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Der Fußball hat ein Geschlecht

Der Fußball hat ein Geschlecht

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen begann am Donnerstag im Trauma eine Vortragsreihe mit dem Titel „Aus der Luft gehäkelt. Frauenfußball in Geschichte und Gegenwart“.

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Die Kulturwissenschaftlerin Almut Sülzle kam der Einladung Oliver Flohrs vom Trauma nach und sprach über das Bild des Frauenfußballs.

Quelle: Anna Ferdinand

Marburg. Am 26. Juni ist es soweit: Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft findet in Deutschland statt. Allerdings nicht irgendeine, sondern die der Frauen, was das Ganze nicht mehr nur zur schlichten Sportveranstaltung macht, sondern zu einem geschlechtsbezogenen Event. Ihr offizieller Titel: „FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011“ unter dem Motto „20ELF von seiner schönsten Seite“.

Bei ihrem Vortrag „Wie im Männerfußball über Frauenfußball gesprochen wird“ machte die Kulturwissenschaftlerin Almut Sülzle am Donnerstagabend darauf aufmerksam, dass schon im Titel des Wettbewerbs zwei wichtige Momente stecken, die viel über Frauenfußball und seinen Ruf aussagen: Es wird explizit darauf hingewiesen, dass es sich um eine Weltmeisterschaft der Frauen handelt. Die Sportart Fußball findet im Titel aber nicht explizit Erwähnung.

Was ist da eigentlich los? Wie kann es sein, dass in Zeiten, in denen so manche(r) die Gleichberechtigung der Geschlechter für erreicht hält, ein Fußball, der von Frauen anstatt von Männern gespielt wird, eine ganz andere Bewertung findet? Sülzle, die zum Thema Geschlecht im Männerfußball promoviert hat, sagt: „Das Bild eines männlichen Fußballs hält sich hartnäckig. Frauenfußball wird zu einer anderen Sportart erklärt.“

Dabei handelt es sich bei Fußballstadien heute keineswegs mehr um reine Männerarenen. Bei der WM – der Männer – 2006 lag der Frauenanteil im Publikum bei 30 Prozent und sogar die Hälfte der Zuschauer, die sich Bundesligaspiele im Fernsehen anschauen, sind Frauen.

„Die Männlichkeit des Fußballs ist keine Frage der Statistik, sondern der kulturellen Tradierung“, so die Marburger Kulturwissenschaftlerin. So herrscht zum Beispiel die Vorstellung, Fußball sei schon immer nur von Männern betrieben worden. Zum einen ist das kein Wunder, wenn man weiß, dass der DFB bis in die 70er Jahre Frauenfußball verboten hat. Zum anderen wird die Fassade eines männlichen Sports durch die Vorschriften mancher Ultrafangruppen aufrechterhalten: Der Frauenanteil darf 30 Prozent nicht überschreiten oder es dürfen bei Spielen nur Männer in die erste Reihe.

Wer sich vor Beginn der WM noch weitergehend mit dem Thema kritisch auseinandersetzen will, hat in den kommenden Wochen im Trauma dazu Gelegenheit. Am Mittwoch, 11. Mai, wird beispielsweise Yvonne Weigelt-Schlesinger ab 20 Uhr über Trainerinnen im Frauenfußball sprechen.

von Anna Ferdinand

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