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„Der Grüngürtel ist in Gefahr“

Vitos-Gelände „Der Grüngürtel ist in Gefahr“

Bei einem Sonntagsspaziergang erkundeten Mitglieder von Agenda-Gruppen und interessierte Marburger das Psychiatrie-Areal auf dem Vitos-Gelände.

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Naturschutzbeirat, Vertreter der Lokalen Agenda 21 und des BUND, OB-Kandidaten und interessierte Marburger besichtigten den Psychiatriepark.

Quelle: Arnd Hartmann

Marburg. „Der Grüngürtel ist in Gefahr“, betont Gerhard Haberle, Sprecher der Marburger Agenda-21-Gruppen im Hinblick auf die von der Vitos GmbH geplanten Grundstücksveräußerungen zum Bau von Wohnanlagen auf dem Psychiatrie-Areal an der Cappeler Straße, der früheren preußischen Landes-, Heil- und Irrenanstalt.

Bei frühsommerlichen Temperaturen trafen sich sowohl geladene Vertreter aus Politik, lokale Agenda-Gruppen, BUND als auch interessierte Marburger zum Sonntagsspaziergang auf dem Vitos-Gelände. Das „Kleinod der Stadt“, so sind sich Interessenverbände und Naturschützer einig, gilt nicht nur nach denkmaltopografischer Lage als schützenswert, dazu gehören auch der Baumbestand und dort lebende Tierarten.    

Eine Teilumgestaltung des parkähnlichen Geländes im Dreieck zwischen Cappeler Straße und Friedrich-Ebert-Straße würde erhebliche Eingriffe in das Terrain durch Rodung und Erdplanierung bedeuten, veranschaulichten die  lokalen Agenda-Gruppen das Wohnbauvorhaben nach der Offenlegung der Bauleitplanung zur dritten Änderung des B-Plans 10/1 des Vitos-Geländes.

„Es sind überraschend viele Leute gekommen“, sagte Agenda-Sprecher Gerhard Haberle. Laut Vitos sei  das Kapital der Anlage ihr alter Baumbestand. Unverständlich für die Interessenvertreter sei deshalb die Veräußerung der bewaldeten Teilstücke durch den Eigentümer,  den Landeswohlfahrtsverband. An einem ausgehängten Bebauungsplan aus dem Jahr 1976 verdeutlichte Martin Turek die betreffenden Grundstücksflächen. Der innere denkmalgeschützte Ring des Areals wird auch weiterhin von der Vitos GmbH als Therapiezentrum genutzt werden. Am äußeren „Grüngürtel“ auf Höhe der Cappeler Straße sollen dafür Stadtvillen mit Tiefgaragen und entlang der Friedrich-Ebert-Straße Sozialwohnungen entstehen.

„Zirka 500 Roteichen stehen laut Bauvorhaben zur Fällung“, sagte Naturschutzbeiratsmitglied Johannes Linn. Weiterhin seien 30 verschiedene Vogelarten und Fledermäuse in ihrem natürlichen Lebensraum bedroht.

„Die Roteichen kommen ursprünglich aus Nordamerika, sie sind nicht heimisch, aber enorm klimafreundlich“, entgegnete ein Naturschutzexperte auf dem Rundgang. Die Agenda-Vertreter machten jedoch ebenso deutlich: „Leute mit schmalem Geldbeutel brauchen sozialen Wohnungsbau.“ Nur sollten dafür geeignetere Standorte gefunden werden.

„Frischluftkorridor sorgt für besseres Klima“

Vor allem die bauplanerischen Vorhaben bereiten einigen Anwohnern trotz Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Stadt Bauchschmerzen. „Sozialwohnungen um den Grüngürtel sind dann der Emissionsschutzwall für die innenliegenden Stadtvillen“, sagte Christel Gabrian-Zimmermann.

Weiter ging es im Anschluss des Rundgangs Richtung „Stadtbalkon“, zu der ehemaligen Apfelobstplantage. Auf der heutigen Brachfläche soll aber dauerhaft keine Bebauung stattfinden. „Außerdem sorgt der Frischluftkorridor für ein besserer Klima in der Kernstadt“, sagte ein Teilnehmer.

Gegen das städtebauliche Vorhaben mahnten die Agenda-Gruppen am Ende des Spaziergangs.

Bis zum 31. Mai sei eine schriftliche Eingabe beim Bauamt noch möglich. Seit 14 Jahren bemühen sich die AgendaGruppen um den schonenden Umgang des Geländes. „Im Besonderen möchten wir die Geschäftsleitung ermuntern, nun endlich ihr freiraumplanerisches Entwicklungskonzept umzusetzen“, so Haberle.

von Arnd Hartmann

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