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Der Kampf um das „Blaue Gold“

Wasser-Aktivistin Dr. Maude Barlow Der Kampf um das „Blaue Gold“

Die Trägerin des Right Livelihood Award 2005 machte in Marburg Halt und hielt vor 100 Zuhörern einen appellierenden Vortrag im Rathaus zum Thema „Menschenrecht auf Wasser“.

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Mit Trinkwasser darf nach Dr. Maude Barlows Ansicht nicht gehandelt werden.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Die Kunde erreichte Dr. Maude Barlow am Montag um 12.17 Uhr, als sie sich beim Pressegespräch bei den Stadtwerken Marburg befand: Die belgische Region Wallonien hat das Freihandelsabkommen Ceta abgelehnt. Barlow prüft den Nachrichtenticker ihres Handys. Kurz darauf beginnen ihre Augen zu leuchten.

Barlow ist selbst Kanadierin, und die Nachricht, dass das Freihandelsabkommen zwischen den EU-Staaten und Kanada zumindest in Belgien vor dem Aus steht, ließ ihre Augen aufleuchten. „Ich habe acht Jahre auf diesen Tag hingearbeitet. Es ist ein großartiges Gefühl“, sagte die Frau aus der kanadischen Hauptstadt Ottawa.

Laut ihr bergen Abkommen wie Ceta die Gefahr, dass Konzerne entgegen der UN-Menschenrechtsbestimmung ungestraft mit Wasser Handel treiben und eine Ressource, die Barlow als „Allgemeingut“ ansieht, der „Profitgier“ beziehungsweise Privatisierung unterworfen werde. Für Barlow ein „Horror-Szenario“.

Daher brachte sie in Zusammenarbeit mit 34 Staaten 2010 die UN-Charta zum Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung auf den Weg. An Wallonien solle sich Sigmar Gabriel (SPD) laut der Kanadierin ein Beispiel nehmen. Deutschlands Bundeswirtschaftsminister setzt sich für ein Zustandekommen von Ceta ein.

Stadtwerke stehen der Privatisierung entgegen

Doch auch wenn die Entscheidung im französischsprachigen Teil in Belgien ein Erfolg ist, ist der Kampf für den Schutz des „Blauen Goldes“ für Barlow nicht vorbei und wird auf internationaler Ebene geführt.

Daher ist die Wasseraktivistin und Autorin mehrerer Bücher zum Thema Wasser weltweit unterwegs und ihr Aktivismus führte sie auf jeden Kontinent des Globus.

Für ihre Verdienste im Kampf für gerechten und weltweiten Zugang zu Wasser und der Erhebung zu Wasser als Menschenrecht wurde Barlow 2005 mit Right Livelihood Award - auch Alternativer Nobelpreis genannt - ausgezeichnet.

Auch in Deutschland war sie bereits mehrmals, um den Widerstand gegen Ceta zu unterstützen. Nach Marburg eingeladen hatten sie die Stadtwerke Marburg, die laut Barlow „unheimlich wichtige Arbeit leisten“.

Die Stadtwerke der Universitätsstadt sind zu 100 Prozent in öffentlicher Hand. „Wir wenden uns energisch gegen die Privatisierung von Wasser. Das ist ein lebenswichtiges Gut, das nicht dem Profitstreben unterworfen werden darf“, machte Geschäftsführer Norbert Schüren deutlich.

Um sich für diese Überzeugung stark zu machen, ist der Versorger Mitglied in der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss deutscher Wasserversorger, die auf den globalen Wassernotstand aufmerksam machen wollen.

Am Montagabend wandte sich Barlow an ein größeres Publikum. Vor 100 Zuhörern hielt sie im Marburger Rathaussaal einen informativen Vortrag, bei dem sie nicht nur die Gefahren der Privatisierung des Wassers, sondern auch die Zerstörung des Grundwassers erörterte.

Die Ausbeutung durch den Menschen, insbesondere durch Ölbohrung und Waldrodung, seien massive Bedrohungen für den Grundwasserbestand.

Ein Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit

So hätten beispielsweise in Brasilien und China, bis vor zwei Jahrzehnten noch wasserreiche Länder, mittlerweile massive Wasserversorgungsprobleme. Wo das hinführt? „Wenn es so weitergeht, werden nach Schätzungen von Experten im Jahr 2075 rund sieben Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben“, informierte Barlow - ungläubiges Kopfschütteln bei mehreren Zuhörern. Auch Kriege um Wasser seien eine realistische Bedrohung

„In Zukunft müssen weltweit alle politischen Entscheidungen vor dem Hintergrund der nachhaltigen Wasserversorgung gesehen werden“, forderte Barlow und fügte an: „Wenn etwas schlecht für das Grundwasser oder die internationale Wasserversorgung ist, darf es nicht umgesetzt werden. Punkt. Aus!“ Barlow erntete begeisterten Beifall.

von Benjamin Kaiser

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