Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Der Gegenentwurf zum Berufspolitiker

Landratswahl Der Gegenentwurf zum Berufspolitiker

Auf den letzten Drücker nominierte auch Die Linke eine Kandidatin für die Landratsdirektwahl. Und schickt in der 31-jährigen Anna Hofmann zugleich ihre wohl erfahrenste Kreispolitikerin ins Rennen.

Voriger Artikel
Zehntausende pilgern auf Partymeile
Nächster Artikel
Elisabethkirche bleibt montags wieder auf

Mit zwölf Jahren Kreistagserfahrung kandidiert Anna Hofmann nun bei der Landratswahl am 8. September für Die Linke.Foto: Michael Agricola

Marburg. „Es gab einen längeren Diskussionsprozess, ob eine kleine Partei wie Die Linke neben dem Bundes- und Landtagswahlkampf auch noch eine dritte Wahl mit der gebotenen Ernsthaftigkeit organisieren kann“, begründet Kreisvorsitzender Jan Schalauske die späte Nominierung zwei Tage vor dem Bewerbungsschluss (die OP berichtete).

Letztlich setzte sich aber der Wunsch der Kreistagsfraktion um deren Vorsitzende Anna Hofmann durch, die die Politik, die sie im Kreistag vertritt, auch gern bei der Wahl des nächsten Landrats thematisieren und als Alternative zu den anderen Kandidaten anbieten möchte.

Nach dem einmütigen Ergebnis bei der Mitgliederversammlung der Partei in der vergangenen Woche stehe auch der gesamte Kreisverband hinter der Entscheidung, so Schalauske. Letztlich sei es auch eine logische Entscheidung, die drei Wahlen gemeinsam abzudecken. Schließlich würden auf Bundes- und Landesebene viele Entscheidungen gefällt, die von den Kommunen umgesetzt werden müssten. Diese Entscheidungen und Diskussionen - natürlich auch die Forderung der Linken nach einen neuen Steuersystem mit Vermögensabgabe, will Anna Hofmann auf die Landkreisebene herunterbrechen und in ihren Auswirkungen aufzeigen.

Inhaltlich setzt sie auf die Themen, mit denen die Partei auch im Kreistag zu punkten versucht. Der Aufbau von Medizinischen Versorgungszentren im ländlichen Raum gehört dazu, um den drohenden Versorgungslücken in den Dörfern zu begegnen. Selbst in einer Stadt wie Wetter seien von bislang sechs Allgemeinärzten nur noch vier aktiv, drei davon erreichten bald das Rentenalter.

Für dieses und für andere Probleme, etwa menschenwürdige Pflegeangebote auf dem Land oder vernünftige Verkehrsanbindungen, brauche es den Landkreis, der auch Aufgaben übernehmen müsse, aus denen sich andere herauszögen. Mit ehrenamtlichen Kräften allein sei dies aber nicht zu bewerkstelligen, meint Hofmann, im übrigen aber auch nicht ohne eine „andere Steuerpolitik“.

Die Forderungen nach einem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zum Nulltarif sowie die „durchdachte“ Umsetzung der Energiewende und der Rekommunalisierung der Eon Mitte will die 31-Jährige ebenfalls im Wahlkampf weiterverfolgen.

Als Person versteht sich Anna Hofmann in gewissem Sinne auch als Gegenentwurf zu den anderen Kandidaten und dem derzeitigen Landrat Robert Fischbach (CDU). Von einem solchen Posten seien viele Menschen ausgeschlossen, weil sie die in dem Job als selbstverständlich angesehenen 80 Stunden in der Woche zum Beispiel aus familiären Gründen oder wegen Krankheit nicht leisten könnten. Sie wolle hier ein Umdenken anstoßen, so dass eine Landratsstelle künftig vielleicht auch teilbar werden könnte.

Einen umfangreichen Straßenwahlkampf werde sie nicht machen können, sagt Anna Hofmann, die derzeit in der Endphase ihres politikwissenschaftlichen Studiums steckt. Sie werde aber mit Infoständen präsent sein, zudem integriere die Partei ihre Landratskandidatin natürlich in die eigenen Wahlkampfveranstaltungen zur Bundes- und Landespolitik. Unter anderem beim eigenen Sommerfest am 25. August, wo sich neben der hessischen Spitzenkandidatin Janine Wissler der Vorsitzende der Bundespartei, Bernd Riexinger, angekündigt hat.

von Michael Agricola

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr