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Der Bundespräsident lässt bitten

Marburgerin trifft Gauck Der Bundespräsident lässt bitten

Sie war eine der ersten farbigen Moderatorinnen im deutschen Fernsehen. Die Wurzeln von Nkechi Madubuko sind afrika­nisch, ihre Identität ist deutsch. Mit Joachim Gauck sprach sie auch über diese Verbindung.

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Der Tag beginnt wie jeder andere auch. Nkechi Madubuko steht auf, kümmert sich um ihre Kinder und geht nach dem Frühstück zum Briefkasten. Was sie darin findet, sorgt jedoch dafür, dass die 41-Jährige noch einmal genau hinschaut. Zwischen den Umschlägen steckt ein Brief, den man nicht alle Tage bekommt. Auf dem Anschreiben prangt der Bundesadler. Der Text beginnt mit den Worten: „Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland bittet darum, …“. Die Überraschung ist perfekt. Denn „wann wird man schon einmal persönlich vom Deutschen Staatsoberhaupt um etwas gebeten?“, fragt sich auch Nkechi Madubuko.

Der Brief beinhaltet die Einladung von Joachim Gauk ins Schloss Bellevue nach Berlin. Anlass ist die Gründung der Afrikanischen Union vor 50 Jahren. Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie weitere prominente Gäste sollen an diesem 24. Mai zusammenfinden, um über die Rolle Afrikas zu sprechen. Es geht um den gegen-­seitigen Austausch. Zwischen Sängern, Diplomaten, Schauspielern und Sportlern steht auch Nkechi Madubuko.

Dieses Ereignis wollte sich die ehemalige Viva-Moderatorin und Spitzensportlerin auf keinen Fall entgehen lassen. „Über dieses Datum hinaus hatte ich eigentlich einen Spanien-Urlaub geplant. Die Reise habe ich dann aber umgebucht.“

Mehr Unterstützung für die Arbeit an der Basis

Nein, eine Frage an Gauk habe sie sich vor dem Treffen nicht überlegt, sagt Madubuko. Im Nachhinein hätte sie ihn aber gerne auf ein ganz bestimmtes Thema angesprochen. Dabei geht es ihr um die Entlohnung von ehrenamtlichen Helfern: „Es gibt so viele Menschen, die an der Basis Pionierarbeit leisten. Die mit Enthusiasmus und unglaublicher Energie für Veränderungen kämpfen. Diese Menschen und ihre Projekte müssen finanziell besser gefördert werden“, sagt Madubuko, die ihren beruflichen Schwerpunkt derzeit auf Tagungs- und Kongressmoderationen legt.

In Berlin kommt es tatsächlich zu einem Gespräch mit dem Bundespräsidenten. Kurz, aber freundlich. Ein bisschen Smalltalk. Gauck fragt sogar, ob er das gemeinsame Foto vom Empfang zugesendet bekommen kann. „Natürlich habe ich ihm das Bild geschickt“, sagt Madubuko. Und welchen Eindruck hinterlässt denn nun unser Bundespräsident? „Zunächst ist er sehr professionell und freundlich. Ich denke, er hat ein Herz für Menschen, die sich gegen Widerstände durchsetzen müssen.“ Ehrlich habe sein Auftreten gewirkt: „Gleich zu Beginn seiner Rede gab er zu, dass Afrika für ihn ein relativ unbeschriebenes Blatt ist“, sagt Madubuko. Diese Matinee diene unter anderem dazu, mehr Wissen über Afrika zu transportieren.

Gauck streifte bei seiner Ansprache viele verschiedene Themen, zitierte afrikanische Philosophen und sprach über den noch immer zu bekämpfenden Rassismus in Deutschland. Ein Stück mehr Normalität im Umgang miteinander wünscht sich auch Madubuko, die während ihrer Zeit als Viva-Moderatorin (1996 bis 1999) mit manch anonymer Anfeindung umgehen musste. „Ich möchte mich nicht für mein Dasein rechtfertigen müssen. Ich fühle mich als Afro-Deutsche. Ich und all meine Geschwister sind hier geboren. Marburg ist meine Heimat.“ Verbittert oder desillusioniert ist sie jedoch keineswegs. „Ich bin bei meiner Zeit bei Viva unter 7000 möglichen Kandidaten ausgewählt worden. Das war eine ganz große Nummer für mich. Eine Ehre.“

Das Thema Afrika begleitet die ausgebildete TV-Redakteurin Zeit ihres Lebens. Dabei fällt ihr eine Sache immer wieder besonders auf: der westliche Blick auf den schwarzen Kontinent sei oftmals zu negativ geprägt. Stets höre und lese man von Hunger, Krieg und Krankheit, viel zu wenig aber vom „modernen Afrika“. Einem Afrika, das großartige Literaten und Künstler hervorbringe - das einen ganz eigenen Charme versprühe. Die 41-Jähri­ge schwärmt beispielsweise von Lagos: „Die Stadt ist eine Modehochburg. Überhaupt sind afrikanische Designer weltweit sehr gefragt.“ Es gehe nicht darum, die schlimmen Situationen in Afrika zu ignorieren, sondern darum, zu zeigen, welche positiven Entwicklungen es gibt. Noch immer herrschten zu viele Stereotypen-Bilder vor, meint Madubuko, aber „genauso wenig, wie Deutschland immer nur Weißwurst ist, ist Afrika nur Hunger“.

Blickpunkt:

  • Dr. Nkechi Madubuko ist Redakteurin bei 3Sat, ehemalige Leichtathletin, promovierte Sozialwissenschaftlerin, Moderatorin und Mutter.
  • Mit ihrer Familie lebt die 41-Jährige in Marburg, wo sie auch ihre schulische Laufbahn begann.
  • Mit 17 Jahren stellte sie mit 1,68 Metern den afrikanischen Rekord im Hochsprung auf.
  • Die Tochter nigerianischer Eltern promovierte 2010 an der Philipps-Universität. In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit Akzeptanzerfahrungen von Akademikern im Beruf.

von Dennis Siepmann

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