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„Der KV gehört auf die Füße getreten“

Ärztliche Versorgung „Der KV gehört auf die Füße getreten“

Nachdem die Kassenärztliche Vereinigung den ärztlichen Bereitschaftsdienst so weit eingedampft hat, dass von einst vier nur noch eine Zentrale im Landkreis existiert, stehen neue Einschnitte bevor. Ein Thema für den Kreistag.

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Klare Sache für SPD-Gesundheitspolitiker Dr. Thomas Spies: Wenn die Kassenärztliche Vereinigung die Patientenversorgung im ärztlichen Bereitschaftsdienst nicht sicherstellen kann, dann muss jemand anderes diesen Auftrag erfüllen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Der Kassenärztlichen Vereinigung gehört mal ordentlich auf die Füße getreten“, befand am Freitag im Kreistag der FDP-Mann Jörg Behlen und brachte damit auf den Punkt, was die Fraktionen zuvor miteinander besprochen hatten. Nämlich, dass die Kreispolitik nun endgültig die Nase voll hat von den Zentralisierung- und Sparmodellen der KV zu Lasten der Patienten im Landkreis - und von der schlechten Informationspolitik. So fühlte das Parlament sich von der KV völlig im Unklaren gelassen was die aktuelle Entwicklung angeht.

„2013 war es hier im Kreistag ein echtes Drama, als die Diskussion über die Schließung der dezentralen ärztlichen Notdienstzentralen lief - und seither ist es immer schlimmer geworden“, befand Jens Fricke (Piratenpartei). Im Kreistag wiederholten sich die Erfahrungsberichte über stundenlange Wartezeiten in der Notdienstzentrale in Wehrda, darüber, dass Eltern mit schwererkrankten Kindern wieder nach Hause geschickt und auf eine spätere Behandlung vertröstet werden, dass die Behandlung bürokratisch streng nach Eingang der Patienten statt nach Dringlichkeit abgewickelt werde.

Auch wiederholten sich die düsteren Prognosen. Die Situation werde sich, da der Notdienst in der Woche bereits nachts geschlossen hat und ab April auch am Wochenende in den Nachtstunden nicht mehr besetzt sein wird, noch erheblich verschlechtern. Menschen seien dann gezwungen, selbst eine Einschätzung über ihren Zustand zu treffen, „dabei kann es, beispielsweise bei einem Herzleiden, um Stunden gehen, die entscheidend sind - und für diese Einschätzung gibt es Ärzte, für deren Ausbildung wir viel Geld ausgeben“, sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Dr. Thomas Spies. „Wird die Versorgung durch einen Arzt nach nächtlichen Beschwerden erst am nächsten Morgen sichergestellt, kann es schon zu spät sein.“ Die Kreistagsmitglieder waren sich quer durch die Fraktionen einig: Die hausärztliche Notfallversorgung müsse an 24 Stunden pro Tag und an sieben Tagen in der Woche gewährleistet und nah bei den Menschen sein - sie müsse also den Gegenentwurf zu dem darstellen, was die KV mit ihrer stark eingeschränkten, zentralisierten und zum Teil über Callcenter abgewickelten Versorgung vorsieht.

Krankenhäuser könnten den Notdienst übernehmen

Der Antrag, den SPD, CDU, Grüne, Linke, Freie Wähler und FDP gemeinsam formuliert hatten und dem sich auch Jens Fricke (Piratenpartei) durch sein Votum anschloss, fiel dann auch sehr deutlich aus. An den Kreisausschuss ergeht der Auftrag, der KV mitzuteilen, dass die nächtliche Versorgung rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche sichergestellt sein muss. Der Kreistag fordert die KV auf, dafür Sorge zu tragen. Sofern die KV nicht in der Lage ist, diese Versorgung zu gewährleisten, erwartet der Kreistag, dass die im Kreis ansässigen Krankenhäuser diese Aufgabe übernehmen - dazu sollen sie die gleichen Abrechnungsmöglichkeiten erhalten, wie sie dem ärztlichen Notdienst zustehen. Sollte keine ambulante vertragsärztliche Versorgung gewährleistet werden können, soll Hessens Sozialministerium tätig werden - der Kreisausschuss soll die Gespräche dazu aufnehmen.

Der Kreistag bekräftigte die Förderung des Landkreistags, dass Rettungsdienststellen und ärztlicher Notdienst zusammengeführt werden sollen, damit bei Notfällen die Fachleute für einen optimalen Einsatz der Ressourcen Sorge tragen und somit entscheiden können, ob beispielsweise ein Rettungswagen zum Patienten rausgeschickt werden sollte.

Über dies will der Kreistag, dass der Kreisausschuss in einer Gesundheitskonferenz mit den Ärzten in der Region einen Bericht über den ärztlichen Bereitschaftsdienst hinsichtlich Verfügbarkeit, Wartezeiten sowie Inanspruchnahme seit der Neuordnung erstellt und zum April vorlegt.

von Carina Becker

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