz steigend, wie sie sagt.Ein halbes Jahr dauerte die Ausbildung, einschließlich Prüfung.

In der Grundausbildung befassen sich die künftigen Stadtführer mit der Elisabethkirche, dem Schloss, der Alten Universität und der Altstadt. Spezialisierungen auf ein Gebiet folgen später.

von Heike Horst

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