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Der Garten wird zur Landschaft

Saisongarten Der Garten wird zur Landschaft

Ein alter Apfelbaum, die Johannisbeersträucher und ein Spalier mit Himbeeren und Brombeeren liefern etwas zum Naschen und bringen Konturen in den Garten.

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Dieses Spalier für Thaybeeren und Wein ist zugleich ein Beet für eine von April bis Oktober blühende Mischung aus verschiedenen Stauden. Foto: Rademacher

Marburg. Die Größe eines Gartens lässt sich in Quadratmetern bemessen. Wenn diese Zahl eher gering ausfällt, gibt es aber einen ganz legalen Trick, über das Manko hinwegzutäuschen, den Garten größer aussehen zu lassen, als er tatsächlich ist. Bäume, Sträucher oder ein Rosenbogen leisten dabei wertvolle Dienste. Sie helfen, Struktur und Konturen in den Garten zu bringen. Die ebene Fläche wird so für den Betrachter aufgebrochen, es entsteht gewissermaßen ein Davor und ein Dahinter, ein Oben und ein Unten. Teile der Gartenfläche werden verdeckt, das Gelände erhält eine optische Tiefe. Dieses Mittel der Gartengestaltung bewährt sich aber auch bei größeren Grundstücken.

Erdarbeiten schaffen dauerhaft neue Konturen

Wer für diesen Effekt bereit ist, einen größeren Aufwand zu betreiben, kann durch kleinere Aufschüttungen oder Vertiefungen der Gartenfläche zu unterschiedlichen Niveaus verhelfen. Von da ist der Schritt zu einer kleinen Trockenmauer, die die künstliche Erhebung begrenzt, und zum Gartenteich, der die Vertiefung mit Leben füllt, nicht mehr weit.

Aber auch ohne derlei landschaftsarchitektonische Anstrengungen lässt sich ein Garten strukturieren. Wer den Platz dafür hat, sollte in jedem Fall einen Obstbaum pflanzen. Der ist allemal besser als eine Fichte, die sich immer noch auch in kleineren Gärten findet. Das Nadelgehölz wird nämlich irgendwann so groß, dass es zum Problem wird, und außer vielen Nadeln und den Zapfen hat es wenig zu bieten. Wer Wert auf einen stattlichen Baum legt, wird auch bei den Obstbäumen fündig: Ein Apfel-Hochstamm kann leicht 10 bis 12 Meter groß werden - und wem das nicht reicht, der holt sich einen Walnuss-Sämling, dessen Spitze später einmal 18 Meter Höhe erreichen kann. Das aber ist für kleinere Gärten in der Regel schon zu viel des Guten, denn der Schatten, den ein solcher Baum wirft, ist nicht zu unterschätzen.

Gleichwohl hat der Apfel-, Birn-, Kirsch- oder Pflaumenbaum den Vorzug, dass er schon im Frühjahr mit seiner Blüte für einen Hingucker sorgt und im Sommer oder Herbst mit leckeren Früchten begeistert. Für die Gartenstruktur eignet sich ein großer Baum als höchster Punkt entweder für den Vordergrund oder das Ende des Gartens.

Der Rosenbogen lenkt den Blick in den Garten hinein

Mit einem Obstspalier lässt sich eine Blickachse durch den Garten vorgeben. Zur Bepflanzung eignen sich gleichfalls Apfel und Birne, aber auch Himbeeren, Brombeeren, Thaybeeren oder die Japanische Weinbeere. Aber auch Kiwi und Wein lassen sich entlang der Drähte ziehen und sorgen so für eine exotische Note. Das Spalier hat den Vorzug, dass sich das Obst leicht ernten lässt und auch die Pflege der Bäume und Sträucher durch die gute Erreichbarkeit kein Problem darstellt. Ein solches Spalier entfaltet im vorderen und mittleren Bereich des Gartens den größten optischen Effekt.

Eine ähnliche Wirkung lässt sich mit angelegten Wegen erreichen, vor allem, wenn sie durch einen Eingang, beispielsweise einen Rosenbogen, zusätzlich betont werden. Auch sie ziehen den Blick an und lenken ihn weiter in den Garten hinein.

Was im Großen für den kompletten Garten gilt, bewährt sich auch im Kleinen für das einzelne Beet. Hier bilden Sträucher, große Prachtstauden oder hohe Gräser den Hintergrund. Zu ihren „Füßen“ tummeln sich flache Polster, ehe mittelgroße Blumen den Vordergrund einnehmen. Damit das Arrangement natürlich und lebendig wirkt, müssen die Konturen verschwimmen. Einzelne Sträucher treten etwas hervor und die flachen Polster schlängeln sich zwischen den Hinguckern der mittleren Etage bis in den Vordergrund. Das Blumenbeet gleicht so einer bunten Hügellandschaft mit einem mächtigen Gebirge im Hintergrund, das möglicherweise von einem Flüsschen - einem kleinen Fußpfad - durchzogen wird.

Wenn ab dem späten Frühling das fruchtige Spalier begrünt ist, verdeckt diese Blickachse einen Teil des Gartens. Was mag hinter den prächtigen Himbeerruten verborgen sein, das da so gelb hindurchschimmert? Was hat sich hinter den drei mächtigen Johannisbeersträuchern versteckt, das ich hier von der Straße aus nicht sehen kann? Die Neugier ist geweckt, der Plausch mit der Gärtnerin nur eine Frage der Gelegenheit.

von Frank Rademacher

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