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Der Hanspeter sitzt über dem Leibchen

Tracht des Jahres Der Hanspeter sitzt über dem Leibchen

Von der Jungmädchen-, der Kinder- bis hin zur Abendmahls- und Hochzeitstracht spannt sich die Bandbreite der Schweinberger Tracht - von „schlicht“ über „vornehm“ bis zu „gedeckt“.

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Vielfalt in Farbe, Mustern und Stoffen: Die Schweinsberger Frauentracht in unterschiedlichen Ausführungen.

Quelle: Erich Frankenberg

Schweinsberg. Die Vielzahl heimischer Trachten, die Volksmusik, die Mundart und der Tanz waren am Sonntag Trumpf in Schweinsberg. Gefeiert wurde der „Tag der Tracht“, der jedes Jahr vom Bezirk Mitte der „Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege“ (HVT) ausgerichtet wird.

Seit 2006 wird eine Tracht des Bezirkes Mitte, neben der bundesweiten Tracht des Jahres, ausgewählt. Die Proklamation der „Schweinsberger Frauentracht“ begann mit einem Gottesdienst in der Stephanskirche. Dekan Rainer Staege zeigte sich sichtlich erfreut über die zahlreichen verschiedenen Trachtenträger, die dem altehrwürdigen Gotteshaus ein neues, aber aus früheren Zeiten wiederum bekanntes Gesicht gaben.

Zu Beginn seiner Predigt ging der Dekan auf die Bedeutung der Trachten ein. So hätten die Trachtenträger vergangener Jahre sehr wohl gewusst, zu welchem Anlass und zu welchem Lebensabschnitt sie die entsprechende Tracht zu tragen hatten. Der Trachtenchor aus dem HVT-Bezirk Mitte mit Sängern aus dem gesamten Kreisgebiet und damit auch mit verschiedenen Trachten gestaltete den Gottesdienst musikalisch. Dabei bewiesen die Sänger, unter der Leitung von Peter Müller, dass sie nicht nur optisch ein gutes Bild abgeben, auch mit ihren sängerischen Leistungen trugen sie maßgeblich zum Gelingen des Gottesdienstes bei.

Nach dem Segen wurde den Besuchern schnell klar, was Ursula Ewig einmal in die Worte gefasst hatte: „Die Trachten sind für das Auge ein Spiegel der schöpferischen Vielgestaltigkeit des Volkstums.“ Die zahlreichen Trachtenträgerinnen im Altarraum der Stephanskirche zeigten die ganze Palette der Trachtenvielfalt des „städtischen Dorfes Schweinsberg“ auf. Die Bewohner Schweinsbergs hatten vor Jahren auf Initiative von Elisabeth und Helmut Hahn ihre Dachböden, alten Truhen und Schränke durchsucht und dabei diverse Schmuckstücke zu Tage gefördert. Dem Ehepaar und den Trachtenkennern Eckhardt Hofmann und Jürgen Homberger von der Hessischen Volkskunstgilde war es zu verdanken, dass die eigenständige Frauentracht nicht in Vergessenheit geraten ist. Dass diese von der Stadtmode und den benachbarten Marburger Trachten beeinflusst war, wurde bei der Vorstellung am „lebenden Beispiel“ deutlich. Von der Jungmädchen-, der Kinder- bis hin zur Abendmahls- und Hochzeitstracht spannte sich die optische Bandbreite, die von „schlicht“ über „vornehm“ bis zu „gedeckt“ und „dunkel“ reichte.

Die Tracht hielt sich bis 1989 im Alltag

Die Trachtenexperten verwiesen darauf, dass die kleine weiße Kappe, die auf der Vorderseite mit drei perlenbestickten Blümchen verziert ist, zu den Auffälligkeiten der Schweinsberger Tracht gehört. Eine weitere Besonderheit ist die über dem Leibchen getragene Frauenjacke mit angeschnittenen Ärmeln, der sogenannte Hanspeter, der hinten einen Ausschnitt hat, in dem man ein buntes Halstuch trägt. Gefertigt war es je nach Anlass und Jahreszeit aus Woll-, Seiden- oder Samtstoff in verschiedenen Farben, jedoch einfarbig mit oft gleichfarbigen Blumen.

In Schweinsberg, mit seinen aus dem 14. Jahrhundert währenden Stadtrechten hat sich die Tracht im täglichen Leben bis 1989 bis zum Tode der letzten Trachtenträgerin gehalten.

Während die bisher gewählten Trachten von Trachtenträgern der heimischen Trachtengruppen in der Öffentlichkeit gezeigt werden, ist der Gruppe um Helmut Hahn zu verdanken, dass die „Schweinsberger Frauentracht“ - eine Männertracht wurde bereits sehr früh abgelegt und ist nicht mehr genau bekannt - nicht in Vergessenheit geraten ist.

Nach dem Gottesdienst ging die Feier im Bürgerhaus weiter. Dort wurde deutlich welche Bandbreite der Bezirk Mitte in der Tracht, dem Volkstanz, dem Volkslied und der Mundart zu bieten hat. Die Kinder- und Jugendarbeit repräsentierten die Jungen und Mädchen der Kindergruppe aus Erksdorf unter anderem mit dem „Schustertanz“, dem „Fenster“ oder auch mit dem „Tampet“. Neben den Liedvorträgen des Trachtenchores Mitte zeigten die beiden Gitarristen der „Jungen Musik in Mitte“ mit ihrem Lehrer Dieter Ebinger (Rauischholzhausen), wie man Volkstänze musikalisch auf Saiteninstrumenten begleiten kann. Die ganze Schönheit hessischer und deutscher Volkstänze vom „Webertanz“, über den „Rheinländer“ bis hin zur allseits bekannten „Sternpolka“ zeigten die Tänzer der Brauchtumsgruppe Obereisenhausen, der Trachtengruppe Niederklein und die Erwachsenengruppe aus Erfurtshausen.

von Erich Frankenberg

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